Daran sind die Zierfische schuld

MMW - Fortschritte der Medizin, Mar 2017

PD Dr. med. habil. Thomas Jansen

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Daran sind die Zierfische schuld

MMW Fortschritte der Medizin Daran sind die Zierfische schuld Granulom am Finger § PD Dr. med. habil. Thomas Jansen Höntroper Str. 102, D-44869 Bochum - _ Ein 44-jähriger, ansonsten gesunder Patient bemerkte vier Wochen nach einer Schnittverletzung, die er sich bei der Wartung seines Fischbeckens im Wohnzimmer zugezogen hatte, über dem Mittelgelenk des rechten Zeige ngers eine nicht schmerzha e, derbe, livide Plaque mit warzenartiger Ober€äche. Ihm war aufgefallen, dass einige Fische weißliche Verän derungen am Kopf aufwiesen. Im Bereich der drainierenden Lymphbahnen waren mehrere subkutane Knoten tastbar. Eine Biopsie aus der Hautveränderung ergab histopathologisch eine granulomatöse Entzündungsreaktion mit dichter lymphozytärer Begleitreaktion und Demarkierung durch neutrophile Granulozyten. Kulturell und mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) konnte Mycobacterium marinum nachgewiesen werden. Unter einer oralen ˜erapie mit Doxycyclin zeigte sich zunächst eine weitere Progredienz. Erst eine Kombinationstherapie mit Rifampicin und Ethambutol erwies sich als wirksam. Die Diagnose lautete Aquariumgranulom. Bei dieser auch als „Schwimmbadgranulom“ bezeichneten Hauterkrankung handelt es sich um eine Infektion mit Mycobacterium marinum, einem säurefesten, aeroben, in Süß- und Salzwasser vorkommenden Stäbchenbakterium. Andere atypische Mykobakterien sind nur selten als Erreger nachweisbar. Die Inokulation geschieht typischerweise durch Bagatelltraumen bei Kontakt mit kontaminiertem Wasser. Klinisch zeigt sich nach einer Inkubationszeit von 2–6 Wochen o mals eine meist schmerzlose verruköse Primärläsion mit ober€ächlicher Nekrose. Bevorzugt befallen sind Hände, Ellenbogen, Knie und Gesicht. In 20–40% der Fälle wird eine sporotrichoide Ausbreitung nach proximal entlang der Lymphbahnen beobachtet. Die Infektion kann auch tiefere Strukturen befallen und eine Arthritis, Osteomyelitis oder Tendosynovitis verursachen. Es gibt keine allgemein anerkannte ˜erapie. Zur Anwendung kommen in der Praxis verschiedene Monotherapien (z. B. Doxycyclin oder Clarithromycin) oder Kombinationstherapien (z. B. Rifampicin plus Ethambutol). Für die Dauer der ˜erapie gibt es keine einheitlichen Angaben, sie sollte jedoch in jedem Fall 4–8 Wochen über die klinische Erscheinungsfreiheit hinaus erfolgen.


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PD Dr. med. habil. Thomas Jansen. Daran sind die Zierfische schuld, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 7, DOI: 10.1007/s15006-017-9357-3