Zeitkritisch

ATZelektronik, Oct 2016

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Zeitkritisch

Liebe Leserin lieber Leser Markus Schöttle Stellvertretender Chefredakteur „Wir haben immer gesagt, dass man Geld verliert, wenn man zu früh dabei ist“, sagte ein Daimler-Manager, der nicht genannt werden möchte. „Jetzt ist unsere Ansicht, dass man den Markt verliert, wenn man sich zu lange Zeit lässt.“ Das Zitat zählt zu den Vorboten eines von Dr. Dieter Zetsche angekündigten Umbruchs - und der kommt schneller und ist radikaler, als von vielen Branchenbeobachtern erwartet. Der Daimler-Chef kündigt beispielsweise die Gründung einer Submarke für seine Elektroautoflotte an. Also möglicherweise keine umgebauten klassischen Serienfahrzeuge? Startschuss ist auf dem Pariser Autosalon Anfang Oktober, wo der Konzern zunächst einen elektrisch angetriebenen Geländewagen auf Basis des Modells GLC mit rund 500 km Reichweite präsentieren wird. - Die Entscheidung für eine Submarke mit unverwechselbarem Design und neuem Image passt in das Bild der bisher gescheiterten Elektroauto-Prämie der Bundesregierung. Wie seit über acht Jahren in ATZelektronik immer wieder kritisiert, fehlen einfach die überzeugenden Produkte und die authentische, von Leadership geprägte Vermarktung. Stattdessen konzentrierte sich die Autoindustrie mit Ausnahme von BMW darauf, was sie mit Bordmitteln stemmen konnte: konventionelle Fahrzeuge umbauen und in bestehenden Fertigungen produzieren. Dem Plug-in-Hybrid wird heute in diesem Zusammenhang noch eine zu hohe Marktchance eingeräumt. Auch das fällt der traditionellen Autoindustrie bald auf die Füße, löst sie doch eher das Problem des Herstellers bei der zweifelhaften Einhaltung der Flottenverbrauchsziele als das des Kunden, der praxisnahe Verbrauchswerte erwartet. Die Argumente der Autoindustrie zählen nicht mehr, Tesla sei Dank. Einer muss es einfach beweisen, wie einst Toyota mit der lange gescholtenen Hybridtechnik. Frustriert und gleichzeitig motiviert gestehen gestandene Automanager heute ein, dass man mit mehr Start-up-Kultur in kürzerer Zeit mehr bewegen müsste. Harald Kröger, der ehemalige Leiter der Entwicklung Elektrik bei Daimler, der jüngst zu Bosch wechselte, war im Aufsichtsrat bei Tesla zu den Zeiten des mittlerweile gekündigten Joint Ventures. Im Interview mit ATZelektronik in der Jubiläumsausgabe 2015 schwärmte er von der Schnelligkeit, dem Mut und vor allem von dem Pragmatismus der Tesla-Mitarbeiter. Nichts davon ließe sich in die DaimlerKultur übertragen, verriet der Manager. Tagtäglich sei es eine spannende Herausforderung gewesen, die Balance zwischen den Kulturen zu finden. Wie sich die Kulturen finden, bleibt spannend. Noch spannender ist die Transformation in tradierten Kulturen. Die Zeit drängt und vielmehr noch der Zeitgeist. Ohne Start-up-Mentalität geht es nicht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine derartige Dynamik in der Autoindustrie erlebt zu haben. Geht es Ihnen auch so?


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Zeitkritisch, ATZelektronik, 2016, 3, DOI: 10.1007/s35658-016-0071-1