Bringt Gicht dem Immunsystem Power?

MMW - Fortschritte der Medizin, Feb 2018

H. J. Heppner

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Bringt Gicht dem Immunsystem Power?

MMW Fortschritte der Medizin Bringt Gicht dem Immunsystem Power? Das Immunsystem von Gichtpatienten ist durch den dauerhaften Entzündungsstatus im Rahmen der Hyperurikämie stets aktiviert. Forscher wollten nun klären, ob dies vor Infektionen schützen könnte. - _ Für eine retrospektive Kohortenstudie wurden aus den 13 Millionen Hausarztpatienten in der Datenbank des UK Clinical Practice Research Datalink jene Individuen ge­ltert, die im Zeitraum von 1987–2014 die Erstdiagnose einer Gicht erhalten und bereits das 40. Lebensjahr erreicht hatten. Man fand 131.565 Patienten, die mit 252.763 Kontrollindividuen gematcht wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 64 Jahren, der Männeranteil bei 74%. Geprü˜ wurden die Infektionsanfälligkeit und die infektionsbezogene Mortalität mit Fokus auf Harnwegsinfekte und Pneumonien. Die Gichtpatienten hatten im Schnitt einen höheren Body-Mass-Index, eine ausgeprägtere Niereninsu¡zienz, konsumierten mehr Alkohol und litten häu­ger unter Asthma, COPD, Diabetes mellitus oder einer KHK mit chronischem Vorho¥immern. Bei Malignomen, HIV und der Einnahme von Immunsuppressiva fanden sich keine Un terschiede zwischen den Gruppen. Gicht war nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht mit einem 34% erhöhten Risiko für Pneumonie verbunden. Eine Assoziation zwischen Pneumonie-bezogener Mortalität und Gicht konnte aber nicht festgestellt werden. Für Harnwegsinfekte und Gicht ergab sich die gleiche Beziehung. ■ Spaetgens B, de Vries F, Driessen JHM et al. Risk of infections in patients with gout: a population-based cohort study. Sci Rep. 2017;7:1429 KOMMENTAR Es ist sicher eine interessante Überlegung, ob die Dauerstimulation des Immunsystems dieses befähigen könnte, im Akutfall besser zu reagieren. Frühere Untersuchungen mit Interleukin-1β haben gezeigt, dass eine bessere Abwehrlage bestand [Dinarello CA. Blood. 1996;87:2095–147]. In dieser aktuellen Studie hingegen fand sich in der Gruppe der Gichtpatienten keine Verbesserung der infektbezogenen Mortalität. Sie hatten sogar eher mehr Infektionen. Die Theorie des allzeit bereiten Immunsystems scheint in keiner Weise zuzutre¢en. Daher ist bei diesen Patienten erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. ■ Prof. Dr. med. H. J. Heppner Ihre Hände sind Gold wert 7 2 e : 7 7 3 ; 7 1 0 2 . d e M J l g n E N © Arthritisch deformierte Hände mit zahlreichen eingesetzten Goldfäden. Eine 58-jährige Frau, die schon seit ihrem 18. Lebensjahr unter Gelenkschmerzen und fortschreitenden Deformitäten an beiden Händen und Füßen litt, stellte sich in einer Rheumaambulanz vor. Sie war über viele Jahre hinweg mit Ibuprofen und Akupunktur behandelt worden. Zehn Jahre zuvor hatte man die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis gestellt. Damals betrug der Rheumafaktor 628,7 IU/ml, die ACPA-Konzentration lag bei 170,8 U/ml. Die Patientin war auf Methotrexat und Leflunomid eingestellt und später auf Methotrexat und Abatacept umgestellt worden. Das Röntgenbild beider Hände zeigte schwerste Gelenkschäden und Deformierungen der Hand-, Fingermittel- und Fingergrundgelenke. Als Nebenbefund stellten sich zahlreiche Goldfäden in der Gelenkregion dar. Dies war das Resultat einer speziellen Akupunkturform, bei der kleine Stücke von sterilen Goldfäden unter Verwendung von Akupunkturnadeln in Gelenksnähe unter die Haut eingebracht werden. Das Verfahren ist vor allem in Ostasien bei Gelenkschmerzen beliebt. Auch orale und injizierbare Goldpräparationen werden gelegentlich noch verwendet, wie man das auch in den westlichen Ländern früher getan hat. Warum das alles helfen soll, ist nicht leicht zu verstehen. Vielleicht soll damit nach dem Motto „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ die Morgensteifigkeit vertrieben werden? Die Patientin unterzog sich jedenfalls einer Operation ihrer Fußdeformitäten, wodurch eine erhebliche Schmerzerleichterung erzielt werden konnte. ■ Prof. Dr. med. H. S. Füeßl


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H. J. Heppner. Bringt Gicht dem Immunsystem Power?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 36-36, DOI: 10.1007/s15006-018-0195-8