Neue Gewerkschaft für die Pflege

ProCare, Oct 2016

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Neue Gewerkschaft für die Pflege

Neue Gewerkschaft für die Pflege Die Unzufriedenheit mit der gewerk- schaftlichen Vertretung in Sachen Ar- beitszeit Arbeitsverdichtung und Be- zahlung führte nun im Oktober zur Gründung einer neuen Gewerkschaft P ege. Nach dem Vorbild der Asklepios Gewerkschaft für angestellte Ärztinnen und Ärzte ist die P egegewerkschaft un- abhängig und sieht sich damit besser in der Lage die Interessen ihrer Berufs- gruppe zu vertreten. Ziel ist ein Dachver- band der unabhängigen Gewerkschaften der Gesundheitsberufe Österreich. Das personelle Potential wäre damit beträcht- lich wieweit sich dieses tatsächlich mobi- lisieren lässt bleibt abzuwarten. - Auslöser für die Gründung der neuen P egegewerkschaft war das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz, das nicht nur, wie in der Ö entlichkeit überwiegend vermittelt, die Ärzte betri t. Während diese jedoch mit traditionell wirkungsvoller Ein ussnahme deutliche Verbesserungen ihrer Rahmenbedingungen erreichen konnten, sehen die Initiatoren und Gründungsmitglieder der Gewerkschaft P ege, Fabian Martin und Lukas Ertler, die Gefahr, dass die P ege in dieser Situation zum Assistenzberuf für Ärzte umfunktioniert werden könnte. „Die Kernkompetenz der P ege ist die eigenverantwortliche Arbeit am Patienten“, konstatierte Martin bei der Präsentation der neuen Berufsvertretung. Die extreme Arbeitsverdichtung in der Folge der Arbeitszeitverkürzung für Ärzte führe dagegen zu Kon ikten zwischen den Berufsgruppen. Womit auch eines der Hauptthemen angesprochen werden soll: Partnerschaftliche Beziehungen aller Gesundheitsberufe. Diese sollen auch durch den Informations- und Erfahrungsaustausch mit der Asklepios Gewerkschaft gep egt, und durch den geplanten Dachverband gestärkt werden. Zuständigkeiten im ÖGB zersplittert Im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) wird die P ege derzeit von verschiedenen Gewerkschaften präsentiert, je nachdem, ob es sich um Privat- oder öffentliche Krankenanstalten handelt, in welchen die P egekraft tätig ist. Hier sollten die Rahmenbedingungen für die P ege ausverhandelt werden. Ein hoher Anteil von P egepersonen, die an psychischer und körperlicher Erschöpfung leiden, und eine hohe Fluktuation in P egeberufen deuten für Martin und Ertler darauf hin, dass diese Rahmenbedingungen nicht optimal sind. Während die Gründung einer Gewerkschaft in Österreich ein Grundrecht ist, verfügen nur die Gewerkschaften, die im ÖGB organisiert sind, über „Kollektivvertragsfähigkeit“, werden also von den Sozialpartnern als Verhandlungspartner anerkannt. Einstweilen muss die Gewerkschaft P ege sich also auf Bewusstseinsbildung bei Politik und Ö entlichkeit – und wohl auch bei der eigenen Berufsgruppe – beschränken. Zum Österreichischen Krankenp egeverband (ÖGKV), der sich in den vergangenen Jahren in ganz konkreten Sachfragen als Verhandlungspartner etablieren konnte und mit jahrelanger Hartnäckigkeit schließlich zum Beschluss der Reform des Gesundheits- und Krankenp egegesetzes und des Berufsregistergesetzes im vergangenen Sommer wesentlich beigetragen hat, sieht sich die neue Gewerkschaft nicht als Konkurrenz. Die Zielrichtung der Gewerkschaft sei die Verhandlung der Kollektivverträge, so Martin. Man möchte durchaus das Gespräch mit dem ÖGKV suchen. Für Ursula Frohner, Präsidentin des ÖGKV, zeigt die Neugründung deutlich das Vakuum, das nicht zuletzt durch den besonders hohen Reformdruck auftrete. „Wir sind interessiert an der Zielsetzung und Umsetzung“, stellt Frohner fest. Wichtig wäre allerdings, die Kräfte der P ege, der mit 65 Prozent der Mitarbeiter größten Berufsgruppe im Gesundheitsbereich, zu bündeln. n SpringerMedizin.at


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Neue Gewerkschaft für die Pflege, ProCare, 2016, 4, DOI: 10.1007/s00735-016-0674-z