Mit Psychose hinter Gittern

MMW - Fortschritte der Medizin, Feb 2018

Thomas Müller

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Mit Psychose hinter Gittern

MMW Fortschritte der Medizin Mit Psychose hinter Gittern Gefängnismedizin 0 0 Thomas Müller ■ 3. Gefängnismedizin-Tage , 7.12.17 , Frankfurt am Main einer Anstalt, können diese den Betrieb erheblich beeinträchtigen.“ Viele Inha-ierte mit Psychosen seien bei der Aufnahme zudem verwahrlost und jahrelang unbehandelt, mit ihnen ) Kontakt aufzunehmen, sei schwierig. lld Nach Gliemanns Erfahrung ist in solchen e o om Fällen eine Depotbehandlung mit Halot o F tm peridol neueren Antipsychotika vorzui illdb ziehen - trotz hohem Risiko für extrapyo ybm ramidale Probleme. Atypische NeurolepS (om tika würden o- nicht ausreichen. c . e b o .kad Häufige Fehleinweisungen c tso Von den Anstaltsleitungen werde den / ESU ärztlichen Gutachtern nicht selten naheT DO gelegt, für solche schwierigen Patienten N RAG den Weg in den MaßIUDO regelvollzug zu ebnen. T S© Dies sei jedoch nicht so einfach. Gliemann erinnerte daran, dass nach §63 StGB neben einer länger dauernden Störung und einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit auch ein klarer Zusammenhang zwischen Tat und Krankheit vorliegen muss. Dies sei bei e-i nem Psychosekranken der Fall, der vermeintliche Angreifer tötet, nicht aber zwangsläu”g bei einem Hebephreniepatienten, der wiederholt im Supermarkt klaut. Dennoch komme es o- zu Fehleinweisungen in den Maßregelvollzug. Nach einer Berliner Untersuchung verfehlt mehr als ein Viertel der forensischen Gefangenen die nötigen Kriterien. Wohl noch häu”ger sei aber eine Feh-l einweisung von Psychosekranken in den normalen Vollzug, weil der Zusammenhang zwischen Tat und Krankheit nicht erkannt werde. Gliemann nannte als Bei- - Zurecht im normalen Strafvollzug? _ Als er vor 30 Jahren in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Butzbach in Hessen als Konsiliarpsychiater angefangen habe, sei ihm gerade mal ein Psychosekranker unter 950 Insassen vorgestellt worden, sagte Dr. Rainer Gliemann. Inzwischen leben in der JVA etwa 400 Personen, darunter befänden sich 20 Psychosepatienten. „Ich habe daher den Eindruck, dass solche Störungen in Gefängnissen zugenommen haben“, so der Facharzt für forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Von den Psychosekranken seien zwar die meisten compliant, allerdings gebe es häu”g sehr schwierige Fälle. Gliemann nannte etwa einen Mann, den das Personal nur mit Schutzkleidung und Schutzschilden aufsuchen konnte, weil er regelmäßig mit Kot um sich warf. „Haben Sie ein paar solcher Patienten in spiel einen Mann, der scheinbar grundlos getötet hat. Später erst entwickelte er das Vollbild einer Psychose. Die Tat wurde o¤enbar in der Prodromalphase begangen. „Ein Tötungsdelikt kann das erste Au¥ammen einer Schizophrenie sein“, so der Psychiater. „Wird das nicht erkannt, haben wir ein Problem.“ Immer mehr im Maßregelvollzug Eine Zunahme psychischer Störungen in Gefängnissen kann Prof. Norbert Konrad generell zwar nicht feststellen. Der Chefarzt der Psychiatrie am Justizvollzugskrankenhaus Berlin sieht aber Verschiebungen von Schizophreniekranken aus dem normalen Knast in den Maßregelvollzug. Zudem sei seit 1995 in Deutschland eine gewisse Umschichtung von Patienten aus der Psychiatrie in den Maßregelvollzug zu beobachten. So ist zwischen 1995 und 2004 die Zahl der Personen im Maßregelvollzug nach § 63 und §64 (Entziehungsanstalt) in den alten Bundesländern von 6.100 auf 10.300 gestiegen, gleichzeitig ging die Zahl der Psychiatriebetten um 8.800 zurück. Allerdings hat sich an der Gesamtzahl der Inhaftierten wenig verändert: Während immer mehr in den Maßregelvollzug wandern, sind seit 2005 immer weniger in gewöhnlichen Strafvollzugsanstalten untergebracht. Ihre Zahl war 2014 in den alten Bundesländern mit 54.500 fast ebenso hoch wie die der Psychiatriebetten (55.000). „Ein Tötungsdelikt kann das erste Au ammen einer Schizophrenie sein.“


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Thomas Müller. Mit Psychose hinter Gittern, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 16-16, DOI: 10.1007/s15006-018-0127-7