EMS-Training: „Besser komplett sein lassen!“

MMW - Fortschritte der Medizin, Feb 2018

Springer Medizin

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EMS-Training: „Besser komplett sein lassen!“

MMW Fortschritte der Medizin EMS-Training: „Besser komplett sein lassen!“ 0 So funktioniert EMS-Training 1 Prof. Dr. med. Stefan Knecht Chefarzt der Klinik für Neurologie , St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch Es klingt verlockend: schlank und straff mit nur 20 Minuten Training pro Woche. Viele Fitnessstudios haben die Elektromyostimulation (EMS) in ihr Angebot aufgenommen. Doch jetzt warnen Neurophysiologen vor den Tücken der Methode. - MMW: Der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) zufolge soll EMS-Training nur unter Anleitung ausgebildeter Sportlehrer oder Physiotherapeuten und nicht im Fitnessstudio erfolgen. Warum? Knecht: In Fitnessstudios werden Verfahren, die im Prinzip gut sein können, o bis an die Grenze getrieben. Die Trainer sind o medizinisch ungeschult und können auf Frühzeichen einer körperlichen Schädigung nicht adäquat reagieren. MMW: Wo sehen Sie die konkreten Risiken des EMS-Trainings? Knecht: Sportwissenscha ler haben festgestellt, dass man die Muskelstärke am schnellsten mit einem High Intensity Training erhöhen kann. Dabei wird z. B. der Oberschenkelmuskel durch wenige, hochintensive Muskelanspannungen maximal strapaziert, indem man sich hinhockt und dann mit einem zusätzlichen Gewicht auf den Schultern so schnell wie MMW: Für wen ist EMS unbedenklich und für wen besonders gefährlich? Knecht: Besonders gefährdet sind natürlich Menschen, die bereits eine Nierenschädigung haben. Aber unbedenklich ist meiner Meinung nach nur, das EMS-Training im Laienbereich gar nicht anzuwenden. Auch Gesunde sollten es besser komplett sein lassen. Selbst im professionellen Bereich ist noch Mittels eines speziellen Anzugs wird dem Trainierenden Strom in die Muskeln geleitet, der entsprechend der jeweiligen Körperregion reguliert werden kann. Durch die elektrischen Impulse werden während bestimmter Übungen wie Kniebeugen oder Sit-ups verschiedene Muskelgruppen jeweils für einige Sekunden intensiv kontrahiert und danach wieder entlastet. Mit den elektrischen Reizen von außen werden die körpereigenen Reize auf den Muskel gezielt verstärkt. nicht sichergestellt, dass Wettkampfvorteil und Risiko in angemessenem Verhältnis stehen. Schmerzen und Anstrengung sind ja Indikatoren für biologische Grenzen, die man ohne tri igen Grund zu überschreiten versucht. MMW: Werden die erho†ten E†ekte mit EMS-Training überhaupt erreicht? Knecht: Das Verfahren gibt es schon seit über 10 Jahren, aber es existieren nur wenige Studien, in denen man leichte Eoeekte gesehen hat. Der größte Teil der Wirkung beruht wahrscheinlich auf einem Placeboeoeekt. Umso kritischer ist es, dafür reelle Risiken in Kauf zu nehmen. ■ Interview: Dr. Christine Starostzik


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Springer Medizin. EMS-Training: „Besser komplett sein lassen!“, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 8-8, DOI: 10.1007/s15006-018-0171-3