Prügel von den Eltern — und der ersten Liebe

MMW - Fortschritte der Medizin, Mar 2018

D. Reinhardt

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Prügel von den Eltern — und der ersten Liebe

MMW Fortschritte der Medizin Prügel von den Eltern - und der ersten Liebe 0 Zambrano JA, Herman TN: Rib fracture associated with Bordetella pertussis infection. N Engl J Med. 2018:378:e4 1 Prof. Dr. med. H. Holzgreve Eine bedrückende Befragung zeigt, dass frühe Gewalterfahrung sich durch das Leben fortzieht. Wer von den Eltern gezüchtigt wird, ist auch in den ersten Beziehungen anfällig für Viktimisierung. - _ Für eine Studie wurden in Texas 758 Hochschulstudenten im mittleren Alter von 20 Jahren zu eigenen Gewalterfahrungen befragt. 61% waren weiblich. 68% der Probanden berichteten, als Kinder von den Eltern körperlich gezüchtigt worden zu sein, was in den USA grundsätzlich nicht verboten ist. 19% hatten in den ersten Partnerbeziehungen in der Jugend Gewalt erfahren. Statistisch ergab sich eine klare Assoziation zwischen den beiden Arten von Gewalterfahrungen (Odds Ratio 1,30; 95%-Kon–denzintervall: 1,07–1,59). Der Zusammenhang war unabhängig von Geschlecht, Alter und ethnischer Herkunoe der Befragten sowie vom Bildungsstatus der Eltern. ■ Temple JR, Choi HJ, Reuter T et al. Childhood corporal punishment and future perpetration of physical dating violence. J Pediatr. 2018;194:233–7 KOMMENTAR In Deutschland wurde die körperliche wie auch die seelische Züchtigung von Kindern durch Erziehungsberechtigte im Jahr 2000 verboten. Trotzdem zeigen sozialwissenschaftliche Studien, dass immerhin 11% der Eltern ihre Kinder noch körperlich züchtigen. Der Begri• „dating violence“ ist dagegen in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Dabei zeigt die texanische Studie: Gewalterfahrung im Kindesalter kann ein Wegbereiter für Gewalterleben durch erste Partner im Jugendalter sein. Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, dass gezüchtigte Kinder eine höhere Toleranz gegenüber Gewalt entwickeln. Die Erfahrung der wiederholten Demütigung durch Gewalt dürfte weitreichende soziale Folgen für diese Personengruppe haben. Sind bei Jugendlichen Gewaltspuren erkennbar, sollten primär versorgende Ärzte auch die Partnerbeziehungen hinterfragen. Dies darf kein Tabu sein. ■ Prof. em. Dr. med. Dr. h. c. D. Reinhardt Das war kein Unfall, sondern ein kleines Bakterium An der Flanke einer adipösen, 66-jähri- A gen Frau bestand ein subkutanes Hämatom, das sich großflächig unterhalb der Mamma und des Rippenbogens ausbreitete und den gesamten sichtbaren Thoraxumfang einnahm (Abb. A). Die untersuchenden Ärzte dachten sofort an einen Unfall oder eine Blutungsneigung, doch beides verneinte die Patientin. Die weitere Anamnese führt zur Klärung: Schon zwei Wochen zuvor hatte sich die Frau wegen eines trockenen heftigen Hustens und starker Schmerzen in der rechten Flanke beim Hausarzt vorgestellt. In der Folge war die Diagnose eines Virusinfektes der oberen Atemwege gestellt worden. Bei einer Untersuchung fünf Tage zuvor waren dann die Ekchymosen und eine Druckschmerzhaftigkeit der rechten Thoraxwand aufgefallen. Im CT erkannte man rechts lateral eine frakturierte, dislozierte 9. Rippe (Abb. B). Der Abstrich aus dem nasopharyngealen Bereich brachte den Nachweis von Bordetella pertussis. Die Patientin war acht Jahre zuvor gegen Pertussis geimpft worden und wusste auch von keinem kürzlichen Kontakt mit Keuchhustenpatienten. B 4 e : 8 7 3 : 8 1 0 2 . d e M J l g n E N © A: Monströses subkutanes Hämatom in der Flanke. B: Frakturierte, dislozierte 9. Rippe rechts im CT. Schwerer Husten kann zu Rippenfrakturen und Verletzungen der Intercostalgefäße führen. Die Patientin wurde mit Azithromycin behandelt, die Rippenfraktur und eine Hernie der Brustwand wurden chirurgisch versorgt. Einige Kontaktpersonen aus dem privaten und klinischen Bereich erhielten ebenfalls eine Postexpositionsprophylaxe mit Azithromycin.


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D. Reinhardt. Prügel von den Eltern — und der ersten Liebe, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 31-31, DOI: 10.1007/s15006-018-0223-8