Es müssen nicht immer Antirheumatika sein!

MMW - Fortschritte der Medizin, Sep 2017

Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos

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Es müssen nicht immer Antirheumatika sein!

MMW Fortschritte der Medizin Es müssen nicht immer Antirheumatika sein! 0 Anschrift des Verfassers: Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin , Am Deinelsberg 34a, D-45276 Essen 1 Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin - Der Patient ist frustriert. Früher ist er viel gejoggt und hatte damit auch sein Gewicht unter Kontrolle. Doch seit das linke Knie schmerzt, bewegt er sich weniger und nimmt zu. „Arthrose“, hat der Orthopäde gesagt, „das ist in Ihrem Alter nicht ungewöhnlich“. Konventionelle konservative Therapieverfahren waren wenig erfolgreich. Der Kommentar des Orthopäden: „Mit den Schmerzen müssen Sie leben lernen – oder Sie entscheiden sich für künstliche Kniegelenke.“ Aber es geht auch anders! _ Arthroskopische Verfahren zur Behandlung der Gonarthrose sind nachweislich unwirksam, weshalb sie auch aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen ausgeschlossen wurden. Die Evidenz für die Wirksamkeit naturheilkundlicher  erapien bei chronischen Schmerzen ist dagegen vielversprechend. Die Naturheilkunde hil‚ auf die verschiedensten Weisen bei Muskel- und Gelenkschmerzen. Ein wichtiges Ziel dabei ist, die Folgen des Dauerkonsums von Schmerzmitteln zu reduzieren. In der neuen Nationalen Versorgungsleitlinie Nicht-spezi‡scher Kreuzschmerz werden Akupunktur, Yoga, osteopathische Behandlungen, Mind-BodyVerfahren und die Phytotherapie (z. B. Weidenrinde oder CapsicainpŽaster) prominent berücksichtigt. Auch das American College of Physicians emp‡ehlt in seinen klinischen Leitlinien bei chronischen Rückenschmerzen initial zunächst eine nicht-pharmakologische  erapie. Naturheilkundliche Ansätze bei Gonarthrose Blutegel können zwar nicht den verschlissenen Knorpel ersetzen, aber mit ihrem Speichel sondern sie bis zu 200 verschiedene Substanzen ab, die entzündungshemmend, blutverdünnend, gefäßerweiternd und schmerzstillend wirF R k tc o S e g a m I o R g n o /sTe g a m Itt y e G © Schröpfen regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an. ken. Ihr Einsatz ist auch bei der Rhizar throse oder einer therapieresistenten Epicondylitis einen Versuch wert. Zur symptomatischen Behandlung der Kniearthrose sind neben der Akupunktur, regelmäßigem Tai Chi oder knieschonender Bewegung auch Kohlbzw. Quarkwickel, Neuraltherapie, Osteopathie und Ayurveda geeignet. Die Anregung der Selbstregulation ist das Grundprinzip der Naturheilkunde. Der Unterdruck, der in den aufgesetzten Gläser beim Schröpfen erzeugt wird, löst Verklebungen, regt die Durchblutung an und wirkt über vegetative Reize auch auf das Nervensystem. Das gilt ähnlich für die chinesische Gua-ShaMassage, bei der mit einem stumpfen Instrument das Gewebe seitlich der Wirbelsäule systematisch geschabt wird, bis kleine Petechien entstehen. Die Akupunktur erwies sich bei Knie- und Kreuzschmerzen in der GERAC-Studie als der konventionellen Schmerztherapie überlegen: Seit 2007 wird sie deshalb von den Krankenkassen erstattet. Wirkungsvoll und mit weniger Nebenwirkungen als die Arzneimitteltherapie beha‚et ist Akupunktur bekanntlich auch bei Migräne und Kopfschmerzen. Nicht zuletzt unterstützt die naturheilkundliche Ordnungstherapie (MindBody-Medizin) jede Schmerztherapie durch Achtsamkeit und gesunden Lebensstil. Insgesamt ist die naturheilkundliche Schmerzmedizin eine der großen Einsatzgebiete der Komplementärmedizin. Sie ist wirksam, nebenwirkungsarm und kostene¡ektiv. ■ £ Literatur: springermedizin.de/mmw FAZIT FÜR DIE PRAXIS 1. Die naturheilkundliche Schmerzmedizin ist nachweislich wirksam, nebenwirkungsarm und kosteneffektiv. 2. Zur evidenzbasierten Behandlung der Kniegelenksarthrose eignen sich Blutegeltherapie, Akupunktur und Tai Chi.


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Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos. Es müssen nicht immer Antirheumatika sein!, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 19-19, DOI: 10.1007/s15006-017-9983-9