Alles so gut wie gedacht?

Schmerzmedizin, Mar 2018

Springer Medizin

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Alles so gut wie gedacht?

Schmerzmedizin Alles so gut wie gedacht? PD Dr. med. Michael A. Überall 0 Nürnberg 0 Algesiologie 0 Pädiatrie 0 0 Michael A. Überall - S festation einer Krebserkrankung einhergehen, chmerzen, die häu g akut mit der Erstmanigehören zu den gefürchtetsten Begleiterscheinungen. Häu g begleiten sie die Betroenen und ihre chronischen Leiden über Jahre. Die unzureichende Behandlung dieser Schmerzen vermag das Leben und seine Qualität mitunter stärker zu beeinträchtigen als die ursächliche Erkrankung. Für viele Betroene ist dies der Anlass für den Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende – mit oder ohne ärztlichem Beistand. Seit Jahren fehlen aktuelle Daten zur Qualität der schmerzmedizinischen Versorgung von Krebspatienten in Deutschland. Bisherige Berichte von Betroenen über ausschließlich ursachenorientierte Behandlungsstrategien (ob kasuistischer Natur oder Ergebnis internationaler Querschnittserhebungen) ließen vermuten, dass die Linderung krebsbedingter Schmerzen zumindest nicht primär im Fokus der onkologischen Šerapeuten steht. Die Daten einer Querschnittsbefragung von Betroenen zur Versorgung tumorbedingter Dauerund Durchbruchschmerzen aus dem Jahr 2017 bestätigen diese Vermutungen nicht nur (zu lesen ab S. 38). Sie zeichnen ein weit düstereres Bild der schmerzmedizinischen Versorgungsqualität von Krebspatienten. Unter Berücksichtigung aktueller Leitlinienempfehlungen und gängiger Šerapiestandards erhält nur jeder Dritte an dieser Befragung teilnehmende Krebspatient mit Schmerzen eine adäquate schmerzmedizinische Versorgung, während die Schmerztherapie bei den restlichen zwei Dritteln durch Unter- und Fehlversorgung oder einer Kombination aus beidem charakterisiert ist. Naturgemäß unterliegen Aussagen auf der Grundlage einzeitiger oener Querschnittsbefragungen zahlreichen methodischen Problemen, die eine generelle und unkritische Verallgemeinerung verbieten. Dennoch legen die Aussagen der über fünfeinhalbtausend Betroenen sowie das Ausmaß der beschriebenen Behandlungsprobleme und der damit eindrucksvoll positiv korrelierende Leidensdruck den Finger auf ein drängendes und in der Wahrnehmung vieler onkologischer Šerapeuten oensichtlich (und im wahrsten Sinne des Wortes) schmerzhaš unterschätztes Problem: die schmerzmedizinische Versorgung. Keine Frage, viele Ärzte, die Krebspatienten betreuen, geben ihr Möglichstes, um den Betroenen trotz ihrer Tumorerkrankung ein schmerzfreies oder zumindest schmerzarmes Leben mit geringem schmerzbedingtem Leidensdruck und hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Aber viele sind nicht alle und damit zu wenig! Das Spektrum der angegebenen Behandlungsprobleme und die damit oensichtlich einhergehende unzureichende Re£ektion seitens der beteiligten Šerapeuten wirš nicht nur spezi sche, sondern auch grundsätzliche Fragen dazu auf, wie mit tumorbedingten Schmerzen umgegangen werden sollte. Dabei zeigt sich die unzureichende Etablierung einer bilateralen Kommunikation auf Augenhöhe im Sinne der partizipativen Entscheidungs ndung. Der Arzt sollte als Experte für Diagnostik und Šerapie, der Patient als Experte für seine individuellen Beschwerden und Bedürfnisse agieren. Dies ist wohl der zentrale Angelpunkt für viele der dokumentierten Behandlungsprobleme, in deren Folge unzureichendes Wissen, Ignoranz und Desinteresse für Probleme jenseits des Tumors auf ärztlicher Seite und irrationale Ängste und Befürchtungen auf Patientenseite ihr Übriges dazu beitragen, die Qualität der schmerzmedizinischen Versorgung zu sabotieren. Dagegen hilš nur Au§lärung, Information und Schulung aller Beteiligten im Rahmen strukturierter Fortbildungsmaßnahmen (für Šerapeuten) sowie Informationskampagnen und Selbsthilfegruppen (für Betroene). Dies sind Herausforderungen, die uns alle noch lange beschäšigen werden und es wirklich verdienen, aktiv bearbeitet zu werden! Ihr


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Springer Medizin. Alles so gut wie gedacht?, Schmerzmedizin, 2018, 3-3, DOI: 10.1007/s00940-018-0746-1