Ethik in der Intensivmedizin

Intensivmedizin und Notfallmedizin, Feb 2010

Prof. Dr. U. Janssens

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Ethik in der Intensivmedizin

0 U.Janssens Klinik fr Innere Medizin, St.-Antonius-Hospital , Eschweiler 1 Korrespondenzadresse Prof. Dr. U. Janssens Klinik fr Innere Medizin, St.-Antonius-Hospital Dechant-Deckers-Str. 8 , 52249Eschweiler Hamburger Ex-Senators im Bereich des assistierten Suizids (http://www.suizidbegleitung.de; Zugriff am 03.01.2010 nicht mehr mglich, da durch ein Passwort geschtzt) sind ein klares Indiz dafr, dass Patienten sich von der Medizin verlassen fhlen und andere Wege aus einem fr sie nicht mehr ertrglichen Leben suchen. Sterben auf der Intensivstation ist hufig und kommt selten unerwartet. Amerikanische und europische Daten belegen eindrucksvoll, dass dem Tod eines Intensivpatienten in mehr als 70% der Flle ein Behandlungsverzicht oder eine Therapielimitierung vorangeht [2]. - Die Intensivmedizin hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig nach vorne entwickelt. Technologische Fortschritte in Diagnostik und berwachung, aber auch die Einfhrung neuer Medikamente haben das Spektrum der Intensivmedizin erweitert. Die Erfolge der modernen Medizin schlagen sich deutlich in einer vernderten Demografie nieder: Die mittlere Lebenserwartung hat in den letzten Jahren zugenommen, der Anteil lterer und ltester Patienten wchst stndig (. Abb.1 ). Diese Vernderung der allgemeinen Altersstruktur und der gleichzeitig nachweisbar zunehmende Anteil sehr alter Patienten auf der Intensivstation [1] stellen die Intensivmediziner vor neue Herausforderungen. Dabei spielt die altersabhngig wachsende Anzahl an Komorbiditten eine besondere Rolle. Chronische Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Diabetes oder Niereninsuffizienz sind fr die Prognose neben dem Alter von herausragender Bedeutung. Die natrlichen Grenzen des Lebens werden durch eine effektive Intensivmedizin tatschlich immer weiter verschoben die Hochleistungsmedizin scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Neben dem Wunsch vieler Menschen nach einem langen und mglichst gesunden Leben macht sich aber auch eine Angst vor einer inhumanen Apparatemedizin breit, die ein Sterben nicht zulsst und einen Sterbeprozess unntig und qualvoll verlngert. Diese zum Teil sicher berechtigten ngste werden durch Medien, Vereinigungen (z. B. Dignitas) und Einzelpersonen instrumentalisiert. Die Aktivitten eines Diesen Entscheidungen sind in der Regel sehr komplexe Diskussionen vorgeschaltet, die neben enormem medizinischem Sachverstand dem Intensivmediziner auch juristische Kenntnisse abverlangen und eine hohe soziale Kompetenz und Kommunikationsfhigkeit erfordern. Dabei spielt die Medizinethik eine zentrale Rolle. Das Wohlergehen der Patienten, das Verbot zu schaden (Primum non nocere) und das Recht auf Selbstbestimmung (Prinzip der Autonomie) sind elementare Bestandteile einer ethisch ausgerichteten Entscheidungsfindung. 0 - 14 Jahre 15 - 64 Jahre 65 - 79 Jahre Die Beitrge der aktuellen Ausgabe beleuchten das Thema Ethik sowohl theoretisch als auch praxisorientiert. P. Schmucker fhrt in die Thematik ein, sein Beitrag ist propdeutisch zu werten, liefert aber gleichzeitig auch praktische Beispiele. W. Druml weist auf die Bedeutung nicht nur einer neuen Terminologie, sondern auch einer neuen Sichtweise der Therapie am Lebensende hin. Der Stellenwert der Palliativmedizin wird im Beitrag von A. Valentin eindrucksvoll untermauert. Das im vergangenen Jahr verabschiedete Gesetz zur nderung des Betreuungsrechts weist der Patientenverfgung eine besondere und neue Rolle zu. A. Simon geht in seinem Beitrag auf das neue Gesetz und seine Bedeutung fr die Intensiv- und Notfallmedizin ein. Die Angehrigen von Intensivpatienten sind gerade bei nicht kompetenten, bewusstseinsgestrten Patienten fr die Entscheidungsablufe unabdingbar und bentigen umgekehrt Untersttzung durch das gesamte Behandlungsteam. Der Beitrag zur Angehrigenkonferenz von U. Janssens zeigt Wege auf, wie eine solche Besprechung zu planen und durchzufhren ist. Viele der genannten Aspekte werden durch A. Wallner abschlieend zusammengefasst: Die Organisation medizinischer Entscheidungen am Lebensende darf kein Zufall sein, sie ist genau zu planen und elementarer Bestandteil der Behandlungsqualitt auf der Intensivstation. Als Herausgeber dieses Themenheftes darf ich den Autoren fr ihre exzellenten Beitrge danken. Gleichzeitig lade ich als Sprecher der Sektion Ethik der Deutschen Gesellschaft fr Intensivmedizin und Notfallmedizin zur aktiven Mitarbeit ein. Als Intensivmediziner mssen wir eine fhrende Rolle in ethischen Diskussion und Fragestellungen einnehmen und damit auch gestaltend in gesellschaftliche Prozesse eingreifen. Wo das Bewusstsein schwindet, dass jeder Mensch uns als Mensch etwas angeht, kommen Kultur und Ethik ins Wanken. Das Fortschreiten zur entwickelten Inhumanitt ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Albert Schweitzer (18751965), deutschfranzsischer Arzt, Theologe, Musiker und Kulturphilosoph, 1952 Friedensnobelpreis Fachnachrichten Telemedizin zum Anfassen Zu den Highlights der CeBIT (02.-06.03.10, Hannover) gehrt in diesem Jahr fr rzte und Gesundheitspersonal die Sonderschau FutureCare innerhalb der TeleHealth, die in Halle 9 stattfindet. Die Vernetzung unterschiedlicher medizinischer Bereiche wie Prvention, Diagnose, Rntgenaufnahmen, Therapie, Nachsorge etc. verlangt eine reibungslose Weitergabe von unstrukturierten Informationen und Daten und ist heute in der Medizin von entscheidender Bedeutung. Anhand verschiedener realer Anwendungen wird auf der FutureCare gezeigt, wie sich rzte und weitere beteiligte Berufsgruppen in der Zukunft durch eben dieses vernetzte Arbeiten noch mehr um den Patienten kmmern knnen.Fr fast jede Fachgruppe gibt es groe Mglichkeiten fr einen Einsatz von Telemonitoring zum Vorteil von Patienten, und die Investitionen liegen nahe null, meint Professor Harald Korb, Beiratsvorsitzender der TeleHealth. Verschiedene Rundgnge zu Themen wie dem Einsatz telemedizin-gesttzter Tertirprvention, integrierter Versorgung in Kliniken oder Nutzung elektronischer Notfalldaten in einem akuten Notfall zeigen, wie Daten ber den gegenwrtigen gesundheitlichen Zustand des betreffenden Menschen Auskunft geben und wie diese Daten fr weitere Entscheidungen fr eine optimale gesundheitliche Versorgung rechtzeitig zur Verfgung stehen. Kostenlose E-Tickets fr Leser der rzte Zeitung Fr die CeBIT steht derrzte Zeitung als Medienpartner der begleitenden Messe TeleHealth ein Kontingent kostenloser E-Tickets zur Verfgung, die Haus- und Fachrzte, aber auch Kliniker und andere Heilberufler in Anspruch nehmen knnen. Die Karten berechtigen zum einmaligen Besuch von CeBIT und TeleHealth. Die Tickets sind registrierungspflichtig. Ein Link auf www.aerztezeitung.de im Kasten TeleHealth / CeBIT 2010 in der Navigationsspalte rechts fhrt zur Registrierung. Nach Registrierung wird das Ticket an die angegebene E-Mail-Adresse versandt. Der Ausdruck gengt fr den Eintritt.


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Prof. Dr. U. Janssens. Ethik in der Intensivmedizin, Intensivmedizin und Notfallmedizin, 2010, 9-10, DOI: 10.1007/s00390-009-0132-2