Angesteckt mit dem Landarzt-Fieber

MMW - Fortschritte der Medizin, Sep 2017

Dirk Schnack

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Angesteckt mit dem Landarzt-Fieber

MMW Fortschritte der Medizin Angesteckt mit dem Landarzt-Fieber Olaf Petzoldt 0 Hippokrates von Kos 0 Nils Hansen. 0 0 Dirk Schnack - Fax: 0 89 / 20 30 43 – 313 64 _ In der Nähe der Ostsee, unweit der kleinen Stadt Kappeln an der Schlei, liegt ein Flecken namens Karby. Dort steht ein über 100 Jahre alte s Praxisgebäude, in dem Landarzt Olaf Petzoldt gemeinsam mit einem Kollegen arbeitet. Das Setting ist idyllisch, in der Praxis wurden sogar schon Szenen für die Fernsehserie „Der Landarzt“ gedreht. Petzoldt betreibt Landarztmedizin aus Leidenscha†, sieht sie als „Königsdisziplin“. „Vielleicht sollte jeder Arzt ein halbes Jahr in der Grundversorgung arbeiten – egal, welcher Facharzt er werden will“, sagt er. „In dieser Zeit lernt man kennen, worum es geht!“ cka Petzoldt nimmt sich cShn selbst beim Wort. Gerade .D© erst war der 25-jährige Nils Hansen, ein in Berlin aufgewachsener angehender Allgemeinmediziner, für eine Woche zum Praktikum bei ihm – und das schon zum zweiten Mal. Der angehende Kollege macht Fortschritte, das freut Petzold. Und Hansen šndet es super, dass er mehr am Patienten arbeiten dur†e als beim ersten Mal – natürlich nur un ter Aufsicht. Der 54-jährige Landarzt gewährt dem Nachwuchs gerne diesen Einblick in die breiten Anforderungen und die langjährige, enge Patientenbindung, die die Allgemeinmedizin kennzeichnen. Er selbst zehrt noch heute von einem Praktikum in Kiel während seiner Studienzeit. Das 5. Semester ist etwas zu früh Den Zeitpunkt des Blockpraktikums im 5. Semester hält Petzold aber für zu früh. „Besser wäre es, wenn die Studenten im fortgeschrittenen Studium in die Praxen kommen, zum Beispiel 14 Tage im 10. Semester“, sagt er. Nach seiner Wahrnehmung bringt es den Studierenden zu diesem Zeitpunkt mehr, weil sie sich mit dem Arzt im Hintergrund mehr trauen und somit auch mehr lernen können. Hansen dagegen ist froh, dass er vor zweieinhalb Jahren schon im 5. Semester hier war. Dieses erste Praktikum bescherte ihm erstmals hautnahe Einblicke in die Tätigkeit der Allgemeinmediziner auf dem Land. Besonders das breite Spektrum der Tätigkeit hat ihn beeindruckt. „Man bekommt ganz viele Erkrankungen zu sehen“, berichtet er. „Das Patientenalter reicht vom Kind bis zum alten Menschen, und es werden Haus- und Heimbesuche gemacht.“ Viele Vorurteile unter Studenten Hansen stößt mit seiner Begeisterung für die Allgemeinmedizin nicht bei allen Kommilitonen auf Verständnis. „Viele glauben, das sei langweilig, und man habe nur mit Schnupfen zu tun. Dabei habe ich in der Allgemeinmedizin eine Menge außergewöhnliche Erkrankungen kennengelernt“, erzählt er. Petzoldt bedauert, dass viele Kollegen und Studierende Vorbehalte haben – vermisst diese aber nicht: „Wer sein Leben durch solche Vorurteile beein¢ussen lässt, ist auch nicht für die Arbeit als Allgemeinmediziner geeignet.“ Eine Landarztquote, wie sie die Politik kürzlich möglich gemacht hat, lehnen sowohl Petzold als auch Hansen ab. Dass sich junge Menschen so früh festlegen und verp¢ichten sollen, halten sie grundsätzlich für falsch – auch wenn sie begrüßen, dass die Politik die Allge meinmedizin stärken will.


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Dirk Schnack. Angesteckt mit dem Landarzt-Fieber, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 34-34, DOI: 10.1007/s15006-017-0056-x