Schadet langfristige Opioidgabe mehr als sie nützt?

Schmerzmedizin, Jul 2017

Dr. Robert Bublak

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00940-017-0594-4.pdf

Schadet langfristige Opioidgabe mehr als sie nützt?

Schmerzmedizin Schadet langfristige Opioidgabe mehr als sie nützt? Dr. Robert Bublak - die Dauer der Behandlung mit Opioiden keinen signižkanten Ein¦uss. Der häužgste Grund für die langfristige Opioidverschreibung waren nicht neuropathische, sondern muskuloskeletale Schmerzen (52,5 %). Polyneuropathie war bei 24,0% als Anlass dokumentiert. 82,7 % aller Langzeitverordnungen standen auf Rezepten von Internisten und Hausärzten. Auf Schmerzspezialisten gingen 3,7 % der Verschreibungen zurück, obwohl mehr als ein Viertel der Patienten mit Polyneuropathie unter Langzeittherapie mit Opioiden bei einem solchen Arzt in Behandlung war. W mit Opioiden auf den funktionelie sich die langzeitige Behandlung len Status, unerwünschte Begleitsymptome und die Mortalität von Patienten mit Polyneuropathie auswirkt, hat eine Arbeitsgruppe um den Neurologen Matthew Ho man von der Mayo-Klinik in Rochester zu ergründen versucht. Für ihre retrospektive Studie analysierten die Forscher Daten des Rochester Epidemiology Project. Beteiligt waren fast 2.900 ambulante Patienten mit Polyneuropathie und rund 14.400 nach Alter und Geschlecht passende Kontrollpersonen. Der Studienzeitraum umfasste die Jahre 2006 bis 2016. Eine langfristige Opioidtherapie über mindestens 90 Tage fand sich bei 18,8 % der Neuropathiepatienten und bei 5,4 % der Kontrollen. Patienten, die länger Opioide eingenommen hatten, schnitten in einer Reihe von Markern schlechter ab als jene 50,6 % der Patienten mit lediglich kurzfristigem Opioideinsatz, und zwar auch nach Abgleich gegen etwaige Begleitkrankheiten. 71,5 % der lang- und 42,3% der kurzzeitig mit Opioiden Behandelten hatten am Ende der Studie immer noch Schmerzen (adjustierte Odds Ratio [aOR] 2,5). Die lange mit Opioiden ›erapierten berichteten auch von mehr Problemen im Alltag: Es žel ihnen schwerer, Treppen zu steigen (82,0 % vs. 63,1 %; aOR 1,7), sie benötigten ö¢er Gehhilfen (61,2 % vs. 39,5 %; aOR 1,9) und waren häužger arbeitsunfähig (11,8 % vs. 6,7 %; aOR 1,3). Funktion nirgendwo verbessert In keinem der untersuchten funktionellen Parameter bewirkte die lange Opioidgabe eine Verbesserung. Dafür waren 63 % dieser Patienten depressiv, verglichen mit 43,6 % der kurz behandelten (aOR 1,5). Eine Opioidabhängigkeit bestand bei 7,2% vs. 0,3% (aOR 2,9). Überdosiert waren die Opioide bei 2,6 % vs. 0,3 % (aOR 5,1). Auf die Mortalität hatte Fazit der Autoren: „Eine Polyneuropathie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten langzeitig Opioide erhalten“, resümieren Ho man und Kollegen. Zwar sei nicht auszuschließen, dass der schlechtere funktionelle Zustand der Patienten unter Langzeitopioiden zumindest teilweise auf die chronischen Schmerzen selbst zurückgehe, so die Wissenscha¢ler weiter. Jedenfalls aber habe die langzeitige Opioidgabe die Situation nicht verbessert und dazu noch das Risiko für Abhängigkeit und Überdosierung erhöht. Ho man EM et al. Association of long-term opioid therapy with functional status, adverse outcomes, and mortality among patients with polyneuropathy. JAMA Neurol 2017; online 22. Mai 2017 Anzeige


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00940-017-0594-4.pdf

Dr. Robert Bublak. Schadet langfristige Opioidgabe mehr als sie nützt?, Schmerzmedizin, 2017, 17, DOI: 10.1007/s00940-017-0594-4