Migränetherapie: Placeboeffekt nutzen, Noceboeffekt kennen!

DNP - Der Neurologe und Psychiater, Oct 2017

Philipp Grätzel von Grätz

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Migränetherapie: Placeboeffekt nutzen, Noceboeffekt kennen!

Migränetherapie: Placeboe ekt nutzen, Noceboe ekt kennen! 0 L. Colloca: Placebo and nocebo responses: implications for clinical trials and clinical practice. Plenary Session Placebo in headache: mechanisms and use. 18. IHC-Kongress, Vancouver/Kanada , 9. 9. 2017 - A bekannt, dass der Placeboe ekt eius zahlreichen Migränestudien ist nen erheblichen Teil der Wirksamkeit jeder Arzneimitteltherapie ausmacht. Insbesondere in der Migräneprävention ist er zumindest bei Patienten, die zuvor noch nicht präventiv behandelt wurden, in der Regel für mehr als die Häl­e des €erapiee ekts verantwortlich. Dies mache die Entwicklung neuer Schmerzmittel zu einem relativ schwierigen Unterfangen, sagte die Placeboforscherin Professor Luana Colloca von der University of Maryland beim Internationalen Kopfschmerzkongress in Vancouver. So habe es in den letzten fünf Jahren über 4.000 registrierte Phase-I/II-Studien zu Schmerzmitteln in der klinischen Studiendatenbank ClinicalTrials.gov gegeben. Trotz dieses Studienreigens seien nur fünf Medikamente neu in die klinische Praxis eingeführt worden – ausnahmslos neue Formulierungen bereits existierender Medikamente. Studie mit Bäumchen-wechsel-dich-E ekt Der Placeboe ekt kann also ein Problem sein. Er lasse sich aber auch zum Positiven wenden, wenn der Arzt ihn sich aktiv zunutze mache, so Colloca. So sollten Schmerzmittel aktiv als solche „angepriesen“ werden, statt sie unkommentiert zu verordnen. „Bei Patienten, die genau wissen, womit sie behandelt werden, ist der €erapiee ekt größer“, betonte die Expertin. Das ist nicht bloß €eorie: In einer bekannten Studie war ein Schmerzmedikament, das als Placebo gelabelt war, wesentlich weniger wirksam als ein korrekt gelabeltes Schmerzmedikament. Und ein als Schmerzmedikament gelabeltes Placebo war genauso e ektiv wie ein als Placebo gelabeltes Schmerzmedikament [KamHansen S et al. Sci Transl Med 2014; 6: 218ra5]. Doch auch „verdeckte“ Placebos könnten ihre Berechtigung haben. Colloca brachte ein bisher noch nicht systematisch genutztes Einsatzszenario in die Diskussion, bei dem Placebos einzelne Tabletten in den Blistern von Schmerzmitteln ersetzen. Diese „dose-extending placebos“ könnten die Gesamtdosis von Schmerzmitteln reduzieren und Nebenwirkungen verringern, ohne dass die Effektivität leide [Colloca L et al. Pain 2016; 157: 1590 – 8]. auf die Intensität des Schmerzes geschürt.


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Philipp Grätzel von Grätz. Migränetherapie: Placeboeffekt nutzen, Noceboeffekt kennen!, DNP - Der Neurologe und Psychiater, 2017, 18-18, DOI: 10.1007/s15202-017-1813-5