Der Hund gehört auf’s Rezept!

MMW - Fortschritte der Medizin, Apr 2018

Peter Stiefelhagen

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0346-y.pdf

Der Hund gehört auf’s Rezept!

MMW Fortschritte der Medizin Der Hund gehört auf´s Rezept! _ Prävention ist wichtig. Die Frage ist nur, was wir unseren Patienten im Hinblick auf Lifestyle und Ernährung wirklich evidenzbasiert empfehlen können, um Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern. Die Medizin steht ja im Verdacht, all die Dinge zu verbieten, die Spaß machen oder gut schmecken. In dieser Rolle als Spaßbremse fühlen wir uns nicht immer wohl. Glücklicherweise gab es in den letzten Jahren einige neue Erkenntnisse, die uns zum Umdenken veranlassen sollten. So sind nach den Ergebnissen der PURE-Studie Fette besser als ihr Ruf. Je mehr Fette - gesättigte und ungesättigte - verzehrt werden, umso länger lebt man. Und wer bis zu vier Tassen Ka€ee täglich trinkt, reduziert seine Gesundheitsrisiken und lebt länger. Auch ist regelmäßiger Schokoladenkonsum in der Lage, kardiometabolische Erkrankun- - Glosse zur kardiovaskulären Prävention gen zu verhindern. Bei Alkohol gilt: Vollkommene Abstinenz ist nicht die Lösung. Die Dosis macht das Gi™. Bei ihr wirkt das Rezept schon. Aber nicht nur Nahrungs- und Ge nussmittel haben Ein‡uss auf unsere Gesundheit, sondern auch andere Faktoren. Und damit wären wir beim Hund. Ein solcher wirkt dem Herzinfarkt entgegen und verlängert das Leben. Hundebesitzer sind sogar bei schlechtem Wet ter körperlich aktiver als Nicht-HundeBesitzer bei schönem Wetter. Letztere p‡egen stattdessen auch bei Sonnenschein des Deutschen liebstes Haustier, nämlich den inneren Schweinehund. Doch was tun, wenn jemand Angst vor Hunden oder keinen Platz dafür hat? Experten raten, zumindest eineHundeleine anzuscha€en und dann so zu tun, als ob man einen Hund hätte. Dies garantiert auch soziale Interaktionen und führt zur Frage: Meise statt Hund? Wie dem auch sei: Die Forderung „Hund auf Rezept“ verdient unsere Unterstützung. ■ Dr. Peter Stiefelhagen ▶ Man müsste erkennen, wer ein gewisses Risiko hat und bei wem es sinnvoll wäre, ein entsprechendes Training anzubieten. ? Welches Training könnte das sein? Tüscher: Im Grunde sind das Trainings, wie wir sie aus der Psychotherapie kennen, nur übertragen auf bestimmte Grundfunktionen, die wir als potenzielle Resilienzmechanismen identi ziert haben. Allerdings kann man derzeit guten Gewissens kein bestimmtes Training empfehlen. Es genügt o€enbar nicht, auf den einen oder anderen Resilienzfaktor abzuheben, z. B. Stressbewältigung oder Achtsamkeit ... Es gibt bisher keine Studie, die nachgewiesen hat, dass Menschen durch den Erwerb solcher Fähigkeiten resilient im Sinne der dynamischen, längsschnittlichen De nition sind. Resiliente Systeme sind ja sehr ‡exibel. Man wird nie alle spezi schen Situationen trainieren können, z. B. den Tod eines Kindes. Am ehesten kann man trainieren, mit vergleichbaren Dingen umzugehen … ?… nach dem Motto, was uns nicht umbringt, macht uns härter? Tüscher: Ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Es gibt Grenzen der Belastbarkeit. Resilienz trainieren heißt nicht, Menschen immer leistungsfähiger zu machen! Jeder Mensch hat seine Grenze; geht man darüber hinaus, bricht das System zusammen. Interview: Dr. Elke Oberhofer „Impfen“ gegen Stress? Unter der Leitung von Prof. Oliver Tüscher untersucht eine Arbeitsgruppe derzeit, was hinter der sogenannten Stressbeimpfung steckt. Tüscher: „Wir haben festgestellt, dass Menschen, die sehr viele Traumata erlebt haben, ein relativ großes Risiko haben, Depressionen, eine Angststörung oder Sucht zu entwickeln.“ Aber auch Menschen, die sehr behütet aufgewachsen sind, sind dem Experten zufolge offenbar anfälliger für psychische Erkrankungen. Am geringsten sei das Risiko bei denen, die ein mittleres Maß, also zwischen drei und fünf lebensübliche Traumata aufweisen. Die Resilienzforscher schließen daraus, dass man „einen gewissen Anteil von Stress erlebt haben muss, um Reaktionsmuster auszubilden“.


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0346-y.pdf

Peter Stiefelhagen. Der Hund gehört auf’s Rezept!, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 9-9, DOI: 10.1007/s15006-018-0346-y