Wie riskant ist die „Gelegenheitschirurgie“?

MMW - Fortschritte der Medizin, Feb 2018

Springer Medizin

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0121-0.pdf

Wie riskant ist die „Gelegenheitschirurgie“?

MMW Fortschritte der Medizin Wie riskant ist die „Gelegenheitschirurgie“? MMW: Frau Dr. Wesselmann, Sie haben Zahlen vorgestellt, wonach Lungenkrebsoperationen in Kliniken mit kleinen Fallzahlen mit einer erhöhten postoperativen Mortalität einhergehen. Ist dieser Zusammenhang gesichert? Wesselmann: Für Lungenkrebs ebenso wie für viele andere Tumorentitäten ist ein Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Outcome mehrfach beschrieben. Die Evidenz ist so gut, dass sich auch das Bundessozialgericht Kassel für Mindestmengen als ein Instrument zur Qualitätssicherung ausgesprochen hat. Dr; med; Simone Wesselmann Bereichsleiterin Zertifizierung bei der Deutschen Krebsgesellschaft; Berlin - Laut Qualitätsmonitor 2018 sterben in Deutschland viele Krebspatienten frühzeitig, weil sie in Krankenhäusern mit wenig Erfahrung operiert werden. MMW sprach darüber mit Dr. Simone Wesselmann von der Deutschen Krebsgesellschaft. MMW: Eignet sich die Sterblichkeit nach Operationen, um die Behandlungsqualität zu erfassen? Wesselmann: Die Operation ist natürlich gerade beim Lungenkrebs nur ein Baustein der ƒerapie. Die Qualität wird z B . auch stark durch die Bildgebung und die Wahl der systemischen ƒerapie bestimmt. Die Operation ist ein guter Surrogatparameter, auch weil wir sie über die OPSCodes leicht erfassen können. MMW: Wie stark wirkt sich bei Lungenkrebsoperationen die Fallzahl auf das postoperative Sterberisiko aus? yhp Wesselmann: 2015 wurden laut DRGa r og Statistik 11.614 kurative Lungenkrebst o Phm operationen vorgenommen – 57% davon .cob in 47 Krankenhäusern, die mehr als 75 -r© Operationen im Jahr machen. Die übrio gen Patienten wurden in 271 Krankenhäusern mit weniger als 75 Eingri™en operiert, wo im Schnitt nur alle drei Wochen ein Patient diese Operation erhält. Die Krankenhaussterblichkeit lag hier bei 4,1%, in den Krankenhäusern mit mehr Erfahrung waren es 2,5%. MMW: Welche Konsequenzen sollten aus den Daten gezogen werden? Wesselmann: Beim Lungenkrebs ist zu beobachten, dass in den letzten Jahren immer mehr kleine Krankenhäuser die Patienten in größere Kliniken verlegt haben. Diese Entwicklung ›nden wir sehr gut. Generell sollten wir eine Zentralisierung der Behandlung in qualitätsgesicherten höhervolumigen Einrichtungen anstreben. Operationen sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlungskette, daher setzt die Zerti›zierung durch die Deutsche Krebsgesellschaž hier bestimmte Mindestmengen voraus. Die Zerti›zierung hat bei Lungenkrebs und anderen Tumoren nachweislich einen positiven EinŸuss auf das Gesamtüberleben. MMW: Wie macht man zerti„zierte Zentren aus„ndig? Wesselmann: Auf der Webseite oncomap.de sind alle gelistet. In den üblichen Krankenhaussuchmaschinen kann man sie am Logo erkennen. MMW: Was soll mit Kliniken passieren, die diese Kriterien nicht erfüllen? Wesselmann: Wir sollten die hohe Qualität, die in Deutschland ja vorhanden ist, nutzen und nicht Einrichtungen fördern, die diese Qualität nicht haben. Die DRGs scha™en hier Anreize, die für Krebspatienten nicht unbedingt positiv sind. MMW: Durch eine Zentralisierung entstehen für manche Patienten lange Anfahrtszeiten … Wesselmann: Alle Patienten, die ich kenne, würden für eine gute Operation eine längere Fahrt in Kauf nehmen. Der Stress entsteht bei den weiteren Behandlungsschritten. Deswegen sind zerti›zierte Netzwerke wichtig, damit man z. B. Bestrahlung und systemische ƒerapie wohnortnah durchführen kann. ■ Interview: Dr. Beate Schumacher


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0121-0.pdf

Springer Medizin. Wie riskant ist die „Gelegenheitschirurgie“?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 8-8, DOI: 10.1007/s15006-018-0121-0