Pneumonie und Hüftfraktur — eine unheilvolle Kombination

Pneumo News, Feb 2018

Hans Jürgen Heppner

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Pneumonie und Hüftfraktur — eine unheilvolle Kombination

PNEUMONEWS  Pneumonie und Hüftfraktur - eine unheilvolle Kombination 0 Chefarzt Geriatrische Klinik und Tagesklinik Lehrstuhl für Geriatrie Universität Witten/Herdecke Dr.-Moeller-Straße 15 , 58332 Schwelm 1 Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner , MHBA 2 Patterson JT, Bohl DD, Basques BA et al. Does Preoperative Pneumonia Affect Complications of Geriatric Hip Fracture Surgery? Am J Orthop (Belle Mead NJ). 2017;46(3):E177-85 ag lr e V zn ii d e M r e g n ir Sp © - Kommentar von Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner - Auf GeriatriePatienten mit Pneumonie und Fraktur muss man besonders aufpassen. Fragestellung: Beein ussen präoperative Pneumonien die Komplikationsrate bei geriatrischer Patienten mit hü naher Fraktur? Hintergrund: Es ist gar nicht so selten, dass zwei wirklich häuge Erkrankungen geriatrischer Patienten zusammenkommen: Die Pneumonie als eine der häu gsten Infektionskrankheiten [ 1 ] im höheren Lebensalter und die hü nahe Fraktur als klassische Sturzfolge [ 2 ]. Beides hat großen Ein uss auf Morbidität und Mortalität. Es ist beschrieben, dass Patienten mit hü naher Fraktur in bis zu 3 % der Fälle bereits präoperativ an einer Pneumonie erkrankt sind. Dies mag ein Risikofaktor für einen komplizierten postoperativen Verlauf sein, was aber bisher nicht systematisch analysiert wurde. Daher haben sich die Autoren die Fragen gestellt, ob ein direkter Zusammenhang besteht, der postoperative Verlauf mit und ohne Pneumonie anders ist und ob die Pneumonie den Operationszeitpunkt beein usOriginalie sen kann. Patienten u. Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie über sieben Jahre wurden geriatrische Patienten mit hü naher Fraktur auf präoperative Pneumonie gescreent. Alter, Geschlecht, Einweisungsgrund, Body Mass Index (BMI), funktioneller Status, Art der Narkose und das etwaige Vorliegen von perioperativer Anämie, Dyspnoe, COPD und weitere Komorbiditäten wurden ebenfalls erfasst. Datengrundlage war das National Surgical Quality Improvement Program (NSQIP) des American College of Surgeons. Sie betrachteten das 30-Tage-Outcome bzgl. aller erhobener Parameter. Statistische Analysen erfolgten mit Paerson-Chi-Quadrat-Test, Student‘s t-Test und multivariaten Analysen. Die post-OP Sterblichkeit wurde in der Kaplan-Meier-Kurve dargestellt. Ergebnisse: 7.128 Patienten wurden in die Studie aufgenommen, 82 (1,2 %) litten zum Operationszeitpunkt an einer Pneumonie. Dies war mit einer erhöhten Komplikationsrate (relative risk [RR] = 1,44), schweren Komplikationen (RR = 1,79) und Tod (RR = 2,08) verbunden. Bestand zum OP-Zeitpunkt ein deutliches Untergewicht (BMI < 18,5 kg/m2), war dies ein deutlicher Prädiktor für die 30-Tage-Sterblichkeit (RR = 4,67). Der OP-Zeitpunkt spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle. Die Krankenhausverweildauer war bei vorbestehender Pneumonie signi kant länger. Schlussfolgerung: Die Autoren schlossen, dass eine präoperativ existente Pneumonie sehr wohl die Komplikationsrate erhöht und daher auf diese Patienten ein deutlich höheres Augenmerk bzgl. einer optimierten perioperativen Versorgung gelegt werden muss. Leider haben die Autoren in der Arbeit den geriatrischen Patienten lediglich über das kalendarische Alter de niert, und das auch noch mit 65 Jahren primär angesetzt. Diese Kohorte ist sicherlich nicht mit dem klassischen geriatrischen Patienten mit hüftnaher Fraktur, wie wir ihn kennen, zu vergleichen. Jedoch waren die meisten Studienteilnehmer in der vorliegenden Untersuchung doch 75 Jahre und älter. Die meisten Fälle mit einer präoperativ bestehenden Pneumonie nden sich in der Altersgruppe 75 bis 84 Jahre (43,9 %). Dies waren auch die Patienten mit einer signi kant höheren Einschränkung ihrer Alltagskompetenz und mehr Komorbiditäten [ 3 ]. Es wird in dieser Arbeit sehr deutlich, dass eben nicht nur die Fraktur das Problem ist, sondern diese Patienten eine deutlich aufmerksamere perioperative Versorgung benötigen. Dies beinhaltet sowohl eine präoperative Optimierung als auch die postoperative gemeinsame Versorgung im Sinne von co-managed care, wie es zwischen der Geriatrie und der Unfallchirurgie schon vielerorts gelebt wird. Es zeigt sich in dieser Arbeit klar, dass pneumologische Aspekte in dieser Versorgung eine große Bedeutung haben. Daher muss für diese Patientengruppe die interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert werden, um den eigentlichen Behandlungserfolg zu sichern [ 4 ]. Literatur 1. Jain S , Self WH , Wunderink RG et al. N Engl J Med . 2015 ; 373 : 415 - 27 2. Kammerlander C , Erhart S , Doshi H et al. Principles of osteoporotic fracture treatment . Best Pract Res Clin Rheumatol . 2013 ; 27 ( 6 ): 757 - 69 3. Heppner HJ , Sieber C , Walger P et al. Crit Care Clin . 2013 ; 29 ( 3 ): 757 - 74 4. Gosch M , Heppner HJ . Z Gerontol Geriatr . 2014 ; 47 ( 2 ): 88 - 9


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Hans Jürgen Heppner. Pneumonie und Hüftfraktur — eine unheilvolle Kombination, Pneumo News, 2018, 15-15, DOI: 10.1007/s15033-018-0858-2