Mein Patient, ein kleiner kroatischer Prinz

MMW - Fortschritte der Medizin, Dec 2017

Dr. Luise Hess

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-017-0370-3.pdf

Mein Patient, ein kleiner kroatischer Prinz

MMW Fortschritte der Medizin Mein Patient, ein kleiner kroatischer Prinz nauen Erklärung - obwohl das doch der Kern des Ganzen ist. Es half also nichts, der „Kleine Prinz“ musste auf kroatisch her, als Überraschung natürlich. Mal überlegen ... war da nicht diese kroatische Studentin, der ich strikt verboten hatte, in ihre Heimat zu fahren, da ich die Reise für eine Pati - entin mit Endokarditis viel zu anstrengend empfand? Als die mein Sprechzimmer verlassen hatte, konnte ich ihr noch von hinten ansehen, dass sie gegen meinen Rat fahren würde. Ich mailte sie also an und bekam nach drei Tagen ein Telefonat , das ich sofort durchstellen ließ. Die junge Frau stand just in Zagreb vor dem Buchladen und wollte wissen, ob ich noch interessiert sei. A m Ende des Sommers, als ich ihr in meiner Praxis eine komplette Genesung attestieren konnte, übergab sie mir dann das Buch „Mali Princ“, das ich ihrem Landsmann schenkte. Wie heißt es so schön in dem Buch? Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Oder: „Čovjek dobro vidi samo srcem. Ono birno ne vidi se očima.“ ■ Dr. Luise Hess, Darmstadt - _ Fremdsprachenkenntnisse sind nie verkehrt – und helfen bisweilen auch bei einheimischen Patienten. So wurde ich im Notdienst einmal von einer akzentfrei deutsch sprechenden Patientin angefordert, die meinte, ihr Enkel schmerze, sie könne nicht mehr laufen. Einfach so, ohne Unfall. Mir war schleierha , was sie meinte. Ein Kind konnte wohl nicht betro­en sein, schließlich war die Frau selbst beim Laufen beeinträchtigt. Immerhin grenzte dieses Beschwerdebild die Körperregion ein wenig ein. Ich kannte den Begri­ „Onkel“ als Bezeichnung für Zehen, außerdem das englische Wort „ankle“, das ja so ähnlich klingt. Da meine jahrelange Erfahrung mich lehrte, bei unklaren Situationen lieber hinzufahren und mir selbst einen Eindruck zu machen, statt mich auf lange und verwirrende Diskussionen einzulassen, stand ich bald einer recht beleibten, im Sessel sitzenden Frau gegenüber, die auf ihr Bein zeigte. Die Untersuchung der infrage kommenden Gelenke zeigte schnell, dass tatsächlich der Knöchel Beschwerdeursache war, wahrscheinlich überlastungsbedingt nach einer längeren Stadtbesichtigung. Danach wollte ich noch meine Neugier bezüglich der anatomischen Bezeichnung stillen. Es war der Frau unverständlich, wieso ich nicht gleich am Telefon gewusst hatte, was sie gemeint hatte. Sie war an der niederländischen Grenze aufgewachsen – und dort ist „Enkel“ o­enbar ein gängiger Begri­ für den Knöchel. Die sprachliche Verwandscha zum englischen Wort war meiner Patientin überhaupt nicht bewusst. ■ Dr. Andrea Linsel, Lüneburg


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-017-0370-3.pdf

Dr. Luise Hess. Mein Patient, ein kleiner kroatischer Prinz, MMW - Fortschritte der Medizin, 2017, 32-32, DOI: 10.1007/s15006-017-0370-3