Infektiologie in der Intensivmedizin

Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin, Apr 2017

Prof. Dr. T. Welte, Dr. K.-F. Bodmann

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Infektiologie in der Intensivmedizin

? Bei gramnegativen Erregern ist eine Zunahme der Resistenz festzustellen T. Welte K.-F. Bodmann Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin - Infektionen sind einer der wesentlichen Gr?nde f?r eine Aufnahme auf die Intensivstation, spielen jedoch auch als Komplikationen einer Intensivbehandlung eine entscheidende Rolle. Tritt w?hrend des Intensivaufenthalts eine Infektion auf, ist die Sterblichkeit gegen?ber Patienten ohne Infektion deutlich erh?ht [1]. Neben diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen wurde in den letzten Jahren auch ein besonderes Augenmerk auf die Pr?vention von Infektionen gerichtet. Dabei wurden in Einzelbereichen, wie z. B. bei den Katheterinfektionen, erhebliche Erfolge mit einem deutlichen R?ckgang von Infektionen erzielt [2]. Bei anderen Infektionen v. a. mit gramnegativen Erregern sind die M?glichkeiten zur Pr?vention beschr?nkt. Die meisten Infektionen stehen in engem Zusammenhang mit der Schwere der Grunderkrankung und der Anzahl und Schwere der Begleiterkrankungen der Patienten; Faktoren, die sich nur schwer durch Pr?vention beeinflussen lassen. ?ber das letzte Jahrzehnt ist bei gramnegativen Erregern eine Zunahme der Resistenz festzustellen, f?r die es unterschiedliche Ursachen gibt. Neben dem ?berverbrauch in der Veterin?rund der Humanmedizin spielt sicher auch die ver?nderte Demographie mit mehr ?lteren und mehr chronisch kranken und immunsupprimierten Patienten eine Rolle. Friederike Maechler et al. stellen in ihrem Beitrag die Entwicklung der Resistenzentwicklung auf Basis der Daten aus der deutschen Krankenhausinfektions-Surveillance (KISS) dar. Sie diskutieren dabei kritisch, dass multiresistente Erreger nat?rlich ein Problem f?r Die Infektiologie hat in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ein stiefm?tterliches Dasein gef?hrt, weil sie als Querschnittsfach kein eigenes Aus- und Weiterbildungscurriculum vorweisen konnte. Wie viele infektiologische Inhalte in den einzelnen Organf?chern abgebildet wurden, war mehr dem Zufall ?berlassen. Mit dem Anstieg der Rate multiresistenter Erreger und den ?ffentlichkeitswirksamen Ausbr?chen verschiedener Viruserkrankungen, wie Ebola-Virus-Epidemien oder die Coronaviruspandemie (?severe acute respiratory syndrome?, SARS), ist in der Politik eine Aufmerksamkeit f?r die Belange der Infektiologie entstanden. Verschiedene Programme, wie das Antibiotic-Stewardship(ABS)-Programm, wurden ins Leben gerufen. Sebastian Weis und Mathias Pletz zeigen in ihrem Artikel am Beispiel der Staphylococcusaureus-Bakteri?mie auf, welche Effekte ein standardisiertes ABS-Programm auf Morbidit?t und Letalit?t von Erkrankungen haben kann. Sinn machen ABSProgramme aber nur dann, wenn in der Zukunft mehr in die Ausbildung in der Infektiologie investiert wird [3], um insgesamt wieder mehr Wissen in die breite ?rzteschaft hineinzubringen. Ein Faktor f?r den zu hohen Antibiotikaverbrauch in Deutschland ist, dass in der Regel empirisch behandelt wird, ohne dass der Erreger ? und die Resistenzsituation ? bekannt sind. Eine bessere Diagnostik mit schneller Erregeridentifikation w?rde eine zielgerichtete Therapie mit Schmalspektrumantibiotika erm?glichen. Damit w?rde der Selektionsdruck auf die wichtigsten Breitspektrumantibiotika sinken. Holger Rohde et al. geben in ihrem Artikel einen ?berblick ?ber die heute verf?gbaren Technologien im Diagnostikbereich und ordnen sie im Hinblick auf ihren klinischen Stellenwert ein. ? In der Politik ist eine Aufmerksamkeit f?r die Belange der Infektiologie entstanden W?hrend man sich in den 1980er-Jahren praktisch jedes Jahr ?ber ein neues Antibiotikum mit erweitertem Wirkspektrum freuen konnte, sind in den letzten Jahren nur noch wenig neue Substanzen auf den Markt gekommen. Daf?r gibt es verschiedene Gr?nde. Der wesentliche d?rfte darin zu suchen sein, dass einerseits die regulatorischen Anforderungen immer weiter gestiegen sind, was die Kosten der Antibiotikaentwicklung stark in die H?he getrieben hat; andererseits sind Antibiotika keine Medikamente f?r die chronische Anwendung. Mit Medikamenten in der Akutmedizin l?sst sich jedoch nur bedingt Geld verdienen. Auf politischer Ebene ist hier eine Reihe von Ver?nderungen, wie staatliche F?rderung von Antibiotikaentwicklung, ge?nderte regulatorische Verfahren [4], ge?nderte Preispolitik, notwendig, um die Entwicklung wieder ins Laufen zu bringen [5]. Einige neue Substanzen sind jedoch im letzten Jahr in den Markt gekommen oder stehen unmittelbar vor der Zulassung [6]. Jessica Rademacher stellt die wichtigsten Substanzen in ihrem Artikel vor und beschreibt die Einsatzm?glichkeiten im Intensivbereich. Diese Ausgabe der Zeitschrift Medizinische Klinik ? Intensivmedizin und Notfallmedizin gibt einen ?berblick ?ber verschiedene Probleme von Infektionen im Intensivbereich. Wir hoffen, dass er Intensivmedizinern als Anregung f?r die Gestaltung der Zukunft dienen wird. Prof. Dr. T. Welte Dr. K.-F. Bodmann Korrespondenzadresse Dr. K.-F. Bodmann Klinik f?r Internistische Intensiv- und Notfallmedizin und Klinische Infektiologie, Klinikum Barnim GmbH, Werner-For?mannKrankenhaus Rudolf-BreitscheidStr. 100, 16225 Eberswalde, Deutschland med-intensiv@ klinikum-barnim.de Interessenkonflikt. T. Welte hat Honorare f?r Vortr?ge/Beratung von AstraZeneca, Basilea, Bayer, Grifols, GSK, Insmed, Infectopharm, Novartis und Pfizer erhalten. Die Klinik f?r Pneumologie der MHH bekommt Forschungsunterst?tzung von Bayer, Grifols, Insmed, Novartis, der EU, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesministerium f?r Bildung und Forschung. K.-F. Bodmann bekam Kongressgeb?hren und Reisekosten von den Firmen Astellas, Basilea, Cubist, MSD und Novartis erstattet. Er erhielt Vortragshonorare von den Firmen Abbott, Astellas, Basilea, Bayer, InfectoPharm, MSD, Novartis, Pfizer und Thermo-Fisher Scientific. 1. Osmon S , Warren D , Seiler SM , Shannon W , Fraser VJ , Kollef MH ( 2003 ) The influence of infection on hospital mortality for patients requiring > 48 h of intensive care . Chest 124 ( 3 ): 1021 - 1029 2. Fussen R , Lemmen S ( 2015 ) Prevention of transmission of multidrug-resistant bacteria . Internist (Berl) 56 ( 11 ): 1246 - 1254 3. F?tkenheuer G , Cornely OA , Kern WV , Salzberger B , Stallmach A , Welte T ( 2015 ) Perspectives of infectious diseases in Germany . Dtsch Med Wochenschr 140 ( 3 ): 210 - 212 4. Welte T ( 2015 ) Time to reconsider how we do antibiotic therapy trials . Lancet Infect Dis 15 ( 2 ): 132 - 133 5. Welte T ( 2016 ) New antibiotic development: the need versus the costs . Lancet Infect Dis 16 ( 4 ): 386 - 387 6. Vincent JL , Bassetti M , Fran?ois B , Karam G , Chastre J , Torres A , Roberts JA , Taccone FS , Rello J , Calandra T ,DeBackerD,WelteT,AntonelliM( 2016 ) Advances in antibiotic therapy in the critically ill . Crit Care 20 ( 1 ): 133


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Prof. Dr. T. Welte, Dr. K.-F. Bodmann. Infektiologie in der Intensivmedizin, Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin, 2017, 184-185, DOI: 10.1007/s00063-017-0274-0