Dosistitration und Applikation um die Mittagszeit relevant

InFo Neurologie & Psychiatrie, Mar 2018

Springer Medizin

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Dosistitration und Applikation um die Mittagszeit relevant

Dosistitration und Applikation um die Mittagszeit relevant Fragestellung: Führt eine Lichttherapie mit Lux bei Pa- tienten mit bipolarer Depression die stabil medikamentös ein- gestellt sind Hintergrund: Die Behandlung von bipolaren Depressionen ist komplex. Einerseits haben Antidepressiva nur begrenzte E€ekte, andererseits können sie einen Switch in eine Manie induzieren, wenn sie nicht kombiniert mit einem Stimmungsstabilisierer appliziert werden. Die Autoren haben in einer Pilotstudie mit fünf Patienten ein gutes Ansprechen auf die morgendliche Lichttherapie bei einem von vier, jedoch die Induktion einer Hypomanie bei drei Patienten gesehen. In anderen Studien wurden bei einer mittäglichen Applikation des Lichts bei Patienten mit saisonaler Depression oder Rapid-cycling bessere E€ekte gesehen. Daher haben die Autoren diese randomisiert kontrollierte Studie mit mittäglicher Lichtapplikation bei bipolarer Depression durchgeführt. - Patienten und Methodik: Insgesamt 46 Patienten (Durchschnittsalter 44 Jahre) mit Bipolar I- oder -II-Störung, die auf eine stabile antimanische Medikation eingestellt und aktuell depressiv Es handelt sich um eine gut durchgeführte randomisiert-kontrollierte Studie. Dass die Lichttherapie zu solch starken Unterschieden in den Remissionsraten führte, ist eindrucksvoll. Allersdings muss man berücksichtigen, dass es sich um eine sehr kleine Studie handelt und dass kleine Studien immer das Risiko haben, große falsch positive oder auch falsch negative Ergebnisse zu produzieren. Daher sind die Ergebnisse insgesamt mit Vorsicht zu genießen. Ob der Zeitpunkt der Lichtapplikation am Mittag tatsächlich, wie die Autoren anführen, erklären kann, warum hier starke E‚ekte auftraten, während eine frühere Studie mit 8-wöchiger Lichttherapie und morgendlicher Gabe keinen E‚ekt fand [1], kann nicht abschließend beurteilt werden. Dazu müsste eine randomisiert kontrollierte Studie mit Vergleich einer morgendlichen und einer mittäglichen Lichttherapie durchgeführt werden. Interessanterweise fanden sich die Unterschiede zwischen der Lichttherapie und der Placebolichttherapie erst ab Woche 4. Hier zeigten sich plötzlich ansteigende E‚ekte bis zur Wowaren, wurden je zur Häl“e auf eine 7.000 Lux Lichttherapie oder eine 50 Lux Placebolichttherapie randomisiert. Die Lichttherapie erfolgte zwischen 12 Uhr und 14.30 Uhr für 15 Minuten und wurde bis zur Woche 4 um jeweils 15 Minuten auf eine Stunde Lichttherapie pro Tag gesteigert. Haupt-Outcome-Kriterium war die Remissionsrate nach sechs Wochen, als sekundäre Outcomes galten die Punktwerte auf den üblichen Depressions- oder Manie -Skalen und auf einem Schlafqualitätsbogen. Ergebnisse: Die Patienten litten zu Studieneinschluss unter einer mittelgradig ausgeprägten Depression und wiesen keine hypomanen oder manischen Symptome auf. Unter der Lichttherapie kam es nach vier bis sechs Wochen zu einer signižkant höheren Remissionsrate (68,2 %) als unter einer Placebolichttherapie (22 %; Odds Ratio = 12,6). Darüber hinaus wurden bei Studienende signižkant niedrigere Depressionswerte (9,2 Punkte auf der Hamilton-Depressions-Skala) im Vergleich zur Placebolichttherapie (14,9 Punkte) beobachtet. Manische oder hypomanische Episoden wurden nicht ausgelöst. Die Schlafqualität verbesserte sich in beiden Gruppen und war nicht signižkant unterschiedlich. Schlussfolgerungen: Eine dosistitrierte und mittäglich applizierte Lichttherapie kann zu einer signižkanten Verbesserung bipolar depressiver Symptome führen. che 6 unter Lichttherapie, die bei Placebolichttherapie nicht beobachtet worden waren. Die Autoren interpretieren dies als einen kumulativen E‚ekt. Möglicherweise ist dieses Vorgehen einer Dosistitration des Lichtes gut gewählt, da dadurch einerseits ein kumulativer therapeutischer E‚ekt erzielt werden, andererseits aber das Umswitchen in eine Manie verhindert werden kann. Nochmals: Die kleine Studie hat das Risiko, dass die Ergebnisse falsch positiv sind. Dazu kommt, dass die Therapie nicht doppelblind durchgeführt werden konnte und so möglicherweise die Unverblindung zu einer weiteren Verzerrung der Therapiee‚ekte führte. Weitere Studien sollten die Ergebnisse replizieren und vor allem gegen eine morgendliche Lichttherapie testen.


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Springer Medizin. Dosistitration und Applikation um die Mittagszeit relevant, InFo Neurologie & Psychiatrie, 2018, 23-23, DOI: 10.1007/s15005-018-2536-7