Hinterlassen SSRI Spuren im Gehirn von Babys?

gynäkologie + geburtshilfe, Aug 2018

Ob bei Kindern, die im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren, Entwicklungsstörungen auftreten, ist bislang unklar. Ein gewisser Einfluss auf die Hirnentwicklung wäre jedoch plausibel, da Serotonin und Serotonintransporter an vielen Entwicklungsschritten im Gehirn beteiligt sind. Forscher aus den USA haben den Einfluss von SSRI auf die Entwicklung von Neugeborenen genauer untersucht.

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Hinterlassen SSRI Spuren im Gehirn von Babys?

gynäkologie + geburtshilfe September 2018, Volume 23, Issue 5, pp 12–12 | Cite as Hinterlassen SSRI Spuren im Gehirn von Babys? AuthorsAuthors and affiliations Thomas Müller Literatur kompakt First Online: 29 August 2018 Ob bei Kindern, die im Mutterleib Antidepressiva ausgesetzt waren, Entwicklungsstörungen auftreten, ist bislang unklar. Ein gewisser Einfluss auf die Hirnentwicklung wäre jedoch plausibel, da Serotonin und Serotonintransporter an vielen Entwicklungsschritten im Gehirn beteiligt sind. Forscher aus den USA haben den Einfluss von SSRI auf die Entwicklung von Neugeborenen genauer untersucht. Open image in new window In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert. © Mehmet Dilsiz / Fotolia.com In epidemiologischen Studien wurden bei Kindern, deren depressive Mütter mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt wurden, vermehrt Autismus und Depressionen festgestellt. Ob ein kausaler Zusammenhang besteht oder ob Umweltfaktoren und Genetik ausschlaggebend sind, bleibt unklar. Forscher aus den USA haben nun die Einflüsse der fetalen SSRI-Exposition bei 98 Neugeborenen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht. Davon hatten 37 Babys depressive Mütter, von denen 16 während der Schwangerschaft mit SSRI behandelt wurden. Die Mütter von 61 Babys waren weder depressiv noch hatten sie SSRI erhalten. Open image in new window Ob fetale SSRI-Exposition strukturelle Veränderungen im Gehirn von Babys herbeiführt, oder sozioökonomische Unterschiede die Datenlage verzerren, bleibt ungewiss. © Jbryson/Getty Images/iStock (Symbolbild mit Fotomodellen) Das Volumen der rechten Amygdala und des rechten Inselkortex von Kindern SSRI-behandelter Mütter war im Vergleich zum übrigen Gehirn überproportional vergrößert. Unterschiede fanden die Forscher auch in anderen Hirnregionen, wenn sie die SSRI-exponierten Kinder entweder nur mit nicht exponierten Kindern von depressiven oder nur mit nicht exponierten Kindern von gesunden Müttern verglichen. Die Kinder unbehandelter Depressiver zeigten dagegen im Vergleich zu Kindern mit gesunden Müttern keine signifikanten Unterschiede. Zudem fanden die Forscher bei exponierten Kindern eine verstärkte strukturelle Konnektivität zwischen rechter Amygdala und rechtem Inselkortex, zwischen linkem vorderem Cingulum und linkem Thalamus, zwischen rechtem Gyrus praecentralis und rechtem Cuneus sowie zwischen linker Insula und rechtem Cuneus. Die Konnektivität war hier jeweils höher als bei nicht exponierten Kindern depressiver und gesunder Mütter. Für die dazugehörigen Netzwerke ergaben die Analysen jedoch keine signifikanten Unterschiede. Die Amygdala- und Insula-Expansion bei den SSRI-exponierten Kindern hatte auch dann noch Bestand, wenn — so gut möglich — maternales Alter, Ethnie und Haushaltseinkommen berücksichtigt wurden. Ähnliches galt für die Differenzen der Konnektivität. Ob sich Veränderungen dieser Bereiche bei SSRI-exponierten Kindern tatsächlich auf SSRI zurückführen lassen, bleibt weiterhin unklar. Möglicherweise waren die SSRI-behandelten Mütter depressiver als die unbehandelten oder soziökonomische Unterschiede haben die Resultate verzerrt. Unter Umständen normalisieren sich die strukturellen Abweichungen im Laufe der Entwicklung auch wieder. Hier wären erneute MRT-Untersuchungen einem späteren Zeitpunkt nötig. Fazit: Werden depressive Frauen während der Schwangerschaft mit SSRI behandelt, haben die Kinder nach der Geburt eine deutlich größere rechte Amygdala und rechte Insula als Kinder, deren Müttern kein SSRI verabreicht wurde. Unklar ist, ob solche Kinder später Probleme mit der Emotionsregulation bekommen. Literatur Lugo-Candelas C et al. Associations Between Brain Structure and Connectivity in Infants and Exposure to Selective Serotonin Reuptake Inhibitors During Pregnancy. JAMA Pediatr. 2018; 172: 525–33CrossRefGoogle Scholar Copyright information © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018 Authors and Affiliations Thomas Müller11.http://www.springermedizin.de


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Thomas Müller. Hinterlassen SSRI Spuren im Gehirn von Babys?, gynäkologie + geburtshilfe, 2018, 12-12, DOI: 10.1007/s15013-018-1501-3