Hinweise auf Nutzen der nicht invasiven Hirnnervenstimulation bei Migräne

DNP - Der Neurologe und Psychiater, Oct 2017

Philipp Grätzel von Grätz

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15202-017-1812-6.pdf

Hinweise auf Nutzen der nicht invasiven Hirnnervenstimulation bei Migräne

- rapieabbrüche sind unerwünschte Wirkungen. Neben dem rascheren Wirkeintritt sieht Reuter den zweiten großen Vorteil der CGRP-Hemmer- erapie dann auch in der Verträglichkeit: CGRP-Hemmer werden – zumindest auf der Grundlage der bisher verfügbaren Daten – deutlich besser toleriert als Valproat, Amitriptylin und Co. „Die Abbruchraten in den bisherigen Studien lagen in der Größenordnung von 2 – 4 % und sind damit extrem niedrig“, so Reuter. Unerwünschte Ereignisse waren in den Phase-III-Studien äußerst selten. Abgesehen von Reaktionen an der Injektionsstelle habe es in den Verumgruppen keine Ereignisse gegeben, die häu”ger au•raten als in den Placebogruppen. Die Sicherheitsdaten der Phase-IIIStudie beziehen sich bisher in der Regel auf den 3-Monats-Zeitraum. Reuter konnte aber auch eine erste Interimsanalyse einer laufenden Open-LabelStudie zu Erenumab vorstellen, bei der 383 Patienten im Mittel für 575 Tage behandelt worden waren [Ashina M et al. Neurology 2017; 89(12): 1237– 43]. Auch hier seien die Raten an Nebenwirkungen sehr niedrig: „Es gibt bisher keinen Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Erenumab und irgendeiner Erkrankung“, so Reuter. Exploratorische Studie zur kardiovaskulären Sicherheit Das tri© auch auf die kardiovaskulären Erkrankungen zu. Diesen gilt im Zusammenhang mit CGRP-Hemmern besondere Aufmerksamkeit, da CGRP einer der potentesten Vasodilatatoren ist, die dem menschlichen Organismus zur Verfügung stehen. Es gibt unter anderem die Hypothese, dass eine CGRP-Blockade mit kardioprotektiven Mechanismen interferieren könnte, die bei akuter Ischämie greifen. In diesem Kontext wurde eine explorative, randomisiert-placeboHinweise auf Nutzen der nicht invasiven Hirnnervenstimulation bei Migräne Es müssen nicht immer Tabletten sein: Die nicht invasive elektrische Stimulation des Nervus vagus (nVNS) beziehungsweise des Nervus trigeminus (eTNS) bringen sich als Alternativen zu Medikamenten bei der Akuttherapie früher Migräneattacken ins Spiel. I ren – nVNS und eTNS – randomisierte, n Vancouver wurden zu beiden VerfahSham-kontrollierte Studie vorgestellt. In der von Cristina Tassorelli vom Headache Science Center der Universität Pavia koordinierten, italienischen Multicenter-Studie PRESTO kam das Gerät gammaCore (Desitin) zum Einsatz. Es wird entlang der Halsschlagadern aufgesetzt und stimuliert dort den Nervus vagus über einen Zeitraum von einigen Minuten. Das soll den nozizeptiven Re¯ex beein¯ussen und so schmerzlindernd wirken. Patienten, bei denen die erste Behandlung nicht anschlug, wiederholten die Prozedur nach einer Viertelstunde einmalig. Primärer Endpunkt war die Schmerzfreiheit nach zwei Stunden. Dies erreichten 30,4% der Patienten in der Stimulatorgruppe und 19,7 % in der Sham-Gruppe. Die Signi”kanz wurde hier knapp verfehlt. Nach 30 Minuten und nach einer Stunde war der Unterschied allerdings signi”kant, hier waren 12,7 % beziehungsweise 21,0 % schmerzfrei, jeweils mehr als doppelt so viel wie in der Vergleichsgruppe. Auch bei dem wichtigsten sekundären Endpunkt, dem Anteil der Patienten, die entweder schmerzfrei waren oder nur milde Beschwerden aufwiesen, wurde die statistische Signi”kanz erreicht. Tassorelli sieht die PRESTO-Studie deswegen als starkes Argument, die nVNS bei akuten Migräneattacken einzusetzen. Mit 106 Patienten etwas kleiner war eine ähnlich designte Studie zur eTNS. Dabei tragen die Patienten eine Art Bügel auf der Stirn, der von dem US-Unterkontrollierte Sicherheitsstudie vorgestellt, bei der 89 Patienten mit stabiler Angina pectoris einmalig 140 mg Erenumab oder Placebo i.v. injiziert wurde. Danach erfolgte eine Belastungsuntersuchung. Die Ergebnisse waren völlig unau¬ällig. Weder bei der mittleren Belastungsdauer noch bei der Zeit bis zum Au•reten von ST-Senkungen ≥ 1 mm oder bei der Zeit bis zum Au•reten einer belastungsinduzierten Angina pectoris gab es Unterschiede zwischen Verumund Placebogruppe. Damit scheint die CGRP-Blockade in akuten Ischämiesituationen keine klinisch fassbaren negativen E¬ekte zu haben. Philipp Grätzel von Grätz U. Reuter: Anti-CGRP-treatment: small molecules and monoclonal antibodies: summary of clinical e cacy from RCTs. Plenary Session: CGRP and monoclonal antibodies, und Late-breaking-Session CGRP monoclonal antibody industry platform presentation. 18. IHC-Kongress, Vancouver/ Kanada, 8.9.2017 nehmen Cephaly entwickelt wurde und noch Prototypstatus hat. Der Bügel stimuliert supraorbital den Nervus trigeminus, und zwar über etwa eine Stunde, wobei der Stimulator sehr präzise gesetzt werden muss. In der Sham-Gruppe wurde ebenfalls stimuliert, aber mit niedrigerer Pulsfrequenz und Stromstärke. Anders als die nVNS-Studie erreichte die von Dr. Denise Chou, Columbia University, koordinierte, allerdings kleinere und nur monozentrische Studie zur eTNS ihren primären Endpunkt: Der auf einer VAS von 0 – 10 quanti”zierte Schmerz verringerte sich in der Stimulatorgruppe um 59 %, in der ShamGruppe nur um 30%. Das war statistisch signi”kant und der Vorteil hielt auch nach 24 Stunden noch an. Eine Verringerung der Schmerzen um mehr als die Häl•e erreichten 63 % beziehungsweise 31 % der Patienten. Philipp Grätzel von Grätz C. Tassorelli: Non-invasive vagus nerve stimulation (nVNS) for the acute treatment of migraine: a randomized controlled trial. Late breaking abstracts – Clinical and basic science. 18. IHC-Kongress, Vancouver/Kanada, 9.9.2017


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15202-017-1812-6.pdf

Philipp Grätzel von Grätz. Hinweise auf Nutzen der nicht invasiven Hirnnervenstimulation bei Migräne, DNP - Der Neurologe und Psychiater, 2017, 17-17, DOI: 10.1007/s15202-017-1812-6