Gefahr durch Adipositas wächst

Info Diabetologie, Apr 2017

Dagmar Jäger-Becker

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Gefahr durch Adipositas wächst

In|Fo|Diabetologie Gefahr durch Adipositas wächst Quelle: DiabetesUpdate 17./18. März 2017 in Mainz - Da es immer mehr dicke Menschen mit entsprechenden Folgerisiken gibt, werden die Rufe nach neuen wirksamen Methoden zur Gewichtsabnahme lauter. Und es kommen auch seltsame Verfahren auf. Eine weltweit steigende Prävalenz von Übergewicht (BMI ≥25 kg/ m²)/Adipositas (≥ 30 kg/m²) zieht auch mehr Typ-2-Diabetiker nach sich, woran Prof. Andreas Hamann, Hochtaunus-Kliniken Bad Homburg, erinnerte. Denn Typ-2-Diabetes ist die am engsten mit Adipositas assoziierte Komorbidität. Untersuchungen mit über 19 Mio. Teilnehmern zufolge ist von 1975 –2014 der altersstandardisierte mittlere BMI weltweit von 21,7 auf 24,2 kg/m² bei Männern und 22,1 auf 24,4 kg/m² bei Frauen gestiegen [1]. Während die die globale Prävalenz von Untergewicht sank, nahm die von Adipositas beim Mann von 3,2 auf 10,8% und bei Frauen von 6,4 auf 14,9% zu. Weltweit haben 2,3% der Männer bzw. 5% der Frauen einen BMI ≥35 und 0,64 % der Männer bzw. 1,6% der Frauen einen ≥ 40 kg/m². Setzt sich dieser Trend fort, wird 2025 weltweit mit einer Adipositasprävalenz von >18% bei Männern bzw. 21% bei Frauen zu rechnen sein. Eine Metaanalyse von 239 prospektiven Studien mit >10 Mio. Teilnehmern hat das niedrigste Mortalitätsrisiko in der BMI-Kategorie von 20–25 kg/m² (HR 1,00) gefunden, mit einem leichten Anstieg bei BMI unterhalb dessen (HR 1,13 für BMI 18,5–20). Mit dem BMI stieg auch die Mortalität, bis zu einer HR von 2,76 bei BMI von 40–60 kg/m². Für Europa beträgt die HR pro 5 kg/m²-Anstieg des BMI 1,39. Dabei ist die Steigerung des Mortalitätsrisikos altersabhängig [2]. Die meisten sorgen sich ums eigene Gewicht und versuchen, ab- oder nicht weiter zuzunehmen. Dies bestätigt eine systemat-i sche Analyse der Daten von > 1 Mio. Teilnehmern, die in einem Review ausgewertet wurden [3]. Die Erfolge der konservativen Adipositastherapie sind aber überschaubar, so Hamann. Wie Hausärzte die Motivation der Patienten zu einer Gewichtsabnahme mit einer niederschwelligen 30-Sekunden-Intervention steigern können, zeigt eine Studie in englischen Hausarztpraxen [4]. Von >8.400 gescreenten Patienten waren 1.882 adipös.Ihnen wu-r de beim Arztbesuch entweder nur der Rat gegeben, ab- oder an einem Gewichtsreduktionsprogramm teilzunehmen (Interventionsgruppe). Das Programm umfasste 12 Sitzungen (1 Stunde) im wöchentlichen Abstand. Die Interventions-Patienten nahmen in 1 Jahr ca. 2,43 kg ab. Im Vergleich hatten die Kontroll-Patienten im Mittel 1,04 kg verloren. Der Unterschied war statistisch signi¥kant. Auch internetbasierte Strategien sind eine kostene¦ektive Verhaltensintervention zum Abnehmen [5]. Dabei scheinen persönliche Follow-up-Termine zur Sicherung des initialen Erfolgs nicht nötig, so Hamann. Es reiche der Kontakt zwischen Praxispersonal und Patient via Telefon oder E-Mail in loser Folge. Bariatrische Chirurgie Versagen konservative Abnehmstrategien, kann nach den aktuellen Leitlinien bei Patienten mit Adipositas Grad III (BMI ≥40 kg/m²) oder II (BMI ≥35 kg/m²) mit Komorbiditäten (z.B. Diabetes Typ 2) die Indikation für interventionelle Verfahren gestellt werden [6]. Die E¦ekte der Adipositaschirurgie (z.B. Magenbypass, Schlauchmagen, Magenband) auf metabolische Komorbiditäten, v.a. auf Typ2-Diabetes, sind in vielen Studien sehr beeindruckend, so Hamann. Das Magenband, das an Bedeutung verloren hat und nur noch bis zum BMI von 45 kg/m² eingesetzt werden sollte, gilt als die bariatrische Methode mit dem geringsten perioperativen Risiko. Die Adipositaschirurgie kann zu einer Verbesserung oder gar Remission der diabetischen Sto¦wechsellage führen und auch das makrovaskuläre Risiko und Mortalitätsrisiko günstig beein¨ussen. Alternative Therapien Alternativen zur bariatrischen Chirurgie sind etwa das ability®-System, eine Kombination von implantierbarem Magenschrittmacher mit transgastralem Sensor für die Messung der Nahrungsaufnahme und Akzelerometer (Aktivitätsmessgerät). Der Schrittmacher hat in einer Studie mit 160 Adipösen (mittlerer BMI 43 kg/m²) bei 61,3% zu einer Abnahme von mind. 25% ihres Gewichts geführt, dem Magenband war er nicht unterlegen. Komplikationen waren signi¥kant seltener und weniger schwer. Als PEG-ähnliche, wenn auch recht seltsam anmutende Alternative stellte Hamann das AspireAssist-System® vor. Es besteht aus einer endoskopisch implantierten perkutanen Gastrostomie und einem auf der Bauchdecke platzierten Ventil. Nach der Mah-l zeit kann der Patient das Ventil ö¦nen und einen Teil des Mageninhaltes ab¨ießen lassen. Damit können etwa 30% der Kalorien eingespart werden. In einer Studie mit 207 Teilnehmern (BMI 35–55 kg/m²) hatten die Patienten damit nach 1 Jahr im Mittel 31,5 % ihres Übergewichts verloren vs. 9,8% in der Kontrollgruppe (Lebensstilberatung) [7]. Wie Hamann schmunzelnd kommentierte, könne der mit dieser Methode versorgte Patient, anders als nach bariatrischem Eingri¦, noch genussvoll eine reichhaltige Mahlzeit essen, bevor er sich 20 Minuten später auf der Toilette übers Ventil eines Teils entledigt. Dagmar Jäger-Becker Literatur 1. NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RiscC) , Lancet 2016 , 387 : 1377 - 96 2. The Global BMI Mortality Collaboration, Lancet 2016 , 388 : 776 - 86 3. Santos I et al. Obesity Reviews 2017 , 18 : 32 - 50 4. Little P et al, Lancet Diabetes Endocrinol 2016 , 4 : 821 -8 5. Aveyard P , Lewis A , Tearne S et al. Lancet 2016 , doi:10.1016/ S0140- 6736(16)31893-1. Epub ahead of print 6. S3-Leitlinie „Prävention und Therapie von Adipositas“ , 2014 . www. awmf.org 7. Am J Gastroenterol . 2017 Mar; 112 ( 3 ): 447 - 57 .


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Dagmar Jäger-Becker. Gefahr durch Adipositas wächst, Info Diabetologie, 2017, 52, DOI: 10.1007/s15034-017-1063-9