Der Tragikomödie zweiter Teil?

HNO Nachrichten, Feb 2018

Springer Medizin

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Der Tragikomödie zweiter Teil?

HNO-NACHRICHTEN Der Tragikomödie zweiter Teil? Dr. med. Gerhard Grevers - Chefredaktion M wetterlage in Deutschland und ihrer Auseine Einschätzung zur politischen Großwirkungen auf die Gesundheitspolitik in der letzten Ausgabe 2017 waren wohl etwas voreilig; Redaktionsschluss für das Editorial war leider schon vor Ende der ersten Koalitionsverhandlungen. Nachdem geplatzt ist, was eh nicht funktioniert hätte, bringt sich prompt Genosse Lauterbach, der schmalbrüstige Zauberlehrling von Ulla Schmidt, in Stellung und zieht mit seinem Lieblingsladenhüter „Bürgerversicherung“ markig rote Linien als Grundlage für Koalitionsverhandlungen. Das nunmehr arg in die Jahre gekommene ‹ema hatte im letzten Wahlkampf ob seiner Umstrittenheit eher eine nachgeordnete Rolle gespielt, wurde dann aber im Vorfeld der Koalitionsgespräche von Lauterbach zur „Chefsache“ und Hauptbedingung für eine Neuau“age der GroKo erklärt. In der „Neuen Pas sauer Presse“ tönte er dann auch vollmundig, dass er ohne eine Einigung in dieser Sache „nicht den Hauch einer Chance sieht, dass die SPD-Mitglieder einem Koalitionsvertrag zustimmen werden“. Dabei war das ‹ema doch bereits seit der Jahrtausendwende nicht nur hinreichend breitgetreten worden; die Befürworter hatten nach der Wahl 2003 in sechs Jahren Regierungszeit auch die parlamentarische Mehrheit, um dieses Projekt umzusetzen. Passiert ist nichts. Mittlerweile wurde das Modell im Nachbarland Niederlande ausprobiert; hier hat man 2006 tat sächlich die Bürgerversicherung eingeführt. Seither laufen die Kosten für das Gesundheitswesen ordentlich aus dem Ruder. Kurz gesagt: Es ist wieder mal teurer geworden als erwartet und die Wartezeiten in den Kliniken sind länger als je zuvor. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam übrigens die in der Ausgabe 4/2017 zitierte Bertelsmann-Studie zum ‹ema Bürgerversicherung, und selbst die SPD-nahe EbertstiŸung meldet bei diesem ‹ema Bedenken an. Bei den Nachbarn führt das bereits zu einer neuen Reformdebatte, man will den Schmarrn möglichst schnell wieder loswerden. Das kriegt man hierzulande aber o¡enbar nicht mit! Im Gegenteil: Herr Lauterbach verspricht den Menschen über die Bürgerversicherung niedrigere Beiträge. Nur ist das am Ende des Tages eine Mogelpackung. In den Ländern, die über kein duales System verfügen, wird verstärkt die Möglichkeit genutzt, private Leistungen dazu zu kaufen; die „Reform“ wird also die vermeintliche Ungleichheit in unserem Gesundheitssystem aller Voraussicht nach eher verstärken. Vor diesem Hintergrund spricht der Chefredakteur des Deutschen Ärzteblatts in seinem Editorial (Ausgabe 50/2017) von „falsch verstandenem Klassenkampf “; in Abwandlung einer alten Börsenweisheit könnte man auch sagen: „Neid frisst Resthirn“. In diesem Sinne dürfen wir gespannt sein, was letztlich rauskommt bei den Verhandlungen mit dem lautstarken Vorspiel ….


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Springer Medizin. Der Tragikomödie zweiter Teil?, HNO Nachrichten, 2018, 3-3, DOI: 10.1007/s00060-018-5589-9