Prävalenz von Asthma bei Kindern nimmt zu

Pneumo News, Oct 2016

Dagmar Jäger-Becker

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Prävalenz von Asthma bei Kindern nimmt zu

PNEUMONEWS  Prävalenz von Asthma bei Kindern nimmt zu Pädiatrie Quelle: Symposium „Childhood asthma causation“, ERS-Kongress, London, 3.-7.9.2016 Quelle: International Congress 2016 der European Respiratory Society ERS, London, 3.-7. September 2016 - Laut WHO gilt die Lu verschmutzung als eine von zehn Hautursachen von Atemwegserkrankungen. Wie es bei Kindern um die Assoziation zwischen Schadstoelastung der Atemlu und der Entwicklung der Lungenfunktion sowie der Prävalenz von allergischem und nicht allergischem Asthma bestellt ist, wurde in vielen Studien untersucht. Kinder sind für Schadsto­e in der Lu besonders anfällig, weil sie häu€ger durch den Mund atmen, im Verhältnis zur Körpergröße eine schnellere Ventilationsrate und kleinere Atemwege haben und die Filterfunktion bei Nasenatmung ine­ektiver ist. Ebenso spielen das sozioökonomische Umfeld der Familie, Passivrauchen, Atopie und genetische Variablen eine Rolle. Sind Kinder im ersten Lebensjahr einer starken verkehrsbedingten Lu verschmutzung ausgesetzt, lassen sich im Schulkindalter im Serum erhöhte Werte für inŒammatorische Zytokine wie Interleukin 6, IL-10, IL-13 oder TNF nachweisen. Auf Basis der Daten der schwedischen BAMSE-Studie mit über 4.000 Kindern bis zum Alter von 12 Jahren konnte eine Assoziation zwischen Lu verschmutzung durch Verkehr (TraŸc-related air Pollution, TRAP) im ersten Lebensjahr und Asthma und Giemen in den ersten 12 Lebensjahren demonstriert werden (Gruzieva O et al., Epidemiology 2013, 24(1):54–61). Der stärkste Zusammenhang zeigte sich dabei zum nicht allergischen Asthma, fasste Dr. Olena Gruzieva vom Institut für Umweltmedizin am Karolinska-Institut, Stockholm, zusammen. TRAP war assoziiert mit erhöhten IL-10-Spiegeln bei Kindern mit Asthma und bei solchen, deren Mütter in der Schwangerscha oder während der frühen Kindheit geraucht hatten. Insgesamt bestehe eine zunehmende Evidenz für die Verursachung von Asthma durch Lu verschmutzung. Lu schadsto­e wie Feinstaub können sowohl das sich entwickelnde Immunsystem (z.B. T-Zell-Di­erenzierung) und das Lungenwachstum beeinŒussen. Epigenetische Faktoren sind am Zusammenhang zwischen Umwelt und Genexpression beteiligt. Kritische Zeiten sind dabei insbesondere pränatale und frühkindliche Lebensabschnitte. Einfluss der Ernährung beginnt im Mutterleib In puncto Ernährung konnte ein Zusammenhang zwischen der Ernährung der Mutter in der Schwangerscha und der kindlichen Entwicklung von Atemwegserkrankungen festgestellt werden, erläuterte Prof. Graham Devereux von der Universität Aberdeen. Als EinŒussfaktoren werden drei Hypothesen diskutiert: ▶ Antioxidantien-Hypothese ▶ Lipid-Hypothese ▶ Vitamin-D-Hypothese Wie Devereux zusammenfasste, könnten veränderte Ernährungsgewohnheiten, etwa ein Mangel an Antioxidatien durch geringeren Verzehr von Früchten und Gemüse, und eine Veränderte Zusammensetzung von Nahrungsmitteln bzgl. PUFA (mehrfach ungesättigte Fettsäuren), z.B. die Zunahme von n6-PUFA (in Margarine und PŒanzenöl) oder die Abnahme von n-3-PUFA (in fettem Fisch) in der Nahrung zu dem beobachteten Anstieg von Asthma und Atopien beitragen. Diskutiert wird auch ein Zusammenhang mit dem weit verbreiteten VitaminD-Mangel und dem Vitamin-E-Gehalt der Nahrung. Studien haben gezeigt, dass Veränderungen in der Ernährung schwangerer Frauen in puncto PUFA und Vitamin E und D relevante E­ekte haben. Möglicherweise wird damit das foetale Immunsystem und die Entwicklung der Atemwegsepithelien beeinŒusst. Aktualisierte Ernährungsempfehlungen für Schwangere könnten möglicherweise zur Prävention von Asthma beitragen. Interventionen sollten jedoch nicht als Supplementierung erfolgen, sondern in Form von natürlichen Nahrungsbestandteilen einen synergistischen E­ekt entfalten. Dagmar Jäger-Becker Feinstaub kann das Wachstum von Immunsystem und Lungen be ein ussen, auch epigenetische Faktoren sind am Asthma beteiligt. Gen-Umwelt-Interaktion Stillen schützt vor Asthma Umweltfaktoren können das genetische Risiko für Asthma, das auf Chromosom 17 (17q21) lokalisiert ist, bekanntlich modifizieren. Kinder mit genetischen Varianten in 17q21 zeigen eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Giemen. Eine Studie mit 368 Kindern konnte jetzt erstmals nachweisen, dass Stillen dieses Risiko im ersten Lebensjahr reduzieren kann, erklärte Dr. Olga Gorlanova vom Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). Wurden die Kinder gestillt, hatten die Träger des Asthma-Risiko-Genotyps ein um 27% geringeres relatives Risiko, respiratorische Symptome zu entwickeln. Ohne Stillen zeigten die Risiko-Gen-Träger dagegen einen Trend zur Entwicklung von Symptomen. Diese Untersuchung vertieft den Einblick in die Gen-Umwelt-Interaktion bei der Entwicklung von Asthma. djb


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Dagmar Jäger-Becker. Prävalenz von Asthma bei Kindern nimmt zu, Pneumo News, 2016, 61, DOI: 10.1007/s15033-016-0544-1