Wie sich Adipositas, Diabetes und Co. in der Schwangerschaft auswirken

Info Diabetologie, Jun 2017

Dagmar Jäger-Becker

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15034-017-1105-3.pdf

Wie sich Adipositas, Diabetes und Co. in der Schwangerschaft auswirken

1. Lindam A et al. Am J Epidemiol Wie sich Adipositas, Diabetes und Co. in der Schwangerschaft auswirken Bei 714.547 Geburten in Deutschland im Jahr 2015 waren 6.579 (0,92%) der Mütter schon präkonzeptionell an Diabetes erkrankt. Die enge Verzahnung der Stoffwechselerkrankung mit Übergewicht und wie sie sich auf Mutter und Kind auswirkt war Thema beim DiabetesUpdate in Mainz. Auch bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter nimmt Adipo- weltweit angewendet wird (▶Tab. 1). Wegen der großen Variabisitas h zu, erklärte Dr. Helmut Kleinwechter vom diabetologikum lität der länderspezi«schen Erhebungen bieten die Angaben aber Kiel. Die Sorgen betre en dabei zwei Generationen: die Mütter nur eine grobe Orientierung, so Kleinwechter. Die höchste Evimit ihrem erhöhten Risiko für Sto wechselkrankheiten und ka-r denz bei präkonzeptionell normgewichtigen, gesunden Schwandiovaskuläre Morbidität und die Kinder, die schon bei Geburt das geren sieht er für den Korridor von 8,7-20,2 kg bis zur 40. SchwanRisiko für Adipositas mit auf den Weg bekommen. gerschaƒswoche. Das sei viel breiter als nach der IOM-Leitlinie. Adipositas in der Frühschwangerschaƒ kann mit erhöhten Risiken für Totgeburt (fetaler Tod ab 28. SSW) und gesteigerter kindlicher Mortalität (im 1. Lebensjahr) einhergehen. Dies hat eine schwedische Fall-Kontroll-Studie gezeigt [1]. Verglichen mit einer Kontrollpopulation (Body Mass Index (BMI) 18,5-24,9) stieg das Risiko für Totgeburt bei Frauen mit BMI von 25-29,9 auf eine OR von 1,51 an, bei BMI von 30-34,9 auf OR 1,77 und bei BMI ≥ 35 auf OR 3,16. Die geeignete Zeit für Ratschläge zur Lebensstilveränderung sei postpartal, so Kleinwechter, um das Gewicht noch vor der nächsten Schwangerschaƒ zu reduzieren. Die Risiko-Kommunikation in der Schwangerschaƒ sei psychologisch schwierig. Um Kalorien zu sparen, ist der Ersatz von Zucker durch künstliche Süßsto e o enbar kein guter Weg. Er-st mals wurde in einer humanmedizinischen Studie ein Zusammenhang zwischen dem täglichen Süßsto¦onsum (künstliche Süße, Zuckerersatzsto e) in der Schwangerschaƒ und einem gesteige-r ten Risiko für einen erhöhten kindlichen BMI gezeigt [2]. Gewichtszunahme in der Schwangerschaft Schwangere Frauen sollten nicht zu stark zunehmen. Beobachtungsstudien zeigten eine Assoziation von exzessiver Gewichtszunahme mit höherem Geburtsgewicht der Kinder und höherem (BMI) in der Kindheit. Mütter mit starker Gewichtszunahme in der Schwangerschaƒ hatten später Töchter, die dreimal öƒer in ihren 40er Jahren übergewichtig/adipös waren, dies v.a. bei Müttern mit schon präkonzeptionellem Übergewicht (OR 3,4, RR 1,5) [3]. Als State of the Art für die empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaƒ gilt die IOM-Leitlinie (Institute of Medicine), die 1970, 1990 und 2009 publiziert wurde und Präeklampsierisiko und Fragen zum Stillen Schwangere mit präkonzeptionellem Diabetes und Übergewicht sind eine Hochrisikogruppe, die im Vergleich zu nicht diabetischen Schwangeren 3,7-mal häu«ger eine Präeklampsie erleidet. Präventiv kann ASS 100 mg/Tag ab der 12.-16. SSW eingenommen werden [4]. Typ-1-Diabetes ist per se ein stärkerer Risikofaktor für Präeklampsie als der BMI [5]. Pathophysiologisch haben Adipositas und Präeklampsie einiges gemeinsam: z.B. subklinische In®ammation, Insulinresistenz und Lipotoxizität. Typ-1-Diabetikerinnen müssen beim Stillen keine Sorge vor Hypoglykämien haben, ergab eine australische Untersuchung beim Vergleich von stillenden Müttern mit Typ-1-Diabetes (n=8) mit ®aschenfütternden Müttern (n=8) [6]. Es wurden die Verläufe der Gewebeglukose bis zu 6 Tage in einem Zeitraum von 2–4 Monaten post partum gemessen. Stillende Frauen nahmen einen größeren Anteil von Kohlehydraten zu sich als ®aschenfütternde, bei vergleichbarer Insulingabe. Jedoch waren hohe Glukosewerte und deren Streubreite bei letzteren ausgeprägter. Niedrige Glukosewerte waren nach dem Stillen häu«ger als vor oder während dessen. Hypoglykämien < 72 mg/dl traten bei 14 % der Mütter innerhalb von 3 Std. nach Stillen auf, und zwar abhängig vom letzten Essen und der letzten Dosis eines kurz wirksamen Insulins. Nach einem Standardfrühstück war die Fläche unter der Kurve bei Stillenden positiv, wenn sie nicht in der ersten Stunde nach dem Essen mit dem Stillen begonnen hatten und negativ, wenn das Stillen innerhalb von 30 Minuten nach einer Mahlzeit gestartet wurde. Somit gab es keine Unterschiede bei Hypoglykämien zwischen stillenden und ®aschenfütternden Müttern. Stillen senkt zwar die mütterlichen Glukose, führte aber bei den meisten Stillepisoden nicht zur Hypoglykämie. Dagmar Jäger-Becker Literatur:


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15034-017-1105-3.pdf

Dagmar Jäger-Becker. Wie sich Adipositas, Diabetes und Co. in der Schwangerschaft auswirken, Info Diabetologie, 2017, 54-54, DOI: 10.1007/s15034-017-1105-3