PPI nach Klinikaufenthalt einfach absetzen?

MMW - Fortschritte der Medizin, Apr 2018

Springer Medizin

A PDF file should load here. If you do not see its contents the file may be temporarily unavailable at the journal website or you do not have a PDF plug-in installed and enabled in your browser.

Alternatively, you can download the file locally and open with any standalone PDF reader:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0362-y.pdf

PPI nach Klinikaufenthalt einfach absetzen?

MMW Fortschritte der Medizin PPI nach Klinikaufenthalt einfach absetzen? Prof. Dr. med. 0 Dr. med. 1 0 Joachim Labenz , Gastroenterologe, Diakonie, Klinikum Jung-Stilling, Siegen 1 Peter Stiefelhagen , Internist, Hachenburg Hier erhalten Sie Rat binnen 48 Stunden: Ein Reizmagensyndrom ist keine; Indikation für eine PPI-Medikation! - www.springermedizin.de/ mmw-sprechstunde Entlassmedikation ?Anonym gestellte Frage: Fast jeder Patient, der heute die Klinik verlässt, hat einen Protonenpumpeninhibitor (PPI) in der Entlassmedikation, ohne dass das für mich immer nachvollziehbar ist. Kann ich diesen einfach absetzen? !MMW-Experte Dr. Stiefelhagen: Sie haben vollkommen recht, die häugste Diagnose ist heute die „Pantozolitis“. PPI werden in den Kliniken wie Lutschbonbons verteilt, meist in der irrigen Meinung, man könne damit die gastrale Verträglichkeit der nicht selten überzogenen Polypharmazie verbessern. Das ist schlichtweg Unsinn. Auch muss man immer wieder auf die Risiken einer PPI-Dauertherapie hinweisen: Osteoporose, Pneumonie, Darminfektionen, eventuell auch Demenz. Sie dürfen nicht nur, sondern Sie sollten unbedingt die Indikation für einen PPI kritisch überprüfen und ihn ggf. auch absetzen. Eine Indikation für eine Langzeit-PPI-‰erapie besteht nur bei Patienten mit einer ReŠuxkrankheit, wobei im Einzelfall auch einmal über eine ‰erapiepause nachgedacht werden sollte, wenn der Patient schon längere Zeit beschwerdefrei ist. Ansonsten ist ein PPI indiziert bei Patienten, die mit einem nicht-steroidalen Antirheumatikum (NSAR) behandelt werden und ein erhöhtes Ulkusrisiko haben, etwa wegen eines Z. n. oberer gastrointestinaler Blutung, einer Komedikation mit ASS oder einem Antikoagulans sowie einem Alter über 65 Jahren. !MMW-Experte Prof. Joachim Labenz: PPI sind exzellente Medikamente zur Behandlung säurebedingter bzw. -assoziierter Erkrankungen. Dementsprechend umfasst die Indikationsliste die gastroösophageale ReŠuxkrankheit, die Ulkuskrankheit von Magen und Duodenum, die Prophylaxe von ASS- oder NSAR-induzierten Ulzera (bei Risikopatienten), die Helicobacterpylori-Eradikation in Kombination mit Antibiotika und das seltene ZollingerEllison-Syndrom. Bei diesen Indikationen ist der Nutzen sicher viel größer als das Risiko. Der PPI-Verbrauch ist in den letzten zehn Jahren in Deutschland wie in vie len anderen Ländern etwa um den Faktor 5 gestiegen. Einer der wesentlichen Gründe ist die Verordnung ohne Indikation. Aus Studien in Kliniken weiß man, dass etwa 60% der stationären Patienten eine PPI-Verordnung erhalten, die in vielen Fällen inadäquat erfolgt – also ohne Indikation. Auch Dosierungsfehler sind häu g. Die Situation ist im ambuk lanten Bereich aber nicht besser, auch c tSo dort entbehren viele PPI-Verordnungen i / seg einer sachlichen Grundlage. a Ittym Häu gste Fehlindikation ist die eG „Gastritis“ (= Reizmagensyndrom). Hier / yhp sind PPI bestenfalls bei einer Untergrupa r tog pe wirksam, und dann auch nur margio Ph nal, ca. 10% besser als Placebo. Darüber -rtz sya hinaus besteht für diese Krankheit keine a ihgw Zulassung. Ein weiteres Problem ist die H© unkritische Übernahme dieser Präparate in die Dauermedikation. Auch das ist vielfach nicht notwendig. Nach meiner Meinung können Sie nicht nur diese Medikation absetzen, Sie sollten das sogar tun! Wir als Ärzte stehen hier in der medizinischen und ökonomischen Verantwortung. Manchmal gestaltet sich das Absetzen insbesondere einer nicht indizierten ‰erapie als problematisch, da Patienten zumindest nach Einnahme über mehrere Wochen bei abruptem Absetzen einen sogenannten Säurerebound entwickeln können, der Beschwerden wie z. B. Sodbrennen auslöst. Dieses Phänomen kann durchaus einige Tage bis Wochen anhalten, sistiert aber spontan. Bei entsprechendem Leidensdruck kann man in dieser Phase z. B. ein Alginat zur Symptombehandlung empfehlen. ■


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15006-018-0362-y.pdf

Springer Medizin. PPI nach Klinikaufenthalt einfach absetzen?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2018, 24-24, DOI: 10.1007/s15006-018-0362-y