Mündigen Bürgern Souveränität zurückgeben

Der Freie Zahnarzt, Jul 2017

Springer Medizin

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Mündigen Bürgern Souveränität zurückgeben

Mündigen Bürgern Souveränität zurückgeben Dr. Peter Bührens Dr. Peter Bührens a oli usiFot / c ©s Stellvertretender FVDZ-Bundesvorsitzender - Liebe Kolleginnen und Kollegen, in einigen Wochen ist Bundestagswahl. Und wieder einmal scheint es gesundheitspolitisch kein aufregenderes ema zu geben als die Bürgerversicherung. Alles kalter Kaee, könnte man meinen oder Schnee von gestern. Aber weit gefehlt: Karl Lauterbach von der SPD hat klargestellt, dass die SPD ohne die Einführung einer Bürgerversicherung nach der Wahl im September keine Koalition eingehen werde. Namha„e Experten von CDU und FDP haben dagegen die Bürgerversicherung kategorisch ausgeschlossen. Bündnis 90/Die Grünen und die Linke wollen ebenfalls eine Bürgerversicherung. Diese Modelle sind allerdings nicht deckungsgleich mit dem der SPD. Kein durchdachtes Konzept Tatsache ist: Es gibt überhaupt kein durchdachtes Konzept, das die au„retenden Probleme bei der Einführung einer Bürgerversicherung für alle lösen könnte. Rot-Rot-Grün setzt nur auf das ema Gerechtigkeit, bleibt aber den Nachweis schuldig, dass die Einführung einer Bürgerversicherung das System besser und zukun„sfester oder gar gerechter macht. Es gibt dagegen Berechnungen, dass dem Gesundheitssystem bei der Einführung einer Bürgerversicherung fünf bis neun Milliarden Euro entzogen würden. Dieses Geld würde nicht nur im ambulanten Bereich fehlen, sondern auch bei der schon heute “nanziell chronisch unterversorgten stationären Versorgung. In vielen Gesprächen mit Vertretern der einzelnen Parteien ist es dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte gelungen, deutlich zu machen, dass sich gerade die Zahnheilkunde am wenigsten für eine Bürgerversicherung eignet. Zu vielfältig sind die alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die wir unseren Patienten nicht vorenthalten wollen. Wir als Zahnärzte müssen der fortschreitenden Verstaatlichung des Gesundheitswesens und einer ungerechten Gleichmacherei entschieden entgegentreten. Anstelle von immer mehr Regulierung brauchen wir größere individuelle Freiräume für den Patienten. Freiräume schaffen, Individualität ermöglichen Der Freie Verband verfolgt deshalb den Ansatz, den Patienten in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen. Mündige Bürgern sollten ein Stück Souveränität zurückbekommen – auch über ihre eingezahlten Beiträge: Sie sollten gemeinsam mit ihrem Zahnarzt über eine sinnvolle und bedarfsgerechte erapie entscheiden. Individuelle Patientenkonten fördern nicht nur den sparsamen Umgang mit Ressourcen, sie machen auch das Ansparen für eine spätere bessere Versorgung möglich. Dass dies keine Traumtänzerei ist, zeigt das Beispiel Singapur. Dort gibt es nicht nur die saubersten Straßen der Welt, sondern eben auch ein Gesundheitswesen, das genau nach diesem Muster funktioniert. Unsere Gesellscha„ kann es sich nicht länger leisten, den Patienten bei der Steuerung der Ausgaben im Gesundheitswesen komplett auszuklammern. Der Patient weiß, worum es geht. Zahnärzte auch. Im September entscheidet es sich: Stehen wir zu einem Gesundheitssystem, in dem der Patient selbstbestimmtes Individuum sein darf oder stimmen wir für kollektive (Selbst-)Gerechtigkeit. Sie haben die Wahl.


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Springer Medizin. Mündigen Bürgern Souveränität zurückgeben, Der Freie Zahnarzt, 2017, 3-3, DOI: 10.1007/s12614-017-6877-2