Krebs im hohen Alter: Scores für eine gezielte Therapie

gynäkologie + geburtshilfe, Apr 2016

Philipp Grätzel von Grätz

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Krebs im hohen Alter: Scores für eine gezielte Therapie

Kaum bekannte Biologie: vom Rätsel der Hirnmetastasen Deutscher Krebskongress - Hnis im Krankheitsverlauf, unter an irnmetastasen sind ein spätes Ereigderem beim Mammakarzinom. Doch der Metastasierungsprozess mit seiner klonalen Entwicklung ist keineswegs wie lange angenommen linear, berichtete Prof. Tobias Pukrop, interdisziplinäre Onkologische Tagesklinik, Universitätsklinikum Regensburg. Bei verschiedenen Tumorentitäten konnte inzwischen gezeigt werden, dass sich die klonale Entwicklung früh verästelt. Die Folge: Hirnmetastasen haben ein ganz anderes genetisches Pro•l als der Primarius und der Stammzellklon ist meist nicht mehr nachweisbar. Die manifeste Hirnmetastase sei ferner das Ende einer langen Entwicklung. Möglicherweise haben es schon bei Diagnosestellung einzelne Tumorzellen gescha§, die Blut-HirnSchranke und endotheliale Abwehrmechanismen des Gehirns zu überwinden, so Pukrop. Die Ansiedlung hat also möglicherweise längst stattgefunden, das Gehirn ist bereits kolonisiert, auch wenn die Makrometastasierung erst viel später au ritt. Die †erapie des Primarius beein¨usst diese weitere Entwicklung nicht. Wahrscheinlich führen die anderen Abwehrmechanismen in verschiedenen Organen auch zu einer spezi•schen Selektion von Klonen. Pukrop sprach von einer maximalen Heterogenität – nicht nur Primarius und Hirnmetastasen haben wenig gemein, auch eine Organmetastase habe ihr eigenes Mutationsmuster. Das könnte auch der Grund sein, warum viele zielgerichtete †erapien zwar das progressionsfreie, nicht aber das Gesamtüberleben verlängern. Die Mutationsbestimmung des Primarius alleine scheint o ungenügend, zumindest progrediente Metastasen müssen kün ig vielleicht häu•ger biopsiert oder reseziert werden. Krebs im hohen Alter: Scores für eine gezielte Therapie Dälterer Menschen werde in der Krebs ie gesundheitliche Gesamtsituation therapie o nicht genug berücksichtigt, sagte Prof. Yon-Dschun Ko, JohanniterKrankenhaus Evangelische Kliniken Bonn. 40 % der 70-Jährigen sterben innerhalb von zehn Jahren an nicht onkologischen Erkrankungen. Die Wirksamkeit einer adjuvanten †erapie, durch die 2–4 % mehr Patienten zehn Jahre lang leben, werde allein deswegen schon statistisch ausgedünnt. Infolge eingeschränkter Leber-, Nieren- und Hirnfunktion treten im Alter unerwünschte Wirkungen auch rascher ein und sind schwerer rückgängig zu machen. „Wir müssen uns deswegen bei alten Krebspatienten immer fragen, ob eine †erapie eigentlich noch relevant ist“, so Ko. Entscheidend sei, die nicht krebsbezogene Gesamtprognose zu bewerten. Doch wie können diejenigen erkannt werden, die noch von einer Maximaltherapie pro•tieren? Imke Ortland, Klinische Pharmazie, Universität Bonn, plädierte für den Einsatz onkogeriatrischer Scores wie den CRASH- oder CARG-Score, die krebs- und krebstherapiebezogene sowie altersbezogene Faktoren einbeziehen und in Bonn derzeit klinisch evaluiert werden. In der Pilotphase mit 20 Krebspatienten jenseits der 70 bescheinigten beide Scores jeweils drei von vier Patienten ein mittleres bis hohes Risiko für starke unerwünschte Wirkungen. Die behandelnden Ärzte dagegen hielten 16 von 20 Patienten •t genug für eine Maximaltherapie. Bei über 100 Patienten wird jetzt prospektiv überprü , ob die Scores oder Ärzte die Patienten besser einschätzen. Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn, stellte eine Studie vor, in der bei Krebspatienten in Abhängigkeit vom Risiko für unerwünschte Wirkungen wie Mucositis, Nausea/Emesis, Schmerzen oder Fatigue bestimmte Medikationsmanagementmodule durchlaufen wurden. Au retende Probleme sollten früh erÜber die Biologie von Hirnmetastasen sei derzeit noch viel zu wenig bekannt. Zumindest für ZNS-Metastasen beim Mammakarzinom ist Prof. Volkmar Müller, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, dennoch optimistisch. Verschiedene, meist HER2-gerichtete Tyrosinkinaseinhibitoren, ein trifunktionaler Antikörper sowie ein Vakzin be•nden sich in früher klinischer Prüfung. Da Hirnmetastasen von verschiedenen Primärtumoren unterschiedlich sensibel sind, sollten Studien organspezi•sch angelegt werden. Müller lud zur deutschen Registerstudie BMBC zu ZNS-Metastasen beim Mammakarzinom ein. Im Rahmen der Studie sollen prospektiv und retrospektiv Daten zu Erkrankungsverläufen von Patientinnen mit Hirnmetastasen eines Mammakarzinoms erhoben werden. Die Daten sollen helfen, die Ursachen für die Entstehung von Hirnmetastasen bei Brustkrebs besser zu verstehen. Friederike Klein „State of the Art: Hirnmetastasen und spinale Metastasen“, 25.2.2016 kannt werden. Unabhängig vom Alter der Patienten ließ sich dadurch das Au reten schwerer unerwünschter Wirkungen im Mittel um einen †erapiezyklus verzögern, so Jaehde. Im nächsten Schritt soll das Bonner Medikationsmanagement jetzt um onkogeriatrische Assessments erweitert werden. Philipp Grätzel von Grätz „State of the Art: Medikationsmanagement beim älteren Krebspatienten“, 26.2.2016 Weitere Infos auf springermedizin.de Weitere Beiträge vom 32. DKK unter anderem zur Adhärenz bei oraler Krebstherapie oder zu Möglichkeiten der Supportivtherapie finden Sie in unserem Online-Dossier unter 7 www.springermedizin.de/ 6081016


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Philipp Grätzel von Grätz. Krebs im hohen Alter: Scores für eine gezielte Therapie, gynäkologie + geburtshilfe, 2016, 37, DOI: 10.1007/s15013-016-0905-1