Alt, älter, am ältesten

Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin, Sep 2011

Prof. Dr. U. Janssens, Prof. Dr. U. Müller-Werdan

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Alt, älter, am ältesten

0 Universittsklinik und Poliklinik fr Innere Medizin II, Universittsklinikum Halle (Saale) der Martin-Luther-Universitt Halle-Wittenberg , Halle (Saale) 1 Klinik fr Innere Medizin, St.-Antonius-Hospital , Eschweiler 2 Springer Customer Service Center Kundenservice Zeitschriften Haberstr. 7 69126 Heidelberg Tel.: - Der alte Patient in der Intensivmedizin ein Randthema oder hochaktuell? Diese Frage werden Sie sich, sehr verehrte Leserinnen und Leser, sicherlich gestellt haben und mit Interesse dieses Heft in die Hand genommen und damit die Antwort auf diese bewusst rhetorisch gestellte Frage gegeben haben. Natrlich ist dem intensivmedizinisch ttigen Arzt, aber auch den rztinnen und rzten aller Disziplinen sowohl im stationren wie auch im ambulanten Versorgungsbereich lngst bewusst, welchen dramatischen Einfluss die Verschiebung der Alterspyramide mit einer zunehmenden Alterung der Bevlkerung auf die Versorgungsstrukturen im Gesundheitssystem genommen hat, nimmt und nehmen wird. Dabei ist es erstaunlich, mit welcher Gelassenheit sich die Medien, aber auch die Gesundheitspolitiker diesem Thema zuwenden wenn eine Auseinandersetzung inhaltlicher Art berhaupt stattfindet. Weltweit nimmt die Zahl der lteren Menschen mit 2% jhrlich wesentlich rascher zu als die Gesamtbevlkerungszahl. Zumindest in den kommenden 25 Jahren wird die Zahl der lteren Menschen voraussichtlich weiterhin strker ansteigen als die Zahl der Angehrigen anderer Altersgruppen. Die Wachstumsrate bei den ber 60-Jhrigen wird im Zeitraum von 2025 bis 2030 auf jhrlich 2,8% steigen. Der Alterungsprozess betrifft auch die ltesten Bevlkerungsgruppen: Die weltweit am schnellsten wachsende Altersgruppe ist die der hochbetagten Menschen mit 80 Jahren und darber. Diese Altersgruppe wchst derzeit jhrlich um 3,8% und macht mehr als ein Zehntel der Gesamtzahl der lteren Menschen aus. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird ein Fnftel der lteren Menschen 80 Jahre oder lter sein. Der jhrliche Bericht der Europischen Union zur sozialen Lage in der EU (Internetzitat, s. [2]) weist ebenfalls auf dieses Problem hin. Zwischen 2005 und 2050 wird sich der Anteil der ber 80-Jhrigen von 4 auf 11% verdreifachen. Die umfangreiche Auswertung der ANZICS (Australia New Zealand Intensive Care Society)-Studiengruppe [1] gibt einen exzellenten Einblick in die aktuelle und zuknftige Altersstruktur von Intensivpatienten und wendet sich schwerpunktmig den ber 80-Jhrigen zu. Zwischen 2001 und 2005 wurden 120.123 Aufnahmen mit einer Liegedauer von 1 Tag analysiert, 57 Intensivstationen nahmen an dieser Untersuchung teil. Von diesen Patienten waren 13% 80 Jahre alt. Der Anteil dieser Altersgruppe nahm im Beobachtungszeitraum um 5,8% (3,8 7,3%, 95%-Konfidenzintervall) jhrlich zu. Diese Steigerungsraten bersetzen sich in eine 72,4%ige Steigerung des Bedarfs an Intensivbettentagen bis zum Jahr 2015. Alter per se so sind sich alle Mediziner und Intensivmediziner einig stellt keine Indikation zur Ressourcenbegrenzung dar. Dennoch bleiben aus derzeitiger Sicht viele Unsicherheiten, wie knftig mit diesem Problem (nicht nur in der Intensivmedizin) umzugehen ist. Das vorliegende Themenheft soll den Blick fr den alten Patienten auf der Intensivstation schrfen. Die gewhlten Themen knnen und sollen natrlich nicht den kompletten berblick ber dieses komplexe Thema abbilden, sind aber als Ansto zu einer differenzierten Betrachtung in der Therapie kritisch kranker, alter Patienten zu verstehen. Der Beitrag von U. Mller-Werdan et al. ist hier ein Einstieg ins Thema und wendet sich den spezifischen (medizinischen) Problemen betagter Menschen in der Intensivmedizin zu. Die Pharmakotherapie ist essenzieller Bestandteil der (Intensiv)Medizin, hier verfgen wir (Intensiv)Mediziner oft nicht ber eine ausreichende Expertise zu den komplexen medikamentsen Interaktionen und Nebenwirkungen bei schwerstkranken Intensivpatienten, die gerade bei lteren Patienten gravierende und prognosebestimmende Auswirkungen haben knnen. Daher sind wir P. Thrmann und S. Schmiedl besonders dankbar fr ihren Beitrag zur Pharmakotherapie alter Patienten. Ergeben sich bei alten Patienten besondere ethische Fragestellungen? Diese und andere Themen werden durch A. Simon in seinem Beitrag aufgearbeitet. Sehr lesenswert sind seine Ausfhrungen zur immer wieder diskutierten Rationierung von medizinischen Leistungen bei alten Patienten. M. Wehler ffnet den Horizont auf das Leben nach der Intensivmedizin bei alten Patienten. Diesen Aspekt vergessen wir immer wieder in unserer tglichen Arbeit. Wir verlegen Patienten auf die Normalstation, in andere Krankenhuser oder Versorgungseinrichtungen. Wie das Leben der mit hchstem Aufwand behandelten Intensivpatienten nach einer erfolgreichen Intensivtherapie aussieht, entzieht sich regelhaft unserer Kenntnis und muss daher auch in den Fokus gerckt werden. E Wir wissen viel zu wenig ber die Besonderheiten in der Therapie alter Intensivpatienten. Das muss sich ndern! Liebe Leserinnen und Leser, wir sind berzeugt, dass Sie dieses Themenheft mit Freude und Interesse lesen werden und viele der benannten Aspekte zu einem spteren Zeitpunkt vertiefen werden. Wir danken den Autoren ausdrcklich fr ihre hervorragenden Beitrge und sind sicher, dass diese Informationen Sie auch im klinischen Alltag untersttzen und Sie fr die Probleme alter Intensivpatienten sensibilisieren werden. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass noch viel zu tun ist und die zustndigen Fachgesellschaften sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen noch enger verzahnen und eine aktive Zusammenarbeit aufnehmen und gestalten mssen. Prof. Dr. Uwe Janssens Prof. Dr. Ursula Mller-Werdan Lesetipp Herz und Hirn Gleiche Risikofaktoren verursachen vaskulre Erkrankungen von Herz und Gehirn. Die Faktoren weisen ebenfalls Parallelen hinsichtlich ihrer Pathogenese auf. Ein Beispiel ist die zerebrale Ischmie, die mit einem hohen Herzinfarktrisiko einhergeht. Umgekehrt haben Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Patienten mit Herzinsuffizienz ein erhhtes Schlaganfallrisiko. Neue Entwicklungen hinsichtlich der Antikoagulation, der antiarrhythmischen Therapie sowie interventioneller Techniken erweitern das therapeutische Spektrum von Kardiologen und Neurologen. Das LeitthemenheftHerz und Hirn (Ausgabe 02/11) der Zeitschrift Der Nervenarzt informiert ber Innovationen auf diesem Themengebiet. Es beinhaltet u.a. Beitrge zu folgenden Themen: Bestellen Sie diese Ausgabe zum Preis von EUR 34 zzgl. Versandkosten bei:


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Prof. Dr. U. Janssens, Prof. Dr. U. Müller-Werdan. Alt, älter, am ältesten, Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin, 2011, 8-9, DOI: 10.1007/s00063-011-0020-y