Reisen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

CME, Aug 2017

Dr. Beate Fessler

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11298-017-6253-1.pdf

Reisen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Reisen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen 0 28. Interdisziplinäres Symposium Chronisch entzündliche Darmerkrankungen , Mannheim, 28. - k c o it /sSe g a m I y tt e G r/ e n fr a G © Bei Patienten mit einer stabil eingestellten chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) spricht nichts gegen Reisen in nahe und ferne Länder, wenn sie vorher richtig beraten werden. Wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit den notwendigen Medikamenten, auch im Falle eines entzündlichen Schubs. Ihre Patienten mit CED sind reiselustig? Dann nur zu. Denn wenn Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auf Reisen gehen, verläu dies nach Erfahrung von Professor Dr. Wolfgang Kruis, Köln, „erstaunlich unproblematisch“. Wichtig ist es, sie im Vorfeld gut zu beraten und mit der notwendigen Medikation auszustatten. Professor Dr. Stephan Vavricka, Zürich, sieht vor allem folgende Problemsituationen: Durch reisebedingten Stress, Nahrungsumstellung oder auch mangelnde Compliance im Reiseland kann sich die Erkrankung verschlechtern oder ein Schub ausgelöst werden. Zudem können endemische Infektionen, die bei Reisen nicht selten sind und mit Übelkeit und Durchfall einhergehen, unter einer immunsuppressiven Šerapie schwerer verlaufen. Die Patienten sollten deshalb eine ausreichende Menge an Medikamenten zur Šerapie ihrer CED im Gepäck haben. Nach entsprechender AuŽlärung ist auch die Mitgabe von Steroiden zu überlegen. Vavricka empfahl zusätzlich die prophylaktische Verordnung von Antibiotika im Falle einer Gastroenteritis. Impfen unter Immunsuppression? Auch das Šema „Impfen“ kann, je nach Reiseland, relevant werden. Die Impfung mit Totimpfsto•en, etwa gegen Tetanus und Diphtherie ist auch unter Immunsuppression kein Problem. Attenuierte Lebendimpfsto•e dürfen dagegen unter einer immunsuppressiven Šerapie nicht geimp werden. Zudem muss beachtet werden, dass Immunsuppressiva die Emp—ndlichkeit der Haut auf UV-Strahlung erhöhen. Nehmen die Patienten beispielsweise Azathioprin (z. B. Azafalk®), Ciclosporin, Methotrexat oder Sulfasalazin ein, sollten sie bei einem Aufenthalt in der Sonne ihre Haut möglichst mit einem Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50 schützen. Vor VTE schützen Bei langen Flug- oder Busreisen muss dem erhöhten Risiko für eine venöse Šromboembolie (VTE) in den Beinen Rechnung getragen werden. In einer Kohortenstudie mit knapp 9.000 Passagieren stieg das Risiko ab einer Flugdauer von vier Stunden deutlich an. Ein Aufenthalt im Flugzeug zwischen null und vier Stunden ging mit einem Risiko von 0,9 pro 100.000 Flügen einher. Bei Flügen zwischen acht und zwölf Stunden lag die Besuchen Sie das nächste Falk Gastro Forum „Konservative und operative Therapien bei Erkrankungen von Leber und Ösophagus“ am Samstag, den 28. Oktober 2017 in Dresden; Infos: www.falkfoundation.de/veranstaltungen Gefahr bereits bei 15,8/100.000 und wer länger als zwölf Stunden in der Lu war hatte ein Risiko von 53/100.000 [Kuipers S et al. PLoS Med 2007; 4(9):e290]. Bei Patienten mit einer CED ist das Risiko für ein solches „economy class syndrome“ weiter erhöht, nämlich um das Zweifache gegenüber einer gesunden Kontrollgruppe [Fumery M et al. JCC 2014; 8(6):469479]. „Das Problem besteht vor allem bei Flügen ab einer Flugdauer von drei Stunden“, resümierte Vavricka. Dann sollte eine Šromboembolieprophylaxe überlegt werden. Hypoxie in höheren Regionen Wer hoch in die Lu geht, sei es mit dem Flugzeug, bei Wanderungen oder anderen Aufenthalten in höheren Regionen, ist einer Hypoxie ausgesetzt, die einen ungünstigen E•ekt auf die entzündliche Darmerkrankung haben kann. Die Bedeutung der Hypoxie als beein±ussender oder auslösender Faktor einer In±ammation wurde in den letzten Jahren immer wieder diskutiert. Vavricka konnte in aufwendigen Untersuchungen zeigen, dass Flüge und Aufenthalte in Höhen über 2.000 Metern über dem Meeresspiegel zu den Risikofaktoren bei Patienten mit chronischen entzündlichen Darmerkrankungen gehören und die entzündliche Aktivität der Erkrankung erhöhen können. Das gilt sowohl für Morbus Crohn als auch für Colitis ulcerosa [Vavricka SR et al. JCC 2014; 8(3):191-199]. Auch dies ist ein Grund, Patienten, die auf Reisen gehen, adäquat mit Medikamenten zu versorgen. Dr. Beate Fessler


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11298-017-6253-1.pdf

Dr. Beate Fessler. Reisen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, CME, 2017, 19-19, DOI: 10.1007/s11298-017-6253-1