Neuroendokrine Tumoren: Bevacizumab oder Interferon-alfa-2b?

Im Focus Onkologie, Mar 2018

Kathrin von Kieseritzky

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Neuroendokrine Tumoren: Bevacizumab oder Interferon-alfa-2b?

Im Focus Onkologie 0 Yao JC et al. Phase III Prospective Randomized Comparison Trial of Depot Octreotide Plus Interferon Alfa-2b Versus Depot Octreotide Plus Bevacizumab in Patients With Advanced Carcinoid Tumors: SWOG S0518. J Clin Oncol. 2017; 35(15):1695-703 Aktuellen Daten zufolge pro tieren Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder grenzwertig operablem Pankreaskarzinom von einer Resektion, wenn der Serumspiegel des Tumormarkers CA 19-9 durch die primäre Chemotherapie sinkt. - B asis dieser Erkenntnis war eine Studie mit 223 Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder grenzwertig operablen Adenokarzinom des Pankreas. Alle Patienten unterzogen sich primär einer Gemcitabin-basierten Kombinationschemotherapie (3–6 Monate). Jeder dritte Patient wurde operiert (Voraussetzung: eine radikale Resektion war wahrscheinlich) und anschließend mit einer Chemoradiotherapie behandelt, die übrigen Patienten erhielten lediglich eine Chemoradiotherapie. Das mediane Gesamtüberleben (OS) für die gesamte Population lag bei 18,3 Monaten. Patienten, bei denen eine vollständige Tumorresektion möglich war, lebten fast doppelt so lange (30,0 vs. 16,5 Monate; p < 0,00001). 48% der Patienten zeigten ein radiologisches partielles Ansprechen, bei 47% blieb die Erkrankung nach der Chemoradiotherapie stabil und bei 5 % schritt sie fort. Bei 77,8% der Patienten sank der CA 19-9-Spiegel nach der primären Chemotherapie um mehr als die Hälže. Das OS operierter Patienten ohne entsprechende CA 19-9-Reduktion entsprach mit 15 Monaten etwa dem der Patienten, die nicht operiert worden waren (10,9 Monate; p = 0,25). Mit welchem Kombinationspartner von Octreotid leben Patienten mit fortgeschrittenem neuroendokrinem Tumor (NET) länger progressionsfrei – mit Interferon-alpha-2b (IFN) oder dem Angiogenesehemmer Bevacizumab? Aktuellen Daten zufolge scheinen beide gleichwertig. U ngeachtet der Fortschritte, die sich mit zielgerichteten Wirksto©en wie Everolimus und Sunitinib bei pankreatischen NET erzielen lassen, bleiben NET anderer Lokalisationen in der Behandlung problematisch, ož verhalten sie sich aggressiv und resistent gegenüber ¤erapien. Gut di©erenzierte NET sind meist hochvaskularisiert. Die Expression des VEGF („vascular endothelial growth factor“) ist bei gastrointestinalen und pulmonalen NET ož erhöht und mit einer ungünstigen Prognose assoziiert. Deshalb lag es nahe, die Wirksamkeit von Bevacizumab zu testen. Für eine Phase-III-Studie wurden 427 Patienten mit fortgeschrittenen (nichtoperablen oder metastasierten) NET vom Grad 1 oder 2 rekrutiert. Sie erfüllten zudem eines der folgenden Kriterien: Progression, refraktäres Karzinoid-Syndrom, Grad-2-Histologie und mehr als sechs Metastasenorte, metastasiertes Dickdarm- oder gastrales NET. Die Teilnehmer wurden auf Octreotid (LAR 20 mg alle 21 Tage) mit entweder Bevacizumab (15 mg/kg alle 21 Tage; n = 214) oder IFN (5 MU 3-mal pro Woche; n  =  213) randomisiert. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben. Es betrug im Bevacizumab-Arm median 16,6 Monate, im IFN-Arm 15,4 (Hazard Ratio [HR] 0,93; p = 0,55). Die Zeit bis zum ¤erapieversagen war unter Bevacizumab signi¦kant länger als unter IFN (HR 0,72; p = 0,003). Bestätigte a ilt o o F rt/ e b e d © Möglicherweise kann die CA 19-9-Bestimmung bei der Entscheidung für eine Operation helfen. Fazit: Der Multivarianzanalyse zufolge war u. a. das CA 19-9-Ansprechen nach primärer Chemotherapie ein unabhängiger prognostischer Faktor für ein besseres Überleben nach der Operation. Der CA 19-9-Spiegel zu Beginn der ¤erapie hatte jedoch keinen signi¦kanten Ein§uss. Christian Behrend Reni M et al. Selecting patients for resection after primary chemotherapy for non-metastatic pancreatic adenocarcinoma. Ann Onc. 2017; https://doi.org/10.1093/annonc/mdx495. radiologische Remissionen fanden sich unter Bevacizumab bei 12 % der Patienten, unter IFN bei 4 %. Beim Gesamtüberleben gab es keine signi¦kanten Unterschiede (HR 1,16; p = 0,29; Median 35,2 Monate im Bevacizumab-Arm, nach 36 Monaten Follow-up Median im IFN-Arm noch nicht erreicht). Häu¦ge Nebenwirkungen waren unter Bevacizumab/Octreotid Hypertonie (32 %), Proteinurie (9 %) und Fatigue (7 %), unter IFN/Octreotid Fatigue (27%), Neutropenie (12 %) und Nausea (6 %). Fazit: In der Studie wurden keine signi¦kanten Unterschiede beim progressionsfreien Überleben von Patienten mit fortgeschrittenen NET zwischen Bevacizumab und IFN, jeweils kombiniert mit Octreotid, aufgedeckt. Beide Wirksto©e haben, so die Forscher, o©enbar eine ähnliche antitumorale Aktivität bei diesen Tumoren. Kathrin von Kieseritzky


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Kathrin von Kieseritzky. Neuroendokrine Tumoren: Bevacizumab oder Interferon-alfa-2b?, Im Focus Onkologie, 2018, 17-17, DOI: 10.1007/s15015-018-3819-z