Alzheimer: Mehr Pneumonien unter Sedativa

MMW - Fortschritte der Medizin, Dec 2017

Prof. Dr. med. H. J. Heppner

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-017-0384-x.pdf

Alzheimer: Mehr Pneumonien unter Sedativa

MMW Fortschritte der Medizin Alzheimer: Mehr Pneumonien unter Sedativa 0 Prof. Dr. med. H. S. Füeßl ■ Fuentes-Suárez A, González-Márquez TN. „Acrobatic“ lice. N Engl J Med. 2017;377:e19 1 Von Schamhaar zu Schamhaar wandernder Parasit 2 Prof. Dr. med. H. J. Heppner In einer Studie erhöhten Benzodiazepine das Pneumonierisiko bei älteren Patienten mit AlzheimerDemenz deutlich um etwa 30%. Z-Substanzen schnitten besser ab - doch der Schein trügt womöglich. - _ In den Datenbanken nnischer Krankenversicherer für die Jahre 2005–2011 identi zierte man 49.844 Patienten, die an einer Alzheimer-Demenz litten. Das mittlere Alter lag bei 80 Jahren, 62,7% waren weiblich. 5.232 der Patienten hatten in den zwei Jahren nach der Diagnose Benzodiazepine verschrieben bekommen, 3.269 erhielten Z-Substanzen. Jedem von ihnen wurde als Kontrolle ein Alzheimerpatient zugeordnet, der keines dieser Medikamente einnahm. An Benzodiazepinen kamen Diazepam, Nitrazepam, Chlordiazepoxid, Clobazam, Alprazolam, Lorazepam und Temazepam zum Einsatz, an Z-Substanzen Zopiclon und Zolpidem. Patienten mit einer Verordnung im Jahr vor der Alzheimerdiagnose wurden ausgeschlossen. Eine Cox-Regressionsanalyse ergab über beide Medikamentengruppen hinweg eine Hazard Ratio (HR) für Pneumonie von 1,22. Separat betrachtet war die Assoziation nur für Benzodiazepine signi kant (HR 1,28, 95%-Kon denzintervall: 1,07–1,54). Das höchste Pneumonierisiko bestand in den ersten 30 Tagen der Benzodiazepin-Anwendung (HR 2,09). Insgesamt wurden 8,10 Pneumonien bezogen auf 100 Patientenjahre diagnostiziert. ■ Taipale H, Tolppanen AM, Koponen M et al. Risk of pneumonia associated with incident benzodiazepine use among community-dwelling adults with Alzheimer disease. CMAJ. 2017;189:E519–29 KOMMENTAR Benzodiazepine oder Z-Substanzen werden Patienten mit Alzheimer-Erkrankung oft verschrieben, sei es aufgrund von Schlafstörungen, sei es wegen herausfordernden Verhaltens, das sich im Rahmen der Demenz entwickelt. Viele der betro’enen Patienten nehmen diese sedierenden Medikamente über längere Zeit, obgleich allenfalls eine kurzfristige Anwendung empfohlen ist. Jenseits der Studiendaten könnte es zudem eine Dunkelzi’er geben, da die Krankenversicherer Kleinstmengen nicht erstatten und daher auch nicht verzeichnen. Auch erfasste die Studie keine ambulant behandelten Patienten mit Pneumonie. Das bessere Abschneiden der Z-Substanzen in der Studie sollte nicht dazu verleiten, sie als harmlos zu betrachten. Der sedierenden E’ekt dieser Medikamente führt zu einem erhöhten Aspiratsionsrisiko, was wiederum das Risiko für eine Pneumonie deutlich erhöht. Einige Studien gehen davon aus, dass 5–15% der 4,5 Millionen ambulant erworbenen Pneumonien auf eine Aspiration zurückgehen [Komiya K et al. Aging Dis. 2015;6:27–37]. Ein 65-jähriger Mann litt seit etwa sechs Wochen an starkem Juckreiz in der Leistensregion. Bei der klinischen Untersuchung zeigten sich keine Hautläsionen. Fündig wurden die Ärzte mit der anschließenden Dermatoskopie. Sie entdeckten nicht nur eine fest an einem Schamhaar haftende Nisse, sondern konnten auch einen krabbenförmigen Parasiten beobachten, der sich behende „von Ast zu Ast“ schwang. Andere behaarte Teile des Körpers waren nicht betroffen. Man diagnostizierte eine Pediculosis pubis, hervorgerufen durch Phthirus pubis, vulgo Filzläuse. Filzläuse werden üblicherweise bei Sexualkontakten übertragen, man kann sie aber auch durch gemeinsame Benutzung von Kleidung, Bettzeug oder Handtüchern mit infizierten Personen bekommen. Sie treten am häufigsten bei Teenagern und jungen Erwachsenen auf. Dieser Patient berichtete, dass er in der letzten Zeit keinen Sexualkontakt hatte, und auch das Screening auf andere sexuell übertragbare Infektionen verlief negativ. Er wurde mit Ivermectin oral behandelt, worauf sich der Juckreiz rasch zurückbildete. Bei der Wiedervorstellung vier Wochen später konnten keine Läuse mehr gefunden werden.


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-017-0384-x.pdf

Prof. Dr. med. H. J. Heppner. Alzheimer: Mehr Pneumonien unter Sedativa, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 44-44, DOI: 10.1007/s15006-017-0384-x