Nichts als heiße Luft?

MMW - Fortschritte der Medizin, Nov 2017

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Nichts als heiße Luft?

MMW Fortschritte der Medizin Nicht mehr Komplikationen durch Antibiotikaverzicht Wer Patienten mit unkomplizierter Infektion der unteren Atemwege ein Antibiotikum vorenthält, muss nicht befürchten, damit prolongierte schwere Krankheitsverläufe in Kauf zu nehmen. - plikationen wie einer Pneumonie entstehen könnte. Diese Befürchtung ist oŠensichtlich unbegründet, wie eine große prospektive Beobachtungsstudie in britischen Hausarztpraxen ergeben hat. Drei von vier Patienten antibiotisch behandelt Teilnehmer waren 28.779 Patienten, die sich wegen einer unkomplizierten Infektion der unteren Atemwege mit dem Hauptsymptom Husten vorgestellt hatten. Nur bei 26% hatten die Hausärzte von einem Antibiotikum abgesehen, 61% der Patienten war ein Antibiotikarezept _ Laut DEGAM-Leitlinie Husten soll eine unkomplizierte akute Bronchitis nicht mit Antibiotika behandelt werden. Dadurch sei nur eine marginale Linderung der Symptome und eine geringfügige Verkürzung der Krankheitsdauer zu erwarten. Dagegen stehen mögliche Nebenwirkungen und die Gefahr von Resistenzbildungen. Die empfohlene Zurückhaltung mit Antibiotika wird im Alltag jedoch nicht immer befolgt – wohl auch aus der Sorge heraus, dass aus einer unkomplizierten Infektion der unteren Atemwege eine prolongierte Erkrankung mit KomNichts als heiße Luft? Viele Erkältungspatienten setzen auf die Wir kung von heißem Wasserdampf: Durch das Inhalieren soll der Abfluss von Schleim aus den Atemwegen erleichtert werden. Aus Invitro-Studien gibt es sogar Hinweise, dass Erkältungsviren hitzeempfindlich sein könnten. Die wissenschaftliche Grundlage für Dampfinhalationen ist trotzdem unzureichend, wie die Autoren eines 2017 aktualisierten Cochrane-Reviews konstatieren. In die Übersicht wurden sechs kontrollierte Studien mit 387 Patienten einbezogen. Ob heiße befeuchtete Luft die Erkältungssymptome besserte oder nicht, war nicht zu entscheiden. Immerhin war in keiner Studie eine Verschlechterung der Symptomatik zu erkennen. Zur Wirkung auf den nasalen Widerstand gab es widersprüchliche Ergebnisse. Auf die Virusfreisetzung in den Nasenschleimhäuten hatte der Wasserdampf keinen Einfluss. Auch in der subjektiven Einschätzung der Patienten führte das Inhalieren nicht öfter zu einer Beseitigung der Beschwerden. Die Patientenleitlinie der DEGAM zu Husten nimmt einen pragmatischen Standpunkt zum Inhalieren ein: „Die Wirkung von … Inhalationen ist wissenschaftlich nicht belegt. Aber wenn Sie damit gute Erfahrungen gemacht haben, spricht nichts gegen ihre Anwendung.“ bs zur sofortigen ™erapie ausgestellt worden, 13% hatten ein Rezept bekommen, das sie nur dann einlösen sollten, wenn die Beschwerden drei Tage später unverändert oder schlimmer waren. Zu Klinikaufnahmen – v. a. wegen respiratorischer Infektionen – oder Tod innerhalb von 30 Tagen nach Erstkontakt kam es ohne Antibiotikum bei 0,3% der Kranken, mit sofortiger bzw. verzögerter ™erapie bei 0,9% bzw. 0,4%. Auch wenn berücksichtigt wurde, dass die Patienten mit Antibiotikaverordnungen älter waren und häužger Begleiterkrankungen und schwere Symptome hatten, war die Antibiotikatherapie nicht mit einer signižkanten Reduktion des kombinierten Endpunkts verbunden.


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bs. Nichts als heiße Luft?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 24-24, DOI: 10.1007/s15006-017-0308-9