Nicht nur „kleine erwachsene Patienten“

Der Freie Zahnarzt, Mar 2018

Honorierung der Kinderzahnheilkunde. Die zahnmedizinische Behandlung von Kindern ist eine Herausforderung. Der Umgang mit den Eltern manchmal auch. Und wie sieht es mit der Honorierung der Leistungen aus? Was lässt sich wie abrechnen? Und wer bezahlt die Rechnung? Ein Überblick:

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Nicht nur „kleine erwachsene Patienten“

Nicht nur „k leine erwachsene Patienten“ - Die Kinderzahnheilkunde hat einen neuen Stellenwert in einer Zeit, in der Helikoptereltern ihre Kinder ständig unter Kontrolle haben, sei es über eine App oder durch die ständige Präsenz, wenn sie die Kinder von einer VerpŽichtung zur nächsten fahren. Es ist ein großer Vertrauensvorsprung, mit dem Zahnärzte umgehen müssen, wenn die Eltern alles für das Kind tun möchten. Da kein Geld der Welt zu schade ist, wenn es nur dem Kind guttut, kann die Zahnärztescha— im moderaten Umgang mit dem Ausmaß der Behandlung und Honorierung nur gewinnen. Sicher darf man nicht am falschen Ende sparen. Und natürlich muss die gute Leistung auch bezahlt und honoriert werden. O— haben Eltern aber den Verdacht, dass dies nicht der Fall ist. Zahnärzte müssen aufpassen, dass das Patientenrechtegesetz eingehalten wird. Bei Kindern gibt es gerade hier einige Fallstricke zu beachten. Nicht nur hinsichtlich der Sorgerechtssituation der Eltern (siehe Seite 15), sondern auch bei dem oeema, wer die Rechnung bezahlen muss. Der dazu VerpŽichtete muss über die Kosten aufgeklärt sein, gegebenenfalls eben nicht der, der das Kind begleitet. Dieser kann auch nicht personenidentisch mit dem Sorgeberechtigten sein. Dabei sollte der Zahnarzt vom Unmöglichen als Normalfall ausgehen. Dies geschieht zum Wohl der Praxis und des Personals, denn heutzutage ist ein AuŸlärungsfehler oder eine fehlende Unterschri— ausschlaggebend für die Fälligkeit einer Rechnung. Vor Gericht sind inzwischen mehr als zwei Drittel aller Klagen wegen AuŸlärungsfehlern und nicht wegen mängelbeha—eter Behandlung. In den allermeisten Fällen kann das Gericht nicht anders entscheiden als dem klagenden Patienten Recht zu geben und einen AuŸlärungsfehler zu urteilen. REGELUNGEN IM BEMA UND DER GOZ Die Honorierung der Leistungen, die an Kindern ausgeführt werden, ist in der GOZ ohne Unterschied zu der Erwachsener und im BEMA in weiten Teilen die gleiche. Sonderverträge zwischen einzelnen Krankenkassen und Zahnärzten, die „Sonderbehandlungen“ durchführten, gab es früher, gibt es aber derzeit nicht mehr. Der BEMA hat einige Positionen für die Behandlung von Kindern, die ohne Budget erbracht werden können. Das sind die Individualprophylaxepositionen IP 1 bis IP 5 und die frühkindlichen Untersuchungen (FU). Füllungen, die über die im BEMA beschriebene Versorgung hinausgehen, sind gesondert zu vereinbaren. Dazu ist eine Mehrkostenvereinbarung nach § 28 SGB V mit den Erziehungsberechtigten notwendig. Der BEMA bezahlt bei Kindern keine dentinadhäsiven Rekonstruktionen als Alternative zu Amalgamfüllungen, nur weil der Patient ein Kind ist. Ausgenommen hiervon sind natürlich Patienten und nicht nur Kinder mit einer nachgewiesenen Allergie gegen Amalgam oder Patienten mit Niereninsu¦zienz. Milchzahnkronen werden unter der BEMA-Nr. 14 inklusive der darin beinhalteten Material- und Laborkosten komplett von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Dazu dürfen nur höchstens zwei zweiŽächige Au¨aufüllungen (F2) berechnet werden. Herausnehmbare Prothesen müssen analog des Prozederes bei Interimsversorgungen Erwachsener Befundklasse 5 beantragt werden und unterliegen der Bonusregelung. Herausnehmbare Lückenhalter sind auch mit den Nummern 119/120 und 123a und 123b plus Material- und Laborkosten als kieferorthopädische Maßnahmen berechenbar. Festsitzende Platzhalter sind keine Kassenleistung und grundsätzlich privat zu berechnen. WICHTIG: RAHMENBEDINGUNGEN EINHALTEN Alle Leistungen, die nicht im BEMA stehen, können privat vereinbart werden, bedürfen aber der Beachtung besonderer Kautelen. Auch schon über die BEMABereiche hinausgehende Versiegelungen bedürfen einer Vereinbarung nach § 4 Absatz 5 BMV-Z und § 7 Absatz 7 der EKVZ sowie bei Steigerung über den 3,5-fachen Satz einer Vereinbarung nach GOZ § 2 Absatz 1 und 2. Da Kinder häu¯g nur schwer oder gar nicht behandelbar sind, sind Sedierungen oder Intubationsnarkosen o— die einzigen Alternativen. Dazu bedarf es aber einer sorgfältigen Abwägung der Gefahren. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen nicht in allen Fällen und überhaupt nur nach vorheriger Beantragung. Kinderbehandlung kann die Erfüllung für so manche Kolleginnen oder Kollegen sein, aber sicher nur, wenn sie sich auch um die Einhaltung der Rahmenbedingungen kümmern. Denn vor allem Eltern wollen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.


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Christian Öttl. Nicht nur „kleine erwachsene Patienten“, Der Freie Zahnarzt, 2018, 16-16, DOI: 10.1007/s12614-018-7189-x