Der Arzt als Sicherheitsrisiko? — Ein Kommentar

Schmerzmedizin, Jul 2017

Norbert Schürmann

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Der Arzt als Sicherheitsrisiko? — Ein Kommentar

Schmerzmedizin Der Arzt als Sicherheitsrisiko? - Ein Kommentar 0 Norbert Schürmann Facharzt Anästhesie, Allgemeinmedizin Departmentleiter der Abteilung für Schmerz-und Palliativmedizin Abteilung für Anästhesie, St. Josef Krankenhaus Moers 1 Manfred Müller Flugkapitän Leiter Flugsicherheit Lufthansa Dozent für Risikomanagement Hochschule Bremen Es lassen sich einige Parallelen zwischen dem Berufsbild eines Piloten und dem eines Mediziners erkennen. Doch lassen sich Sicherheitsstrategien wie die aus der Luftfahrt tatsächlich in die medizinische Praxis übertragen? Dies wäre ein weiter Weg, an dessen Anfang ein Umdenken stünde. Erst wenn es zu Problemen (Komplikation OPS) kommt, wird ein weiterer Anästhesist oder ein P‚eger hinzugezogen. Dies führt zwangsläu g zu einem Zeitfenster, in dem der Patient einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist. Für eine verbesserte Patientensicherheit müssten Arbeitsstrukturen geschaffen werden, um Fehler und Probleme früher zu erkennen und Lösungen eher angehen zu können. Um dies zu gewährleisten, wäre folgerichtig eine bessere Personalausstattung zu fordern. Führen wir uns unser Gesundheitssystem mit seinen aktuellen Bedingungen vor Augen, wird klar, dass dies nicht realistisch durchführbar ist. Warum? Erstens wäre das erhöhte Personalauoeommen - beispielsweise im Operationssaal - für die Krankenhäuser im aktuellen Vergütungssystem nicht - nanzierbar. Zweitens fehlt es unter den heutigen Bedingungen schlicht an gut ausgebildetem Fachpersonal etwa zur Durchführung von Narkosen. Nicht ohne Grund haben viele Krankenhäuser vermehrt „Leihärzte“ in ihren Reihen, da der Markt nicht mehr Fachärzte hergibt. Flugkapitän Müller hat vollkommen Recht, wenn er eine ‚ache Hierarchie mit ‚achen Gradienten fordert. In der heutigen Struktur des Krankenhauswe- - Vorgesetzten gemeldet wird (unabhängig vom Meldesystem) kann das Disziplinarsystem aktiv werden. Die Hintergrundinformationen zu gemeldeten Vorfällen und die von den be teiligten Flugzeugführern erläuterten beitragenden Faktoren verdeutlichen immer wieder, dass häu g private Belastungen der Auslöser für gravierende, ‚iegerische Arbeitsfehler sind. Ein stabiles privates Umfeld ist eine wichtige Voraussetzung für hohe beru‚iche Leistungsfähigkeit. Ein Pilot wird – sofern er seine privaten Probleme oˆenbart – unter Beibehaltung seiner Bezüge, vorübergehend vom ‚iegerischen Dienst freigestellt, bis sich seine Lebenssituation wieder beruhigt hat. Die Erwartung, dass die Hochtechnologie Fachkenntnis und gesunden Menschenverstand weitgehend über‚üssig macht, hat sich nicht erfüllt. Es ist beinahe ein Treppenwitz der Menschheitsgeschichte, dass die Bemühungen des Menschen, Maschinen zu entwickeln, die menschliche Schwächen kompensieren, dazu geführt haben, dass nun beim Umgang mit diesen HITEC-Geräten soziale Kompetenz und optimale Teamarbeit, also „urmenschliche“ Fähigkeiten einen ganz besonderen Stellenwert gewonnen haben. Ü arbeiten, also auch im Gesundheitsberall, wo Menschen mit Technik wesen kann es zu Fehlern kommen, die in Katastrophen münden. Im Falle der Medizin ist beispielsweise das Narkosegerät nur so gut, wie es durch den Anästhesisten bedient wird, vergleichbar mit einem Flugzeug, das ein Pilot ‚iegt. Durch Kontrolle und Kooperation von Ärzten und P‚egern können Fehler reduziert und Katastrophen vermieden werden. Zum Beispiel können elektive Eingriffe, insbesondere operativer Art, die in der Vorbereitung hohe Standards in der Medizin erforderlich machen, das Risiko des Eingriˆes insgesamt minimieren und dementsprechend das Gesundheitsrisiko für den Patienten senken. Im Beitrag von Manfred Müller wurde bereits kurz auf die Gemeinsamkeiten zwischen einem Arzt und einem Flugkapitän hinsichtlich der Verantwortung, die sie tragen, hingewiesen. Für die Medizin müsste die Konsequenz daraus lauten, dass sich von vornherein immer zwei Anästhesisten oder ein Anästhesist und ein Anästhesiep‚eger permanent um den Patienten kümmern. Dies entspricht leider nicht der Realität im Operationssaal. Häu g ist der Anästhesist oder der P‚eger alleine im Operationssaal und versorgt den Patienten.


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Norbert Schürmann. Der Arzt als Sicherheitsrisiko? — Ein Kommentar, Schmerzmedizin, 2017, 46, DOI: 10.1007/s00940-017-0607-3