„Radikale Reform wäre Operation am offenen Herzen“

Der Freie Zahnarzt, Jul 2017

Sabine Schmitt

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„Radikale Reform wäre Operation am offenen Herzen“

DFZ „Radikale Reform wäre Operation am offenen Herzen“ Arbeitgeber und Beamte stehen zur PKV Auch der Hauptgeschä”sführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ste'en Kampeter, und der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt, setzten sich stark für den Erhalt der PKV ein. „Die Arbeitgeberverbände stehen klar zum dualen System in der Gesundheitsversorgung“, betonte Kampeter und warnte vor steigenden Lohnnebenkosten für besserverdienende Angestellte, wenn die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung falle. „Diese ganze Umverteilungsdebatte ist mehr neidpolitisch als gesundheitspolitische getrieben“, sagte der BDA-Hauptgeschä”sführer. Beamtenbund-Chef Dauderstädt betonte die wichtige Funktion der PKV für die Beamtenscha”, deren Gesundheitsversorgung zu großen Teilen aus der Beihilfe gespeist werde. Für deren Ergänzung könne es keinen Tarif in der GKV geben. Ohne dieses staatliche Fürsorgeprinzip allerdings werde es schwer für den Staat, dem ö'entlichen Dienst Attraktivität zu verleihen und gute Mitarbeiter anwerben zu können. - Das deutsche Gesundheitssystem sei eines der besten und leis tungsfähigsten Systeme weltweit, konstatierte der PKV-Vorsitzende. Dies sei nicht zuletzt dem Nebeneinander von privater und gesetzlicher (GKV) Krankenversicherung zu verdanken. Einheitssysteme erzeugten Rationierung, wie Beispiele aus Ländern wie Großbritannien und Schweden zeigten. „Eine Einheitsversicherung führt erst zu einer Zwei-Klassen-Medizin, wie sie heute beklagt wird“, mahnte Laue. In Sachen Versorgungsgerechtigkeit nehme das deutsche Gesundheitssystem heute mit seiner Dualität im europäischen Vergleich jedoch einen Spitzenplatz ein. Zudem sei die PKV ein wichtiger Treiber für die Einführung innovativer Verfahren. Medizinischer Fortschritt werde zu einem großen Teil aus Transferleistungen aus der PKV Žnanziert. „Radikale Reformen an einem funktionierenden System braucht niemand“, betonte Laue. „Dies wäre wie die Operation am o’enen Herzen eines gesunden Patienten.“ Er warnte vor „ideologisch rückwärtsgewandter Politik“ durch die Bürgerversicherung, anstatt die eigentlichen Zukun”sthemen in der Gesundheitspolitik in Angri’ zu nehmen, wie die Nutzung der Digitalisierungschancen in Verbindung mit einem hohen Datenschutz, die Vorbereitung des demograŽschen Wandels und den damit verbundenen P—egenotstand sowie die Erhaltung einer —ächendeckenden, qualitativ hochwertigen Versorgung in einer alternden Gesellscha”. „Auf keine dieser Fragen gibt das Experiment Einheitsversicherung eine Antwort“, kritisierte Laue. Gleichheit auf niedrigem Niveau Ausgesprochen kritisch gegenüber der Bürgerversicherung zeigte sich auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery. „Die Einheitsversicherung verwechselt Gleichheit auf niedrigem Niveau mit Gerechtigkeit.“ Die Befürworter der Bürgerversicherung hätten allerdings einen ganz erheblichen Sieg errungen, sagte er: „Sie haben den Begri’ für sich usurpiert – und dieser ist in der Bevölkerung hochgradig positiv besetzt.“ Und das, obwohl viele gar nicht wüssten, was eigentlich dahinterstecke. Heute gebe es zwei Arten der Krankenversicherung in einem einheitlichen Versorgungssystem, zu dem jeder Zugang habe. Das werde sich mit der Bürgerversicherung radikal ändern, prognostizierte Montgomery, denn der Markt an Zusatzversicherungen und Zusatzleistungen ohne Qualitätskontrolle werde sprungha” zunehmen. „Die Bürithm gerversicherung ist der Turbolader der Zwei-Klassen-Medizin“, t cS© betonte der BÄK-Präsident. Sabine Schmitt


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Sabine Schmitt. „Radikale Reform wäre Operation am offenen Herzen“, Der Freie Zahnarzt, 2017, 38-38, DOI: 10.1007/s12614-017-6903-4