Statt Schrittmacher nur noch Pillen?

MMW - Fortschritte der Medizin, Oct 2017

Prof. Dr. med. H. Holzgreve

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Statt Schrittmacher nur noch Pillen?

MMW Fortschritte der Medizin Statt Schrittmacher nur noch Pillen? - Vielen schwachen Herzen hilft ein ICD. k itc o S /se g a m Itt y e G / X M L x e l A © _ Analysiert wurden die Daten von 40.195 Patienten mit Herzinsu zienz und reduzierter linksventrikulärer Auswur raktion, die von 1995–2014 in zwölf klinischen Studien behandelt wurden. Patienten, die bereits einen implantierbaren Kardioverter-De†brillator (ICD) hatten, wurden nicht aufgenommen. Zahlreiche Ein‘ussfaktoren wurden berücksichtigt. Beobachtet wurden 3.583 plötzliche Herztodesfälle. Die betro enen Patienten waren häu†ger älter und männlich, hatten vorwiegend eine ischämische Ursache der Herzinsu zienz und eine schlechtere Herzfunktion. In der Gesamtschau verringerte sich das Au˜reten des plötzlichen Herztods in 20 Jahren um 44% (p = 0,03). In den frühen Studien um 1995 lag die Häu†gkeit in den ersten 90 Tagen bei 2,4%, in den späteren bis 2014 nur noch bei 1,0%. Die Zeit, die seit der Diagnose der Herzinsu zienz bereits vergangen war, spielte keine Rolle für die Ereignisrate. ■ Shen L et al. Declining risk of sudden death in heart failure. New Engl J Med. 2017;377:41–51 KOMMENTAR Die kardiologischen Fachgesellschaften empfehlen einen ICD derzeit für Patienten mit Herzinsu‡zienz und linksventrikulärer Auswur‹raktion von ≤ 35% . Man bedenke aber, dass der hier dokumentierte dramatische Rückgang des plötzlichen Herztods in einem Patientenkollektiv auftrat, aus dem Patienten mit bereits implantiertem Schrittmacher ausgeschlossen waren. Die Zahl der Patienten, die im weiteren Verlauf ein solches Gerät erhielten, ist nicht bekannt, aber wohl gering. Deshalb folgern die Autoren, dass der bemerkenswerte Rückgang des plötzlichen Herztods bei herzinsu‡zienten Patienten nicht den ICD zu verdanken ist, sondern der konsequenten konservativen Behandlung mit ACE-Hemmern, AT1-Rezeptorblockern, Betablockern und Mineralokortikoidantagonisten. So kommen sie zu der provokanten, aber nachvollziehbaren These, dass es heute schwierig sein dürfte, noch eine Patientengruppe zu dežnieren, in der man einen therapeutischen Nutzen der ICD-Implantation erwarten könne. Sie postulieren, dass zumindest die in den Leitlinien geforderte konservative Therapie von drei Monaten für das Remodeling des Herzens verlängert und die ICD-Implantation zurückgestellt werden sollte. ■ Prof. Dr. med. H. Holzgreve


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Prof. Dr. med. H. Holzgreve. Statt Schrittmacher nur noch Pillen?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 37-37, DOI: 10.1007/s15006-017-0172-7