Arbeiten deutsche Ärzte nicht leitlinienkonform?

MMW - Fortschritte der Medizin, Dec 2017

Veronika Schlimpert

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Arbeiten deutsche Ärzte nicht leitlinienkonform?

MMW Fortschritte der Medizin Eisenmangel verkürzt das Leben - Bei kardialen Patienten, insbesondere solchen mit Herzinsuffizienz, findet sich häufig ein Eisenmangel. Dieser verschlechtert nicht nur die Symptomatik, sondern verkürzt auch das Leben der Patienten. a ilt o o F / l e p m e H n w a h S © _ 10–20% aller Herzinsu zienzpatienten haben eine Anämie, und bei ca. 80% ndet sich ein absoluter oder funktioneller Eisenmangel. Ursachen des absoluten Eisenmangels sind Mangelernährung, Malabsorption und chronischer Blutverlust durch die antithrombotischen Medikamente. Der funktionelle Eisenmangel mit gestörter Eisenverfügbarkeit ist dagegen Folge der bei dieser Erkrankung häugen chronischen Inˆammation und der chronischen Niereninsu zienz. Dass eine Anämie bei herzinsu zienten Patienten die Prognose quo ad vitam verschlechtert, ist gut belegt. In einer Studie stieg die 1-Jahres-Mortalität bei Vorliegen eines Eisenmangels von 65% auf 73%. Deshalb sollte bei allen Patienten mit einer systolischen Herzinsufzienz mittels Bestimmung von Ferritin und evtl. der Transferrinsättigung nach einem Eisenmangel gefahndet werden. Auch ohne Anämie nutzt Substitution In der FAIR-HF-Studie konnte gezeigt werden, dass eine Eisentherapie bei Patienten mit Eisenmangel den klinischen Status und die Lebensqualität deutlich verbessert, und zwar unabhängig vom Hb-Wert. Eisenmangel hat bei Herzinsufzienz einen doppelt ungünstigen Eoeekt auf den Sauerstooe-Stooewechsel. So kommt es einmal zu einer funktionellen Beeinträchtigung aerober Enzyme und somit zu einer Störung der oxidativen Phosphorylierung, d. h. die O2 -Nutzung ist beeinträchtigt. Zum andern vermindert ein niedriges Hb den O2-Transport. Beides beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit, was durch eine Eisensubstitution verbessert werden kann. ■ Dr. Peter Stiefelhagen ■ ESC-Kongress 2017 in München Eisenmangel wird häu g übersehen Arbeiten deutsche Ärzte nicht leitlinienkonform? In deutschen Kardiologie-Praxen werden Eisenmangel und Anämien bei Herzinsuffizienz-Patienten offensichtlich häufig übersehen, wie eine Registerstudie offenlegt. _ Wie eine Auswertung des PrEP-Registers (Prävalenz des Eisenmangels bei Patienten mit Herzinsu zienz) ergab, lag bei fast der Häl¥e (42,5%) der insgesamt 1.198 in dem Register eingeschlossenen Patienten mit chronischer Herzinsu zienz ein Eisenmangel vor; deniert als Ferritinwert < 100 μg/l oder Ferritinwert von 100 bis 300 μg/l bei einer Tran-s ferrinsättigung < 20%. Bei allen diesen Patienten war die Erkrankung im Vorfeld nicht bekannt. Eine Anämie ließ sich bei 18,9% der Patienten feststellen. Diese Erkrankung war vor Studieneinschluss gerade mal bei 4,8% der Patienten diagnostiziert und wurde bei keinem einzigen durch eine Bluttransfusion oder Erythropoetin-Gabe behandelt. „Trotz der hohen Prävalenz war der Eisenmangel somit bei allen PrEP-Teilnehmer unbekannt und die vorhandene Anämie blieb häug unbeachtet“, lautet das Fazit der Studienautoren um Dr. Stephan von Hähling, Universität Göttingen. Leitlinien auch in ambulanter Versorgung umsetzen Die Kardiologen plädieren daher dafür, die gültigen ESC-Leitlinien bzgl. einer Eisensubstitution auch in der ambulanten Versorgung umzusetzen. Darin wird eine solche ³erapie für symptomatische Patienten mit chronisch stabiler Herzinsu zienz und eingeschränkter Auswuroeraktion empfohlen, die an einem Eisenmangel und einer Anämie leiden, aber auch für Patienten, bei denen nur ein Eisenmangel vorliegt. Eisenstatus routinemäßig bestimmen Darüber hinaus wird in den Leitlinien eine regelmäßige Bestimmung der Blutwerte nahegelegt, um reversible/behandelbare Ursachen der Herzinsu zienz und Komorbiditäten – wie eben einen Eisenmangel – erfassen zu können. „Die Ergebnisse des PrEP-Registers liefern starke Argumente dafür, Eisenmangel und Anämien bei Herzinsu zienz-Patienten auch in kardiologischen Praxen zu diagnostizieren und zu behandeln“, so die Autoren. Konkret bedeutet das, den Eisenstatus im ambulanten Setting routinemäßig zu bestimmen und ggf. eine Eisensupplementation als ³erapie einzusetzen. ■ Veronika Schlimpert


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Veronika Schlimpert. Arbeiten deutsche Ärzte nicht leitlinienkonform?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 24-24, DOI: 10.1007/s15006-017-0364-1