Chronische Erkrankungen als treibende Kraft für Krebs

Im Focus Onkologie, Jul 2018

Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Gichtarthritis und kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen Krebsinzidenz sowie -mortalität, und das umso stärker, je mehr von ihnen gleichzeitig auftreten. Der Einfluss entspricht in etwa dem von 5 Lebensstilfaktoren, wie Rauchen und körperliche Inaktivität, zusammen.

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Chronische Erkrankungen als treibende Kraft für Krebs

MA, Müller-Schwefe GHH. Status quo der Behandlung tumorbedingter Dauer- und Durchbruchschmerzen in Deutschland. Schmerzmedizin. Chronische Erkrankungen als treibende Kraft für Krebs Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Gichtarthritis und kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen Krebsinzidenz sowie -mortalität, und das umso stärker, je mehr von ihnen gleichzeitig auftreten. Der Ein uss entspricht in etwa dem von 5 Lebensstilfaktoren, wie Rauchen und körperliche Inaktivität, zusammen. - ür eine prospektive Kohortenstudie werteten Forscher die Daten der MJ Health Research Foundation in Taiwan von mehr als 405.000 Patienten aus. Im Fokus standen 5 chronische Krankheiten: kardiovaskuläre Krankheiten, Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Lungenerkrankungen und Gichtarthritis. Primäre Endpunkte waren Krebsinzidenz und -mortalität. Außerdem wurden die Teilnehmer nach dem Grad ihrer körperlichen Aktivität und ihrem Verzehr von Früchten und Gemüse befragt. Alle einbezogenen chronischen Erkrankungen bzw. deren Marker – außer Blutdruck und Lungenerkrankung – waren jeweils mit einem erhöhten Risiko für eine Krebserkrankung assoziiert, mit adjustierten Hazard Ratios (aHR) von 1,07–1,44. Ebenso waren die chronischen Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko assoziiert, an den Folgen einer Tumorerkrankung zu sterben (aHR 1,12–1,70). Für die Berechnungen wurde eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigt, etwa Alter, Beruf, Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität. Schließlich berechneten die Forscher für jeden Studienteilnehmer Risikoscores, in denen die chronischen Erkrankungen und ihre Marker zusammen berücksichtigt wurden, und setzten sie in Beziehung zur Krebsinzidenz und -mortalität. Das Ergebnis: Teilnehmer mit dem höchsten Score (vs. dem niedrigsten), also den meisten positiven Markern, hatten eine 2,21-fach höhere Krebsinzidenz und sogar eine 4-fach höhere Krebsmortalität. Viele Tumorpatienten müssen unnötig Schmerzen erleiden Aktuelle Daten zur hiesigen Versorgungsqualität von Patienten mit tumorbedingten Schmerzen haben Ergebnisse zutage gefördert, die nicht nur den Betro—enen wehtun müssen. nverändert ist die schmerzmedizinische Versorgung von Tumorpatienten in Deutschland unzureichend und von einer bunten Mischung aus Unterund Fehlversorgung gekennzeichnet. Dieses Fazit ziehen die Schmerzexperten Michael Überall, Nürnberg, und Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen, aus den Resultaten einer Studie im Fachjournal „Schmerzmedizin“. An der Online-Querschnittbefragung im Rahmen der Praxis-Leitlinien-Initiative der Deutschen Gesellschaš für Schmerzmedizin waren 5.576 Patienten mit tumorbedingten Schmerzen beteiligt, von denen 47,4% auch unter tumorbedingten Durchbruchschmerzen litten. Dauerschmerzen durch den Tumor wurden laut der erhobenen Daten bei 21,1% der Patienten nicht ausreichend behandelt. Als Merkmal einer Unterversorgung galt dabei z. B. der Verzicht auf ein Opioid der WHO-Stufe 3 trotz 24-stündiger Dauerschmerzen von mehr als 40 mm auf der VAS-Skala. Bei den Durchbruchschmerzen betrug die Unterversorgung 35,4 %; das war etwa der Fall, wenn die Schmerzen bei einer Opioid-Tagesdosis von weniger als 60 mg Morphinäquivalent aušraten. Bei 7,7 % der Dauerschmerzen und 5,3 % der Durchbruchschmerzen war Die höchsten Scores waren mit 13,3, Jahren weniger Lebenszeit bei Männern und 15,9 Jahren weniger bei Frauen assoziiert. Der Anteil, mit dem die chronischen Erkrankungen bzw. Marker zum Aušreten einer Krebserkrankung beitrugen, war ähnlich hoch wie der Anteil der 5 folgenden Lebensstilfaktoren zusammen (sog. populationsbezogenes attributables Risiko: 20,5 bzw. 24,8 %): Rauchen, geringe körperliche Aktivität, geringer Verzehr von Obst und Gemüse, Alkoholkonsum und ein nicht dem Ideal entsprechender BodyMass-Index. Fazit: In dieser Untersuchung trugen die analysierten chronischen Erkrankungen mehr als ein Fünšel zum Risiko für eine Krebsneuerkrankung und mehr als ein Drittel zum krebsbedingten Mortalitätsrisiko bei. Peter Leiner Tu H et al. Cancer risk associated with chronic diseases and disease markers: prospective cohort study. BMJ. 2018;360:k134. eine Fehlversorgung festzustellen. Dabei entstehen vermeidbare Schäden respektive übersteigt das Schadenspotenzial den möglichen Nutzen. De«niert war die Fehlversorgung unter anderem als Einsatz einer Rescue-¬erapie ohne Vorliegen von Durchbruchschmerzen bzw. bei unzureichender Opioid-Tagesdosis. Nicht selten traten Unter- und Fehlversorgung kombiniert auf. Der Anteil betrug bei Patienten mit Dauerschmerzen 23,7 % und bei jenen mit Durchbruchschmerzen 30,6 %. Formal adäquat versorgt waren laut der Analyse 37,1 % der Patienten mit tumorbedingten Schmerzen. Fazit: Dieser Analyse zufolge erhalten weniger als 50% der Krebspatienten mit tumorbedingten Schmerzen eine adäquate Schmerzversorgung. Robert Bublak


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Peter Leiner. Chronische Erkrankungen als treibende Kraft für Krebs, Im Focus Onkologie, 2018, 71-71, DOI: 10.1007/s15015-018-4111-y