Der Landarztberuf wird ständig schlechtgemacht

MMW - Fortschritte der Medizin, Dec 2017

Wolfgang Christ

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Der Landarztberuf wird ständig schlechtgemacht

MMW Fortschritte der Medizin Der Landarztberuf wird ständig schlechtgemacht Als Hausarzt auf dem Lande geht es einem eigentlich sehr gut, findet Wolfgang Christ. Der Politik wirft er vor, dem Beruf das Wasser abzugraben und seine Vorzüge systematisch totzuschweigen. Wolfgang Christ; Hausarzt aus; Ochsenhausen - _ Manchmal erscheint es verrückt. Da fördern die meisten KVen angehende Allgemeinärzte und Ausbildungspraxen nanziell – doch die Ö entlichkeitsarbeit wird seit Jahren strä‚ich vernachlässigt und halbherzig betrieben. Streichelkampagnen à la „I ch bin so gerne Hausarzt“ werden junge Kollegen nicht für den Beruf begeistern. Dabei haben wir Landärzte längst gute Gründe, unseren Beruf attraktiv zu nden und zu schätzen: • Die gesellscha“liche Wertschätzung der Berufsgruppe ist weit überdurchschnittlich, und das nicht nur in ländlichen Gebieten. • Die geldliche Wertschätzung stimmt: Das hausärztliche Durchschnittseinkommen liegt heute weit über jenem anderer akademischen Berufsgruppen und übersteigt deutlich das Grundgehalt eines leitenden Oberarztes an einer Universitätsklinik. • Der Arbeitsalltag ist modern organisiert. Der Papier- und Verwaltungsaufwand ist immer noch da, hält sich inzwischen aber in vertretbaren Grenzen. In Praxen mit angestellten oder gleichberechtigten Kollegen ist eine 40-Stunden-Woche durchaus möglich. • Die ständigen Bereitscha“sdienste sind quasi Geschichte: In BadenWürttemberg müssen niedergelassene Ärzte nach einer Reform nur noch etwa fünf Dienste pro Jahr ableisten – viel weniger als in der Klinik. Man kann sie sogar gegen Entgelt abtreten. • Der ländliche Raum bietet zahlreiche Mehrwerte, von der Lebensqualität jenseits der städtischen Dunst- und Feinstaubglocke bis zu den Lebenshaltungskosten. Nichts als Steine im Weg Wie also konnte es dazu kommen, dass Hausärztemangel und Unterversorgung in vielen ländlichen Gebieten zu einer traurigen Wirklichkeit geworden sind? Leider haben wir es hier mit politischem Versagen zu tun. Das fängt schon beim restriktiven Zugang zum Medizinstudium an, den meist nur Einserschüler ohne Wartezeit erhalten. Einmal an der Uni, wird man eher zum guten £eoretiker als zum Praktiker ausgebildet. Der Hausärztemangel war auf grund der Altersstruktur der deutschen Ärztescha“ und der Bevölkerung seit Jahrzehnten absehbar. Bei ständig steigen dem Bedarf an medizinischen Leistungen ist der Anteil der Hausärzte im Alter über 60 Jahren kontinuierlich gewachsen. Ende 2016 lag er laut Bundesarztregister bei sage und schreibe 33,5%. Die Politik, insbesondere die Vielzahl fachfremder Fachminister, hat diese Entwicklung verkannt und verschlafen. Das Modell Hausarzt wurde zudem als veraltet eingestu“, und einer möglichst räumlich konzentrierten Gründung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) eindeutig Vorrang eingeräumt, wodurch räumliche Versorgungslücken und im ländlichen Gebiet weite Anfahrtswege provoziert wurden. Durch diese Entwicklungen ist der Wiederverkaufswert vieler Praxen ins Bodenlose gesunken. Obschon im letzten Jahr Allgemeinpraxen im Schnitt für 134.000 Euro verkau“ wurden, werden selbst für topgep‚egte und technisch bestens ausgerüstete Landarztpraxen o“ nur noch 40.000–60.000 Euro geboten. Derweil kalkuliert der Hausärzteverband als Vorsteuergewinn für eine gut gehende Allgemeinarztpraxis derzeit 175.300 Euro. Verkehrte Welt! Persönlich suche ich inzwischen mit Plakaten in der Nähe von Unikliniken Nachwuchs (siehe Bild). ■ ■ Der Autor ist niedergelassener Hausarzt in Ochsenhausen in Baden-Württemberg


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Wolfgang Christ. Der Landarztberuf wird ständig schlechtgemacht, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 35-35, DOI: 10.1007/s15006-017-0375-y