Ein Kommentar zur Verstaatlichung des Gesundheitssystems

Der Freie Zahnarzt, Jul 2017

Dr. K. Ulrich Rubehn

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs12614-017-6894-1.pdf

Ein Kommentar zur Verstaatlichung des Gesundheitssystems

Ein Kommentar zur Verstaatlichung des Gesundheitssystems Noch mehr Staat bitte? 7. Deregulierung durch die EU Bestehende Regulierungen bezüglich der Anforderungen an Zugangsqualifikationen zum zahnärztlichen Beruf bilden für den FVDZ die Grundlage einer leistungsfähigen Zahnheil - kunde in Deutschland. Was entgegnet Ihre Partei den gegenwärtigen Entwicklungen auf europäischer Ebene, unter Nichtbeachtung des Subsidiaritätsprinzips Einfluss auf die nationale Gesetzgebung zu nehmen, beispielsweise aktuell mit dem Dienstleistungspaket? Der Umgang des Staates mit den Heilberuflern ist unterirdisch. Der Vertrau - enskultur von gestern steht heute eine ausgeprägte Misstrauenskultur gegenüber. - Zu einer starken Gemeinschaft gehört es, das Subsidiaritätsprinzip in der EU zu wahren. Mit dem Kommissionsvorschlag für ein „Dienstleistungspa ket“ wird dieses Prinzip deutlich verletzt, und zwar nicht allein im Bereich der Anforderungen für die zahnärztliche Berufsausübung. Wir Freie Demo kraten lehnen insofern den Vorschlag in der jetzigen Form ab. Worum geht es im heutigen Gesundheitssystem? Es geht nicht darum, gut funktionierende Strukturen noch zu verbessern. Es geht nicht um Vertrauen in einen gesellschaftlich relevanten und aner kannten Berufsstand. Es geht um Misstrauen, es geht um die Schalthebel, es geht schlicht um die Macht über die Gesundheitsversorgung der Men schen. Und weil kaum noch ein Bürger das System mit seinen Verstrickun gen, Verästelungen und Quersubventionierungen noch durchdenken kann, kommen die Partei-Oligarchen und suggerieren dem Bürger: Wir machen das schon für euch! Sie lassen den Bürger glauben, sie könnten es tatsächlich besser. Aber das kann der Staat eben nicht. Der Staat ist ökonomisch nachweislich wenig erfolgreich – auch weil da ja niemand für den verzapften Mist haften muss. Hauptsache die Anästhesie ist billiger als die Currywurst! Der Staat kann vor allem eines nicht: eine Rolle spielen, die das Vertrauen zwischen Arzt und Patient stärkt. Einmischung des Staates in diese Vertrauensbeziehung bedeutet zwangsläufig einen Verlust an Freiheit. Aber über die Freiheit diskutieren bekanntlich nur diejenigen, die ihre Freiheit verloren haben. Heute ist fast alles vorgegeben Früher konnten die Akteure im Gesundheitssystem noch das eine oder andere aushandeln, es wurden auch mal sinnvolle Einzelentscheidungen getroffen. Heute ist fast alles vorgegeben. Heute darf die Akzeptanz staat licher Vorgaben und staatlichen Handelns kaum noch durch Zwischenfra gen gestört oder getrübt werden. Die Obrigkeit verlangt, dass alle Akteure sich auf die staatliche Agenda einlassen und die dort verfügten Verände rungen bis in kleinste Detail hinnehmen. So redet das neue Jakobinertum in unserem Land! „Alle müssen!“ Und sie sagen: Wenn sich ein Berufsstand weigert, dann werden wir ihn nicht für Zivilcourage auszeichnen, son dern in die Daumenschrauben zwingen. Alles angeblich zum Wohle der Gesellschaft? Nein, alles ist zum Wohle der Oligarchie! Ich nenne das die Forderung nach Unterwerfung. Und wir Zahnärzte? Oft sind wir in Sachen eigener Interessenvertre - Dr. K. Ulrich Rubehn tung faul und feige geblieben, dabei werden wir in die Enge getrieben von denen, die sich so viel nehmen an Zeit für den Kampf gegen unsere Freiberuflichkeit. Wollen wir uns nur rückhaltlos wohlfühlen? Und beruhigt sein durch moralisch einwandfreies Handeln? Programmiert durch die allabendli chen Moralin-geladenen Talkshows? Lassen wir uns nicht verheddern in der Endlosschleife eines staatlich verordneten Tuns. Oder sogar eines ver ordneten entsprechenden Denkens! Die uns vertretenden Körperschaf ten könnten sagen: Jetzt ist mal Schluss! Wir im unabhängigen Freien Ver band können sogar danach handeln! Wozu verfolgt der Staat die scheib chenweise Verstaatlichung unseres Gesundheitswesens? Wozu die Reali tätsumwandlung eines Systems, das doch jeden Vergleich mit den umliegenden Ländern locker bestehen kann? Man kann die Heilberufe dazu bringen, in einer Kühlkammer zu schwitzen. Man kann sie auch dazu bringen, in einer Sauna zu frieren. Vorausgesetzt man erklärt das alles zu Bewährungsproben! Wollen wir ein solches Experiment mit unsicherem Ausgang? Wir sollten es nicht wollen. Gibt es für uns eine Pflicht zum Intervenieren? Muss man Fluten, Lawinen, Vandalen oder falsche Politik bekämpfen? Man muss nicht. Aber man kann! Dr. K. Ulrich Rubehn ao ilt /skcFeeoh n K rt e b o R ©


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs12614-017-6894-1.pdf

Dr. K. Ulrich Rubehn. Ein Kommentar zur Verstaatlichung des Gesundheitssystems, Der Freie Zahnarzt, 2017, 26-26, DOI: 10.1007/s12614-017-6894-1