Was Sie gegen Ohrgeräusche empfehlen können

MMW - Fortschritte der Medizin, Nov 2017

Dr. Peter Stiefelhagen

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Was Sie gegen Ohrgeräusche empfehlen können

MMW Fortschritte der Medizin Was Sie gegen Ohrgeräusche empfehlen können Leitlinie für die Praxis Chronischer Tinnitus ist ein quälendes Symptom. Um eine organische Ursache auszuschließen, sollte der Patient sorgfältig HNO-ärztlich und neurologisch abgeklärt werden. Therapeutisch gibt es aber außer der Verhaltenstherapie nicht viel, was evidenzbasiert empfohlen werden kann. Hörgeräteversorgung indiziert. Eine allgemeine Empfehlung zur Durchführung hörtherapeutischer Maßnahmen könne aber nicht ausgesprochen werden. „Mit der Indikation Tinnitus sollte kein Hörgerät verordnet werden“, so Ito. Dasselbe gilt für Rauschgeneratoren bzw. RauschCDs. Sie können ebenso wenig empfohlen werden wie aktive oder passive Musiktherapie, akustische Neurostimulation oder Tinnitus-Retraining--erapie. Eine spezi sche Arzneimitteltherapie mit nachgewiesener Wirksamkeit steht ebenfalls nicht zur Verfügung. Allerdings sollten Komorbiditäten wie eine Depression spezi sch medikamentös behandelt werden. Für die transkranielle Magnetstimulation gibt es noch keine abschließende Bewertung. Der Nutzen einer -erapie mit hyperbarem Sauersto© und der Akupunktur ist nicht belegt, so Ito. ■ Dr. Peter Stiefelhagen ■ Quelle: Praxis update, 20.5.2017 in Köln - _ Tinnitus ist ein subjektiv empfundenes Ohrgeräusch ohne identi zierbare Schallquelle. „Dadurch unterscheidet sich der Tinnitus von objektiven Ohrgeräuschen, wie sie etwa bei gefäßreichen Tumoren im Mittelohr oder bei Spasmen der Mittelohrmuskeln au­reten können“, erklärte Prof. Heinrich Ito, Erlangen. Man unterscheidet zwischen einem akuten und einem länger als 3 Monate anhaltenden chronischen Tinnitus. Bei fehlender äußerer Ursache wird der akute Tinnitus als Hörsturzäquivalent angesehen, wobei Tinnitus ohne und mit Hörminderung au­reten kann. Häuge äußere Ursachen für einen akuten Tinnitus sind Lärm- bzw. Explosionstraumen und Schädel-Hirn-Traumen. Der akute Tinnitus sollte laut Leitlinie über drei Tage mit Kortikosteroiden (250 mg Prednisolon) behandelt werden. S3-Leitlinie empfiehlt umfassende Diagnostik Für die Diagnostik und —erapie des chronischen Tinnitus wurde eine AWMF-Leitlinie auf S3-Niveau erarbeitet. Darin werden zur weiteren Abklärung 12 Untersuchungen empfohlen: • HNO-ärztliche Untersuchung einschließlich Ohrmikroskopie • orientierende neurologische Untersuchung • Auskultation des Ohres und der Arteria carotis • Tonschwellenaudiometrie • Bestimmung der Unbehaglichkeitsschwelle • Tinnitusbestimmung mittels Sinustönen und Schmalbandrauschen • Bestimmung des „Minimal Making“-Levels • Tympanometrie und Stapediusre¡exmessung • Messung der otoakustischen Emissionen • orientierende Gleichgewichtsprüfung • orientierende Untersuchung von Halswirbelsäule und Kauapparat • orientierende Funktionsprüfung des Nervus facialis. Im Einzelfall können weitere Untersuchungen nützlich sein. Dazu gehören CT, MRT und die Serologie. „Damit sollte die Diagnostik aber nie beginnen“, so Ito. Hörgeräte bringen nichts „Vieles von dem, was im Alltag gemacht wird, entbehrt einer wissenscha­lichen Grundlage“, so Ito. So konnte auch in neueren Studien bei Tinnituspatienten kein Mangel an Zink und/oder Magnesium nachgewiesen werden. Auch gibt es keine wissenscha­lichen Belege dafür, dass die Gabe von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien eine günstige Wirkung entfaltet. „Unbestritten ist aber die sehr hohe Komorbidität mit Depressivität und Ängsten, was die Notwendigkeit einer psychosomatischen Begleitbehandlung unterstreicht“, so Ito. Den höchsten Stellenwert bei der Behandlung des chronischen Tinnitus hat die tinnitusspezi sche Verhaltenstherapie. Bei einer Hörminderung ist eine FAZIT FÜR DIE PRAXIS 1. Der akute Tinnitus wird durch Traumen ausgelöst oder entspricht einem Hörsturz. 2. Bei chronischen Tinnitus gibt es keine auslösende Schallquelle. 3. Es besteht eine hohe Komorbidität mit Depression und Angststörung. 4. Die einzig wissenschaftlich gesicherte Behandlung ist die Verhaltenstherapie.


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Dr. Peter Stiefelhagen. Was Sie gegen Ohrgeräusche empfehlen können, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 22-22, DOI: 10.1007/s15006-017-0305-z