Niedriggradiges Prostatakarzinom aktiv überwachen oder aktiv intervenieren?

Im Focus Onkologie, Apr 2018

Philipp Grätzel von Grätz

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Niedriggradiges Prostatakarzinom aktiv überwachen oder aktiv intervenieren?

Im Focus Onkologie Niedriggradiges Prostatakarzinom aktiv überwachen oder aktiv intervenieren? 33. Deutscher Krebskongress Arsov verwies zum einen auf die SPCG4-Studie, in der eine radikale Prostatektomie mit „watchful waiting“ - also nicht mit aktiver Überwachung - verglichen wurde. In dieser Studie ging es um ein breites Spektrum an Patienten mit palpablen Tumoren, und die Operation war am Ende im Vorteil. Bei den Patienten mit niedrigem Risiko gab es aber hinsichtlich der Sterblichkeit durch Prostatakrebs keinen statistisch signiŒkanten Vorteil der Operation [Bill-Axelson A et al. N Engl J Med. 2014;370(10):932-42]. Auch in der Pivot-Studie habe es bei Patienten mit PSA-detektiertem Prostatakarzinom über ein mittleres Followup von 12,7 Jahren weder bei der Gesamtmortalität noch bei der Mortalität durch Prostatakrebs einen Unterschied zwischen Prostatektomie und auch hier „watchful waiting“ gegeben. [Wilt TJ et al. N Engl J Med 2017;377(2):132-42]. Und auch die ProtecT-Studie, in der in dreiarmigem Design aktive Überwachung mit Operation und Radiotherapie verglichen worden waren, zeigte nach im Median zehn Jahren keinen Mortalitätsunterschied [Hamdy FC et al. N Engl J Med. 2016;375(15):1415-24]. Žomas Steuber, Hamburg, sekundierte seinem Kollegen, indem er auf die unerwünschten Konsequenzen verwies, die operative Eingriƒe für die Patienten haben können, namentlich ein erhöhtes Risiko für Inkontinenz und Erektionsstörungen. Auch seien die in Studien beschriebenen Komplikationsraten der Prostatektomie möglicherweise nicht repräsentativ, weil viele Operateure in der realen Versorgung die für eine optimale Lernkurve nötige Zahl an nervenerhaltenden Operationen kaum erreichten. - B ei Oxford-Debatten wird jede Position von mehreren Rednern vertreten, und am Anfang und am Ende wird das Publikum nach seiner Meinung gefragt. So auch bei der Diskussion um die aktive Überwachung beim niedriggradigen Prostatakarzinom. Zu Beginn äußerten drei Vierteil des Publikums die Auƒassung, die aktive Überwachung beim niedriggradigen Prostatakarzinom sei onkologisch sicher. „Aktive Überwachung eine Chance“ Nach Ansicht von Christian Arsov aus Düsseldorf ist aktive Überwachung eine Chance für die Urologie, Fehler der Überdiagnostik nicht auch noch durch eine zusätzliche Übertherapie zu verschlimmern: „An den zertiŒzierten Prostatazentren erhält mittlerweile ein Viertel der Patienten mit niedrigem Risiko nichtinterventionelle Žerapien, Tendenz steigend. Das ist auch gut so.“ ++ DKK 2018 ++ Nicht nur neue Therapieoptionen für uroonkologische Tumoren standen beim Deutschen Krebskongress zur Diskussion. Sehr emotional ging es auch bei der Oxford-Debatte zur aktiven Überwachung bei Patienten mit Prostatakarzinom und niedrigem Risiko zu. Deutlich wurde, dass für eine möglichst eƒektive und wenig belastende aktive Überwachung das beste Prozedere noch nicht gefunden ist. Regelmäßige Biopsien sind nicht das, was viele unter guter Lebensqualität verstehen, und entsprechend niedrig sind die Raten derer, die eine aktive Überwachung protokollgemäß durchziehen. Ein erheblicher Teil der Patienten in den Überwachungsarmen unterschiedlicher Studien wechselte im Studienverlauf wegen – o° am PSAWert festgemachter – Tumorprogression zur Operation. Arsov wies aber darauf hin, dass es sich bei vielen dieser Patienten wahrscheinlich um eine Pseudoprogression handele. So spreche die Tatsache, dass in der ProtecT-Studie ein Viertel der Patienten in der Überwachungsgruppe innerhalb von neun Monaten operiert wurde, nicht gegen die Überwachung, sondern für ein schlechtes Staging. Und auch die Abbruchkriterien der Studie im weiteren Verlauf seien mehr als kritikwürdig. Philipp Grätzel von Grätz


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Philipp Grätzel von Grätz. Niedriggradiges Prostatakarzinom aktiv überwachen oder aktiv intervenieren?, Im Focus Onkologie, 2018, 80-80, DOI: 10.1007/s15015-018-3928-8