Freispruch für Celecoxib

MMW - Fortschritte der Medizin, Dec 2016

Dr. med. Dirk Einecke

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-016-9065-4.pdf

Freispruch für Celecoxib

MMW Fortschritte der Medizin Freispruch für Celecoxib Mehr als zehn Jahre nach dem sog. Vioxx®-Skandal spricht eine große prospektive randomisierte Studie den COX- 0 1 -Inhibitor Celecoxib vom Verdacht auf kardiovaskuläre Schadwirkungen frei. Doch die Studie weist Limitationen auf. 0 1 _ Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) werden sehr häu g eingesetzt. Mit spezi schen COX- 0 1 -Inhibitoren ge- lang es 0 1 die gastrointestinale Verträglich- keit zu verbessern. Doch der erste COX- 0 1 -Hemmer 0 1 Rofecoxib 0 1 erhöhte in einer placebokontrollierten Studie das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle fast um den Faktor 0 1 [Bresalier RS et al. N Engl J Med. 0 1 ]. Die Substanz wurde vom Markt genommen 0 1 der Her- steller auf Schadensersatz verklagt. Die US-Zulassungsbehörde FDA ver- langte darauoein eine kardiovaskuläre Sicherheitsstudie für den COX- 0 1 -Hem- mer Celecoxib. Die Ergebnisse dieser sog. PRECISION-Studie zeigen 0 1 so Erstautor Steven Nissen von der Cleveland Clinic 0 1 dass Celecoxib „das kardiovasku- läre Risiko im Vergleich zu Ibuprofen oder Naproxen sicherlich nicht erhöht“. Die PRECISION-Studie randomisier- te 0 1 Patienten mit Osteoarthrose ( 0 1 %) oder rheumatoider Arthritis ( 0 1 die eine analgetische Dauertherapie be- 0 1 Neues Risikokollektiv 0 1 0 miert. Diese Patienten waren vergleichs- weise jung und wiesen wenige kardiovas- kuläre Risikofaktoren auf. Dennoch wa- ren ihre Risiken höher , einen Herzstill- stand (2,4 vs. 0,8%) oder eine gravierende Rhythmusstörung (2,4 vs. 0,6%) zu erlei- den, welche die Implantation eines De - brillators erforderlich machte 1 _ Marihuana-Konsumenten müssen wissen, dass sie schnell zum Arzt gehen sollten, wenn sie plötzlich Brustschmer- zen oder Atemnot emp nden, erklärten Forscher vom St. Luke's University Health Network in Bethlehem, Pennsylvania. Sie hatten Daten von 33.343 Patienten untersucht, die mit der Diagnose Stress- Kardiomyopathie hospitalisiert worden waren. 210 hatten Marihuana konsu- nötigten. Drei Viertel der Patienten wiesen kardiovaskuläre Risikofaktoren auf, ein Viertel war herzkrank. ■ Dr. med. Dirk Einecke Tako-Tsubo-Kardiomyopathie durch Marihuana?; Aktiver Marihuana-Konsum scheint das Risiko für eine Stress-Kardiomyopathie zu verdoppeln - Celecoxib, Ibuprofen und Naproxen im Vergleich Die Patienten wurden entweder mit Celecoxib (2 × 100 mg/d), Ibuprofen (3 × 600 mg/d) oder Naproxen (2 × 375 mg/d) behandelt. Bei Bedarf konnte die Dosis erhöht werden. Letztlich betrugen die mittleren Tagesdosen für Celecoxib 209 mg, für Ibuprofen 2.045 mg und für Naproxen 852 mg. Alle Patienten nahmen zusätzlich mit Esomeprazol ein Magenschutzpräparat ein, 45% der Patienten zusätzlich ASS. Die Patienten wurden im Schnitt 34 Monate nachverfolgt. Celecoxib führt nicht zu mehr kardiovaskulären Komplikationen Primäres Ziel der von P zer nanzierten Studie war es, die Nichtunterlegenheit von Celecoxib bezüglich der kardiovaskulären Sicherheit darzustellen. Sowohl nach dem Intention to Treat-Prinzip (ITT) als auch nach einer On-TreatmentAnalyse wiesen Patienten unter Ibuprofen numerisch die meisten kardiovaskulären Komplikationen auf, Patienten unter Celecoxib die wenigsten. Statistisch war Celecoxib klar nicht unterlegen (p < 0,001). Bei den sekundären Endpunkten schnitt Celecoxib gut ab. In der OnTreatment-Analyse verzögerte der COX2-Hemmer gegenüber Ibuprofen die Zeit bis zu schweren kardiovaskulären Ereignissen (HR: 0,82), die Zeit bis zum Herzkreislauf-Tod (HR: 0,64) und die Zeit bis zum Tod jeder Ursache (HR: 0,68) signikant. In der ITT-Analyse zeigte Naproxen gegenüber Celecoxib ein Signal zu erhöhter Mortalität (p = 0,052). Schwere gastrointestinale Nebenwirkungen traten unter beiden Vergleichsmedikamenten trotz PPI-Prophylaxe mit höherer Frequenz auf. Ähnliches galt für schwere renale Nebenwirkungen. Limitationen Die Studie hat Schwächen, räumte Nissen ein: 69% der Patienten stoppten oder änderten ihre Schmerzmedikation, 27% konnten nicht bis zum Studienende verfolgt werden. Auch handle es sich um ein Kollektiv mit relativ niedrigem kardiovaskulärem Risiko. Es bleibe o³en, wie bei Herzpatienten zu verfahren sei. Schließlich sei Celecoxib moderat dosiert worden. Der oµzielle AHA-Kommentator Prof. Elliott Antman von der Havard Medical School in Boston blieb skeptisch: NSAR sollten bei Herzpatienten möglichst gar nicht und wenn, dann in niedriger Dosis und so kurz wie möglich verordnet werden.


This is a preview of a remote PDF: http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-016-9065-4.pdf

Dr. med. Dirk Einecke. Freispruch für Celecoxib, MMW - Fortschritte der Medizin, 2016, 12, DOI: 10.1007/s15006-016-9065-4