Alkohol lässt die Fremdsprache rollen

MMW - Fortschritte der Medizin, Feb 2018

P. Stiefelhagen

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Alkohol lässt die Fremdsprache rollen

MMW Fortschritte der Medizin Alkohol lässt die Fremdsprache rollen Allgemein geht man davon aus, dass Alkohol die Sprachkompetenz eher ungünstig beeinflusst. Kleine Mengen scheinen aber die Aussprache einer Fremdsprache - des Holländischen - zu verbessern - _ 50 Deutsch-Muttersprachler, die über mehrere Monate Niederländisch gelernt hatten, erhielten für eine Studie randomisiert entweder Wodka mit Bitter Lemon oder Mineralwasser. In der ersten Gruppe wurde darau­in ein durchschnittlicher Alkoholspiegel von 0,4 Promille bestimmt. Sodann hielten alle Probanden ein Schwätzchen auf Holländisch mit zwei Niederländern, die dabei Aussprache, Grammatik und Vokabular beurteilten. Die Probanden schätzten ihre Fremdsprachenkompetenz auch selbst ein. Erstaunlicherweise attestierten die Niederländer den alkoholisierten Probanden eine bessere Aussprache als den nüchternen. Bei Vokabular und Grammatik lagen die Gruppen gleichauf, ebenso wie bei der Selbstwahrnehmung. „Ik geef toe dat ik je haar leuk vind...“ Für die Autoren ist damit klar, dass geringe Mengen Alkohol durchaus Sprachhemmungen lösen können. Doch wir‹ die Studie viele Folgefragen auf. ■ Renner F, Kersbergen I, Field M, Werthmann J. Dutch courage? E ects of acute alcohol consumption on self-ratings and observer ratings of foreign language skill er ratings of foreign language skills. J Psychopharmacol. 2018;32:116–22 KOMMENTAR Sollten wir vor jeder Unterhaltung auf Holländisch zunächst etwas Alkohol trinken? Besteht eine Dosis-Wirkungs-Beziehung? Ab wie vieitckSo lläenndWisocdhkeaGsevseprrsätechhtspdaerrthnoelr/seg gar nichts mehr? Und gelten IttyaeGm fdüiersdeaZsuNsiaemdemrleännhdäisncghee?nur rrt/sxoon gDriaevZieierlesnpdrascteheLiimstitaautciohnddieien© ser Studie, da sie ja selbst aus dem Munde eines Muttersprachlers so klingt, dass sich zumindest der Verdacht einer Alkoholisierung aufdrängt. Umgekehrt erschließt sich der Reiz dieser Sprache, v. a. im ›irtiven Umfeld, bei Vielen erst nach ein paar kleinen Drinks. Böse Zunge behaupten gar, Holländisch sei eine Munderkrankung, die auf Alkohol anspricht. ■ Dr. med. P. Stiefelhagen Mit dem Weinglas wächst womöglich auch der Weindurst Der Aphorismus „Ein Gläschen in Ehren kann keiner verwehren“ enthält einen offensichtlichen Webfehler, der seine mäßigende Instruktion beeinträchtigt: Wie viel genau ist eigentlich „ein Gläschen“? Ein Mini-Pokal? Ein Sangria-Eimer? Konsumforscher nennen diese Unschärfe ein Einheiten-Bias. Forscher der Universität Cambridge vermuteten hier sogar eine mögliche Erklärung für den seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmenden Weinkonsum. In England etwa wurde im Jahr 2004 achtmal mehr Wein getrunken als 1960. Die Wissenschaftler wollten deshalb bestimmen, wie sich die Größe der Weingläser über die Jahre verändert hat. Sie gingen dafür weit zurück, bis an den Beginn des 18. Jahrhunderts. Aus verschiedenen Quellen – vom Ashmolean Museum of Art and Archaeology bis zur Online-Auktionsplattform eBay – sampelten sie insgesamt 411 Gläser und bestimmten ihr Fassungsvermögen. Die sich daraus ergebende Kurve dümpelt tatsächlich jahrhundertelang vor sich hin, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich Fahrt aufnimmt und nach oben schießt. In Zahlen: Im Jahr 1700 fasste des durchschnittliche englische Weinglas 66 ml Rebensaft, im Jahr 2017 waren es 449 ml. Bewiesen ist damit nicht viel, aber es passt ins Bild einer alkoholfanatischen westlichen Gesellschaft, in der die Discounter ganze Regalmeter an Merlot, Shiraz und Cabernet Sauvignon für Klimpergeld anbieten und in vielen Restaurants der mikrige Achtelliter nur noch auf Anfrage und stirnrunzelnd serviert wird. In jedem Fall steht fest, dass der Trend zum Großglas nicht nur ein Phänomen der kaufkraftgestärkten sozialen Holzklasse ist. Denn eine Datenquelle der Forscher war der Royal Household – und hier offenbarte sich, dass auch die Monarchen über die Jahrhunderte zu immer fülligeren Kelchen griffen. ■ C. Heyer


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P. Stiefelhagen. Alkohol lässt die Fremdsprache rollen, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 32-32, DOI: 10.1007/s15006-018-0142-8