Die akademische Forschung trägt eine ethische Verantwortung

Im Focus Onkologie, Sep 2017

Springer Medizin

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Die akademische Forschung trägt eine ethische Verantwortung

Im Focus Onkologie Die akademische Forschung trägt eine ethische Verantwortung Dr. med. Lars Zender Aus Sicht von Prof. Lars Zender ist Drug Repurposing eine Kompomente für die Entwicklung neuer Medikamente. Eine weitere ist akademische Forschung. ? Warum ist die Forschung zum Drug Repurposing eher eine Domäne kleiner Firmen und akademischer Einrichtungen? Prof. Lars Zender: Die Begeisterung der großen Pharma‚rmen hält sich tatsächlich in Grenzen, was in erster Linie mit den begrenzten Gewinnaussichten zu tun hat. Denn ist die Entwicklung des wiederentdeckten Moleküls schon einige Zeit her, ist die Restlaufzeit des Patentschutzes entsprechend verkürzt. Das Interesse, wiederentdeckte Präparate in GMP(„good manufacturing practice“)-Qualität herzustellen oder gar klinische Studien zu bezahlen, sinkt somit beinahe gegen Null. Es braucht daher unbedingt vernünftige Lösungsansätze, wie künftig vielversprechende Wirksto'e und Moleküle zu einem realistischen Preis ausgelöst und in der akademischen Forschung weiterentwickelt werden können, um sie schließlich möglichst kostengünstig dem Patienten anbieten zu können. Die akademi- Leiter der Klinik für; Innere Medizin VIII -; Klinische Tumor- biologie am; Universitätsklinikum; Tübingen - fr e o h rs e s u A d i v a D © heit, Neben- und Wechselwirkungen zurückgreifen, und somit kritische Phasen der Wirksto entwicklung wie etwa die Phase „präklinische Sicherheit, Pharmakologie und Toxikologie“, die nicht ohne Grund als „valley of death“ bezeichnet wird, überspringen, so die Ho nung. Welche Probleme es zu lösen gilt Alte Wirksto e neu zu positionieren, bleibt nichtsdestotrotz eine gewaltige Aufgabe. Neben den zugelassenen Medikamenten dürfe man die zahlreichen Wirksto moleküle nicht außer Acht lassen, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bis zur Zulassung gescha† haben. Auch diese bergen ein riesiges Potenzial, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der individualisierten Krebstherapie, wie sie etwa durch das Tübinger Center for Academic Drug Discovery & Development (TÜCAD2) und das Zentrum für Personalisierte Medizin (ZPM) der Uniklinik Tübingen vorangetrieben werden, wie Zender erklärt. Doch selbst wenn sich schätzungsweise für 75 % aller Wirksto e neue Anwendungsgebiete theoretisch –nden lassen könnten [Nosengo N. Nature. 2016;534(7607):314-6], tatsächlich zur Anwendung sche Forschung trägt hier eine ethische Verantwortung. ? Welche Zukun prophezeien sie der Methode des Drug Repurposing? Zender: Keine Frage, das Drug Repurposing wird ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung neuer Medikamente sein. Aber es ist – wie gesagt – eben nur eine Komponente. Darüber hinaus entscheidend wird der Ausbau der Academic-Drug-Discovering-Strukturen sein. Schon heute kommen mehr als 60% der innovativen onkologischen Präparate aus der akademischen Forschung, die großen Unternehmen liefern gerade mal noch 40%. Viele Pharmaunternehmen haben ihre eigenen Entwicklungsabteilungen verkleinert und suchen frühzeitig die Kollaboration mit akademischen Einrichtungen. Das ist weiter auszubauen. In Deutschland hinken wir der Entwicklung leider sehr hinterher. Tübingen ist eines von gerade einmal drei Instituten in Deutschland, die Mitglied im weltweit agierenden Academic Drug Discovering Consortium sind. In den USA sind es über 150 Zentren. ! Herr Prof. Zender, wir danken für das Gespräch! kommt schlussendlich nur ein Bruchteil. Voraussichtlich 68 % der Wirksto e werden bereits in der Phase II durchfallen und fast die Häl§e der verbleibenden Kandidaten in Phase III, so die Schätzung [Nosengo N. Nature. 2016;534(7607):314-6]. Daher muss bei der Kandidatenauswahl exakt auf die präklinischen Modelle geachtet werden, in denen die Daten erhoben worden sind, wie Zender betont. Teste man etwa den beim Leberkrebs als Standardtherapeutikum geltenden Proteinkinaseinhibitor Sorafenib an menschlichen Tumorzellen, die in immunde–zienten Mäusen gewachsen sind, erhalte man vollkommen unrealistische ©erapieantworten. Erst in ausgefeilteren präklinischen Modellen, in denen auch die Resistenzentwicklung menschlicher Tumoren berücksichtigt wird, erreicht man realistische Ergebnisse. Im Falle von Sorafenib einen Überlebensvorteil von etwa drei Monaten beim Menschen. Schritt für Schritt zum Ziel Um ein geeignetes Wirksto molekül herauszu–ltern, gibt es im Prinzip zwei Ansätze. Ein Weg führt über sogenannte Substanzbibliotheken, in denen zugelassene und ehemals zugelassene Substanzen enthalten


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Springer Medizin. Die akademische Forschung trägt eine ethische Verantwortung, Im Focus Onkologie, 2017, 11-11, DOI: 10.1007/s15015-017-3481-x