Chronische Schmerzen: Mit nur einer Frage Opiat-Missbrauchsrisiko erfassen

Schmerzmedizin, Mar 2018

Barbara Kreutzkamp

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Chronische Schmerzen: Mit nur einer Frage Opiat-Missbrauchsrisiko erfassen

Schmerzmedizin Galcanezumab zur Migräneprophylaxe: Phase-II-Studie erfolgreich abgeschlossen In die Studie einbezogen wurden 410 Patienten mit vier bis 14 Migränetagen im Rahmen von mindestens zwei Migräneattacken pro Monat. Sie erhielten über drei Monate randomisiert einmal monatlich eine Subkutanspritze mit 5, 50, 120 oder 300 mg Galcanezumab oder eine Placeboinjektion. Das primäre Studienziel war die Reduktion der durchschnittlichen Anzahl der Migränetage zwischen Studienbeginn und 9-12 Wochen nach Randomisation. Verglichen mit Placebo reduzierte 120 mg Galcanezumab die Zahl der Migränetage signioekant (-4,8 Tage [90 % Bayesian credible intervals (BCI) -5,4 bis -4,2] vs. - 3,7 [BCI -4,1 bis -3,2]). - it der Entdeckung des Calcitonin gene-related peptide (CGRP) als einem wichtigen Akteur in der Pathophy siologie der Migräne konnten erstmals auch gezielt wirksame Substanzen für die Migränetherapie und -prophylaxe entwickelt werden. Small-moleculeCGRP-Rezeptorantagonisten sind vor allem in der Behandlung des Akutanfalls wirksam, monoklonale AntiCGRP-Antikörper wie Galcanezumab eignen sich auch für die Migräneprophylaxe, da sie in größeren Zeitabständen gegeben werden können. In einer Phase-IIb-Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Dosierungen von Galcanezumab überprü¤. Patienten mit chronischen Schmerzen, die zum schmerzbezogenen Katastrophisieren neigen, haben ein erhöhtes Opiat-Missbrauchsrisiko. Möglicherweise scha t es eine einzige Frage, solche Risikopatienten zu identi zieren. N eben Traumata, psychischen Erkrankungen und positiver (Familien)Anamnese gilt auch das schmerzbezogene Katastophisieren als ein wichtiger Risikofaktor für Opiatmissbrauch. Patienten mit schmerzbezogenem Katastophisieren zeigen eine deutlich verstärkte negative Reaktion auf ihre Schmerzen, messen ihnen eine übergroße Bedeutung bei und fühlen sich hil„os ausgeliefert. Das Katastophisieren ist aber auch einer der wenigen Missbrauchsrisikofaktoren, die sich im therapeutischen Gespräch gut beein„ussen lassen. Es kann also doppelt lohnen, die Katastrophisierungsneigung zu erfassen. Eine monozentrische Studie untersuchte nun die Brauchbarkeit eines Single-Item-Instruments im Vergleich zu komplexeren Fragebatterien. Dazu absolvierten 119 Patienten mit chronischen Schmerzen und Indikation für eine Opioidverordnung die validierte Pain Catastrophizing Scale (PCS) mit 13 Fragen zum schmerzbezogenen Katastrophisieren sowie den Screener and Opioid Assmessment for Patients with PainRevised (SOAPP-R) mit 24 Items und korrelierten die ermittelten Risikoschätzer mit dem erzielten Score bei einem einzelnen Item aus dem PCS: „Wenn ich Schmerzen habe, ist es fürchterlich und ich habe das Gefühl, dass es niemals wieder besser wird“ mit Antwortmöglichkeiten zwischen 0 (nie) und 6 (immer). Das Einzel-Item zur Katastrophisierungsneigung der Schmerzpatienten zeigte eine ausreichend hohe Unterscheidungsgenauigkeit zur Identioekation von Fazit: Der monoklonale Anti-CGRPAntikörper Galcanezumab reduziert in einer Dosis von 120 mg einmal monatlich subkutan appliziert die Zahl der durchschnittlichen Migränetage signioekant im Vergleich zu Placebo bei akzeptabler Verträglichkeit. Eine Phase-IIIStudie sollte nun die Wirksamkeit konoermatorisch verioezieren. Dr. Barbara Kreutzkamp Skljarevski V et al. E ect of di erent doses of Galcanezumab vs. placebo for episodic migraine prevention. A randomized clinical trial. JAMA Neurol 2018;75(2):187–93 Patienten mit einem hohen Risiko für einen Opiatmissbrauch, so die Autoren. Die Area under the receiver operator curve (AUC) im SOAPP-R betrug 0,74 im Vergleich zu 0,85 beim PCS. In der Praxis lassen sich demnach schon mit einer einzigen Frage Risikopersonen für einen Opiatmissbrauch mit hinreichender Genauigkeit identioezieren und gleichzeitig Ansatzpunkte für das therapeutische Gespräch oenden. Dazu gehören unter anderem eine sachliche Au¢lärung über das Wesen der chronischen Schmerzen sowie Empfehlungen für ablenkende Aktivitäten. Fazit: Mit nur einer einzigen Frage nach dem Ausmaß von schmerzbezogenem Katastrophisieren können Patienten mit einem hohen Risiko für einen Opiatmissbrauch identioeziert und dann gegebenenfalls auch beraten werden. Dr. Barbara Kreutzkamp Lutz J et al. Prediciting risk for opioid misuse in chronic pain with a single-item measure of catastrophic thinking. J Am Board Fam Med 2017; 30:828–31


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Barbara Kreutzkamp. Chronische Schmerzen: Mit nur einer Frage Opiat-Missbrauchsrisiko erfassen, Schmerzmedizin, 2018, 10-10, DOI: 10.1007/s00940-018-0757-y