Distale Radiusfraktur im Wachstumsalter
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R.Kraus Klinik fr Unfallchirurgie, Orthopdie, Wirbelsulen- und Kindertraumatologie, Asklepios Klinik Lich
Die distale Radiusfraktur im Wachstumsalter darf zwar nicht als Bagatellverletzung angesehen werden. Sie erweist sich aber in den meisten Fllen als gutartig und trgt fr Kinder und Heranwachsende gewissermaen zur Lebenserfahrung bei. Fr den Kindertraumatologen bedeutet ein sicherer Umgang mit dieser Verletzung und ihrer Differenzialtherapie, dass er 40% der Frakturen der langen Rhrenknochen - damit 20% aller Frakturen im Wachstumsalter - und somit einen ganz erheblichen Teil seiner Patienten adquat zu behandeln in der Lage ist.
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Frakturen des distalen, metaphysren
Radius bzw. des distalen Unterarms sind die
hufigsten knchernen Verletzungen bei
Kindern und Jugendlichen. Sie machen
etwa 40% der Frakturen der langen
Rhrenknochen und damit etwa jede 5.
Fraktur im Wachstumsalter, bezogen auf das
gesamte Skelett, aus [3]. In einer eigenen,
von Li-La (Licht und Lachen fr kranke
Kinder e. V.) initiierten Studie lag der
Anteil bei 41,6% der Frakturen der langen
Rhrenknochen (681 Kinder) mit einem
Altersgipfel um das 13.Lebensjahr [14].
In einer weiteren Studie machten unter
1399 berufsgenossenschaftlich
versicherten Schulunfllen distale Radiusfrakturen
24,3% aller erlittenen Frakturen aus [17].
Als der einer distalen Radiusfraktur
im Wachstumsalter zugrunde liegende
Hauptunfallursache wird hufig
sportliche Bettigung angegeben [1, 14, 15, 17].
Klassifikation
Grundstzlich ist es wie bei Erwachsenen
sinnvoll, distale Radiusfrakturen nach der
Richtung der Gewalteinwirkung und
damit der Richtung einer ggf. vorhandenen
Dislokation zu klassifizieren. In diesem
Sinne unterschieden werden knnen
F Flexionsfrakturen und
F Extensionsfrakturen,
wobei auch in der im vorliegenden
Beitrag besprochenen Altersklasse die
Extensionsfrakturen bei Weitem
berwiegen. Darber hinaus ist es natrlich nach
wie vor angemessen und dem
allgemeinen Sprachgebrauch angepasst, spezielle
Frakturformen mit tradierten
Klassifikationen zu beschreiben. Im Fall des
wachsenden Knochens sind in diesem
Zusammenhang v. a. die weit verbreiteten
Unterteilungen fr Wachstumsfugen
beteiligende Frakturen nach Aitken und
Salter-Harris (nach [19]) zu nennen.
Daneben etablierten sich jedoch
allgemeingltige, zumindest fr alle langen
Rhrenknochen anwendbare
Klassifikationen fr Frakturen im Wachstumsalter,
die, aus einem gemeinsamen Ursprung
entstanden, unterschiedliche
Schwerpunkte setzen. Dabei handelt es sich um
F das fracture and dislocation
classification compendium for children der
AO (Arbeitsgemeinschaft fr
Osteosynthesefragen; [26]) und
F die Li-La-Klassifikation fr
Frakturen der langen Rhrenknochen im
Wachstumsalter [13, 25].
Die Unterschiede dieser beiden
Einteilungen beziehen sich v. a. auf enthaltene
therapeutische Hinweise, die Zahl der
Ausnahmeregelungen und die Zuordnung der
Wachstumsfugenlsungen Salter-Harris
I und II zur Metaphyse und damit dem
Knochenschaft (Li-La) bzw. zur
Epiphyse und damit dem Gelenk (AO). Die
LiLa-Klassifikation erlaubt mit der
derzeitig aufgrund fehlender Datenlage an
vielen Stellen noch subjektiven Einschtzung
einer tolerablen oder nichttolerablen
Dislokation an der 5. Stelle des Kodes eine
Plausibilittsprfung der eigenen
Vorgehensweise.
Eine vollstndig dislozierte Fraktur der
distalen Radiusmetaphyse wird nach AO
mit 23r-M/3.1, nach Li-La mit 2.3.S.3.2
klassifiziert. Eine geringfgig nach
dorsal abgerutschte Wachstumsfugenlsung
Salter-Harris II erhlt nach AO den Kode
23r-E/2.1, nach Li-La den Kode 2.3.S.1.1.
Klassifikationsbungen finden sich in der
weiterfhrenden Literatur [25, 26] und im
Internet (www.li-la.org,
www.aofoundation.org).
Frakturformen und Stabilitt
Im Bereich des distalen, metaphysren
Radius finden sich alle fr das
Wachstumsalter typischen stereotypen
Frakturformen [19].
Wulstfrakturen (buckle fractures) des
Vorschulalters. Sie manifestieren sich
ohne Unterbrechung der Kontinuitt
des Knochens. Es handelt sich um
Stauchungsfrakturen, die auf dem
Rntgenbild manchmal erst bei subtiler
Betrachtung erkannt werden.
Dieser Artikel erschien ursprnglich in Trauma
und Berufskrankheit 4/2012
Stauchungsfrakturen lterer Kinder und
Jugendlicher. Sie bieten meist das Bild
der Infraktion einer Kortikalis (meist
dorsal), whrend die gegenberliegende
Kortikalis unverletzt oder allenfalls leicht
gebogen erscheint. Beide Formen sind stabil
und dislozieren nicht sekundr [24].
Biegungsbrche. Eigentliche
Grnholzfrakturen sind metaphysr selten. Sie
zeichnen sich durch eine klaffende
Kortikalis (meist palmar) aus. Die typische
Problematik der hohen Refrakturraten der
eigentlichen Grnholzfraktur des
Unterarmschafts findet sich distal, nicht jedoch
metaphysr. Nicht selten aber kommt es
whrend der Gipsbehandlung zu einer
leichten Zunahme der Abkippung.
Metaphysre vollstndige Frakturen
des distalen Radius. Sie sind nicht selten
vollstndig disloziert, d. h. um mehr als
Schaftbreite verschoben, verkrzt und
ohne Fragmentkontakt und fhren zum
typischen klinischen Bild der
Bajonettfehlstellung. Nach Reposition kommt es oft zu
einer sekundren Abkippung, nie jedoch
zu einer vollstndigen Redislokation.
Wachstumsfugenlsung mit oder ohne
metaphysren Keil. Sie ist die typische
Frakturform der Pubertt, hier bildet die
Fuge eine Sollbruchstelle zum Schutz der
Epiphyse und damit des Gelenks selbst.
Intraartikulre Frakturen. Sie sind im
Gegensatz zum Erwachsenenalter bei
Kindern und Jugendlichen extrem selten.
Wenn sie vorkommen, dann als
berAbb. 1 9 Sonographie
des distalen Radius,
radial, longitudinal,
unschwer zu
erkennende geringfgige
Kortikalisverwerfung
unmittelbar proximal der
Wachstumsfuge (Pfeil).
(mit freundl.
Genehmigung von Dr. O.
Ackermann, Duisburg)
gangsfraktur in der Pubertt und zum
Ende der Wachstumsperiode [10, 16].
Diagnostik
Anamnese und Klinik
Die Diagnose einer distalen Radiusfraktur
kann in aller Regel klinisch gestellt
werden. Die Anamnese und der Sturz auf das
extendierte Handgelenk geben dabei den
Hinweis. Der Aspekt der
Bajonettfehlstellung bei komplett dislozierten
Frakturen ist pathognomonisch. Im Falle
undislozierter Frakturen kann die
begleitende Weichteilschwellung gering ausgeprgt
sein. Bei entsprechender Anamnese und
Schmerzangabe verbietet sich die
berprfung lokaler mehr oder weniger
sicherer Frakturzeichen wie Druckschmerz
und Krepitation.
Die klinische und apparative
Diagnostik darf nicht zustzliche Schmerzen
erzeugen. In jedem Fall berprft werden
mssen jedoch die periphere
Durchblutung und Nervenfunktion. Bei
dislozierten distalen Radiusfrakturen muss v. a.
auch an eine Lsion des N. medianus in
Form eines traumatischen
Karpaltunnelsyndroms gedacht werden.
Rntgen
Basis der apparativen Diagnostik ist das
konventionelle Rntgenbild in 2
Ebenen im lateralen sowie im
dorsoventralen Strahlengang [19, 20]. Die
Diagnose dislozierter Frakturen bereitet dabei
keine Schwierigkeiten, lediglich die
Detektion von gering ausgeprgten
Stauchungs- oder Wulstbrchen bzw. kaum
dislozi (...truncated)