„Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild“

Schmerzmedizin, Jun 2018

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„Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild“

Schmerzmedizin „Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild“ 0 Das Interview führte Thomas Meißner - lassen. Ambroxol wirkt antiin ammatorisch und ist ein Natriumkanalmodulator. Auch DMSO wirkt antiin ammatorisch und reduziert o enbar oxidativen Stress. Tolerieren Patienten die Salbe nicht, können sie auch auf kühlende Retterspitz-Umschläge zurückgreifen – ein altes Hausmittel. Medikamentös emp†ehlt die deutsche Leitlinie außerdem die Behandlung mit Calcitonin und Bisphosphonaten über einen de†nierten Zeitraum. Spiegeltherapie gegen Schmerzen Die wichtigste Maßnahme, so Böger, sei jedoch eine möglichst frühe Physio- und Ergotherapie. Damit sollen pathologische Bewegungsmuster kompensiert, schmerzha’e Bewegungsmuster reduziert und die normale Sensibilität wiederhergestellt werden. Als erstaunlich e ektiv habe sich die Spiegeltherapie nach Ramachandran, einem US-amerikanischen Neurologen, erwiesen. Einmal korrekt erlernt, sollen die Patienten die entsprechenden Übungen selbstständig zuhause ausführen. Weitere Methoden zur Beseitigung der Körperschemastörung sind „Motor Imagery“, wobei ein Computerprogramm Bilder von rechten und linken Händen zeigt, die korrekt zugeordnet werden müssen, oder „Pain Exposure Physical ™erapy“ (PEPT). Hier sollen Patienten selbstständig über die Schmerzgrenze hinaus Bewegungen ausführen. ? Herr Dr. Böger, ein CRPS wird o erst spät erkannt. Warum? Böger: Viele Kollegen kennen das Syndrom nicht. Manche Chirurgen befürchten auch, man könnte ihnen das als iatrogen verursacht in die Schuhe schieben und wollen damit nicht in Verbindung gebracht werden. Richtig ist, dass scheinbar eine gewisse Prädisposition zum CRPS existiert. Andererseits gibt es begünstigende Faktoren, zum Beispiel ein schweres Trauma, Mehrfachoperationen an Hand oder Fuß oder ein drückender Gipsverband. ? Sie sprechen in Bezug auf die erapie von einem Paradigmenwechsel. Worin besteht der? Böger: Früher wurde das CRPS primär als Schmerzkrankheit gesehen. Um die Funktion der Extremität, meist der Hand, hat sich niemand gekümmert. Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild, dessen Hauptproblematik darin liegt, dass die Repräsentation der Hand oder des Fußes im Gehirn verändert ist. Wir müssen also versuchen, das Gehirn „umzuprogrammieren“, um die Funktion der Extremität wiederherzustellen. ? Wie geht das? Böger: Im Mittelpunkt steht eine spezielle Physio- und Ergotherapie mit medikamentöser und psychotherapeutischer Begleitung. Erstaunliche Ergebnisse erzielen wir mit der Spiegeltherapie nach Ramachandran: Der Spiegel steht auf einem Tisch zwischen rechtem und linken Unterarm. Der Patient sieht im Spiegel die gesunde Hand, die vom Gehirn als die Hand der Gegenseite, also als die kranke Hand, wahrgenommen wird. Wenn jetzt die gesunde Hand bewegt wird, registriert das Gehirn dies als schmerzlose Bewegung der kranken Hand. Auf diese Weise lernt es, die kranke Hand wieder normal anzusteuern und erfährt dabei die Rückmeldung: „Alles normal!“ Die meisten Patienten berichten nach der zweiten oder dritten Behandlung, dass ihr Gehirn die kranke Hand wieder beginnt zu akzeptieren und dass sich das Gefühl wieder normalisiert. ? Kann das jeder Physio- oder Ergotherapeut? Böger: Es gibt keine zerti”zierte Ausbildung und im Grunde ist das nicht besonders schwer. Allerdings wenden nur wenige Ergound Physiotherapeuten die Methode ambulant an. Das Wichtigste ist, dass die Patienten verstehen, was sie machen sollen, damit sie dann zu Hause fünf bis acht Mal täglich üben können. Wird das nicht gut verständlich erklärt, hilft die Therapie nicht. Wir nehmen „Wir müssen versuchen, das Gehirn ‚umzuprogrammieren‘, um die Funktion der Extremität wiederherzustellen“ Dr. Andreas Böger Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin an den DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel und Regionalleiter der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) am Schmerzzentrum Kassel Patienten, die mit der Spiegeltherapie nicht zurechtkommen, für einige Tage stationär auf, damit sie das erlernen können. ? Welche Empfehlung geben Sie Hausärzten? Böger: Schicken Sie diese Patienten zu einem interdisziplinär arbeitenden Schmerztherapeuten! Dieser kann am besten einschätzen, was der jeweilige Patient tatsächlich benötigt. Für den Erfolg ist die frühzeitige funktionelle Therapie wichtig. Mit Katheterverfahren wird es dagegen eher schlimmer und man verliert Zeit. ? Welche Prognose können Sie den Patienten mitteilen? Böger: Bei frühem Beginn der multimodalen Therapie bilden sich bei etwa 90 % der Patienten im ersten Jahr 90% der Beschwerden zurück. Das heißt natürlich auch, dass die Therapie zuhause konsequent fortgesetzt werden muss. Die Medikamente können ab einem bestimmten Punkt abgesetzt werden.


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Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature. „Heute sehen wir im CRPS ein komplexes Krankheitsbild“, Schmerzmedizin, 2018, 49-49, DOI: 10.1007/s00940-018-0868-5