Zwei "kappadokische" Tontafeln im Nationalmuseum zu Kraków

The Journal of Juristic Papyrology, Apr 2018

Lubor Matouš

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Zwei "kappadokische" Tontafeln im Nationalmuseum zu Kraków

M N K - 1 Für die Veröffentlichung der beiden „kappadokischen" Tafeln bin ich der Direktion des Nationalmuseum's in Kraków zu grossem Dank verpflichtet. • Vgl. dazu i;. ôzgiiç, Der zweite Bericht über die Ausgrabungen in Kültepe, S. 111 ff. 8 Bis jetzt wurden nur Verzeichnisse der Eponymen (K. B a l k a n , Observations on the Chronological Problems of the Kárům Kaniš) und der Brief des Königs Anum-hirbi (K. B a l k a n , Letter of King Anum-hirbi of Mama to King Warshama of Kanish) veröffentlicht. bungen am Kültepe haben gezeigt, dass kärum Kaniš kein besonderes Stadtviertel4 bildete, sondern dass es vielmehr eine selbständige noch vor der Ankunft der Assyrer in Kleinasien durch die einheimische anatolische Bevölkerung gegründete Siedlung darstellte. Die „kappadokischen" Tafeln sind im altassyrischen Dialekt geschrieben5. Obwohl die assyrischen Händler in fremder Umgebung lebten — wie es deutlich einheimische6 hethitische, luwische, churrische u. a. in den „kappadokischen" Tafeln vorkommende Eigennamen beweisen — haben sie Ausdrücke7 aus diesen Sprachen nur in kleinen Masse in ihren Dialekt übergenommen. Die Sprache der „kappadokischen" Tafeln repräsentiert den klassischen altassyrischen, nur wenig von der Sprache der gleichzeitigen Königsinschriften in Assyrien abweichenden Dialekt. Die altassyrischen Tafeln von Kültepe sind durch das jetzt in vier Abdrücken8 bekannte Siegel des Königs Šarru-kěn in die erste Hälfte des 18. Jhdt., also ungefähr 50 Jahre vor der Tronbesteigung des berühmten babylonischen Königs Chammurabi, datiert. Dieses Datum wurde durch die Erwähnung des Königs Puzur-Aššur9 bestätigt. Das überwiegende Material der Archive der assyrischen Händler besteht aus Geschäftsbriefen (so auch unsere Tafel MNK 636). Neben den Briefen wurden auch in grosser Menge Urkunden des privaten und öffentlichen Rechts sowie Memoranda gefunden. Die Privaturkunden bilden zahlreiche Verpflichtungsscheine, Erbschaftskontrakte (wie z.B. unsere MNK 635, die sich mit einem Erbschaftsstreit beschäftigt), Quitungen, Kaufurkunden, Transportverträge u.s.w. Die Urkunden des öffentlichen Rechts sind grösstenteils Gerichtsprotokolle. Alle bis zum J. 1935 veröffentlichten Rechtsurkunden vom Kültepe wurden von J. L e w y und G. E i s s e r in der vortrefflichen Arbeit Die altassyrischen Rechtsurkunden vom Kiiltepe (MVAeG, Bd. 33 und 35) bearbeitet. K ä m m Kaníš (erwähnt auch in unserer Tafel MNK 635, 6) repräsentierte die zentrale assyrische Kolonie in Kleinasien. Neben dieser Hauptkolonie wird in den ,,kappadokischen" Tafeln eine ganze Reihe assyrischer Kolonien und kleinere Stationen, genannt wubartum, erwähnt. Auch in unseren Tafeln spricht man von bedeutenden Zentren des Kolonialhandels in Anatolien, wie Wahšušana (MNK 635, 8; 636, 6) und Durhumit (MNK 636, 14). Sowohl mit diesen kleineren Handelskolonien, als auch mit der Metropole des assyrischen Reiches, Aššur, unterhielt die Hauptkolonie Kaniš rege geschäftliche Yerbmdungen. Gegenstand des Geschäftes bildeten vor allem Stoffe und Metalle. Aus Assyrien wurden nach Kappadokien verschiedene Stoffsorten und Zinn (annukum), das in kleineren Mengen als Geldmittel diente, importiert, hingegen wurden aus Anatolien nach Aššur Kupfer, über das in unserem Briefe MNK 636 gesprochen wird, exportiert. Die Ware, assyr. luqütum (vgl. MNK 635,1) wurde durch Kara wanen, ellatum genant (MNK 635, 5), transportiert. Bevor die aus Assyrien nach Anatolien eingeführte Ware auf den Markt gegeben wurde, „ging sie" (assyr. ërub, vgl. MNK 635, 7), wie der Terminus technicus dafür lautet, in den Palast „ e i n " , wo von ihr bestimmte Abgaben und Zoll erhoben wurden. Erst als sie nach Begleichung aller Steuern aus dem Palast des einheimischen Fürsten „herausgegangen ist", wurde sie von den Händlern zum weiteren Verkauf übergeben. Von der komplizierten Organisation des Handels zwischen der Hauptstadt Aššur, dem kärum Kaniš und anderen kleinasiatischen Handelskolonien erfahren wir besonders aus der Geschäftskorrespondenz der assyrischen Händler10. MNK 635 Erbschaftsstreit Gegenstand der Urkunde ist, wie aus Ζ. χ + 17 f. hervorgeht, eine erbrechtliche Auseinandersetzung zwischen Ali-ahum, Kïki und Idi-abum, Söhnen des Aššur-tab auf der einen Seite und Inä'a und seinen Söhnen auf der anderen Seite. Die Söhne des Aššur-tab 10 Dazu s. B. L a n d s b e r g e r , Assyrische Handelskolonien (AO X X I V ) . verpflichten sich11, dass sie keine Ansprüche mehr auf die in Z. 1—13 angeführte Ware erheben werden. Es handelt sich um: 1) die frühere, aus Aššur expedierte Ware des Aššur-tab, die von Sukallum transportiert wurde (Z. 1—3), 2) die von Aššur-tab und Ikunä transportierte Ware, die mit der Karawane des Idi-Kubi nach Kaniš kam (Z. 3—7), 3) Silber und Gold, das der Vertreter des Inä'a nach Siegelung durch den Komisar und die Söhne des Aššur-tab nach Kaniš brachte (Z. 7—12). Diese hier gebrachte Aufzählung der Ware, auf die Inä'a nach Aššur-tabs Tode Ansprüche erhebt, ist unvollständig, da zwischen der Vorder-und Rückseite einige Zeilen fehlen. Bei der erbschaftlichen Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien wirkte der Komisär (räbisum) als Rechtsanwalt (Ζ. χ -f- 21). Die Urkunde schliesst mit der Aufzählung der Zeugen, die bei der Ausstellung des Kontraktes anwesend waren, (Ζ. χ + 22 ff.). Ihre Namen sind von dem eigentlichen Vertrag durch eine freie Zeil getrennt (vgl. dazu ζ. B. den Verpflichtungsschein EL 35). Obv. 11 Die richtige Auslegung dieser Urkunde verdanke ich Prof. B. L a n d s b e r g e r , der mich aufmerksam gemacht hat, dass ana in Z. 1 sich auf das Verbum tuärum in Ζ. χ + 19 bezieht. MNK C35 •χ+ 15 i t ^ N i i - h f ггтЖ j f ^ ą ^ ^ [f x+ 20 11 ik-nu-ku-ni-ma [a-na Ka-ni-iš] ] Rs. x + u[a-na mi-ma ša i-na tup-pi-im] χ +15 a-nim lá-pu-ftü-nij x + 16 mer'üü A-sur-täb A-lf á-hu-um] x +17 Ki-i-ki ù I-di-a-bu-fum] x + 18 a-na I-na-a ù mer4['-šuj x + 19 lá i-tù-ru-ύ A-šur-dfamiq?] x + 20 měr Lá-ra-bi ι-im x + 21 ί-ša-ha-tí-šu-nu räbisum i-zi-iz x + 22 mahar Da-da-a měr A-šur-fiJ-mi-tí x + 23 mahar A-sú-ta-a měr E-[me-me] x + 24 mahar dEn-lil-b[a-ni] x + 25 měr A-šur-ma-lfik] U. Rd. x + 26 mahar Sà-ak-li-fa] x + 27 měr Šu-Ku-bi-im [(in Bezug) auf alles, was in] dieser * + 14 [Tafel] x +15 ver zeichnet ist] x + 19 werden x + 16 die Söhne des Assur-täb, (nämlich) : Ali- [ahum], Kiki und Idi-ab[um] auf Inä'a und [seine] Söhne nicht zurückkommen. Aššurd[amiq?], Sohn des Larabum, Komisär, war ihr Rechtsbeistand. Vor Dada, dem Sohne des Aššur-[i]mitti, vor Asutä, dem Sohne des E[meme], vor Enlil-b[ani], dem Sohne des Aššur-mal[ik], vor Sakli[a], dem Sohne des Šú-Kubum, (freier Raum von 2 Zeilen) Kommentar zur Übersetzung: Z. 1.: Unter luqütum versteht man die Einfuhrware, vor allem Zinn (oder Blei?) und Stoffe, die von Asäur nach Anatolien transportiert wurden (vgl. dazu L e w y , ArOr X V I I I / 3 , 437, Anm. 400 und B i l g i ç , Appellativ% 57). 2.: Zu ša šěp X vgl. zuletzt L e w y , Or NS 26, 19, Anm. 3. 3.: Zum Verbum eräbum „eingehen", „eintreten", von der Ware gesagt vgl. z. В.: ana ëkallim luqütum ërub (EL 247,7 ff.), MNK 636 / Brief an den kärura Kaniš Der Brief ist adressiert an die Kolonie in Kaniš. Absender sind die Boten (siprü), die i m Interesse des k ä m m handeln. Der kärum Kaniš hat — wie aus Z. 5—7 hervorgeht — die B o t e n beauftragt, die Stoffe, sobald sie in der Stadt Wahšušana einlangen, mit Kupfer, das dort deponiert ist (vgl. dazu Lewy, K T H 1, 6), zu bezahlen. Die Boten haben aber festgestellt, dass das in Wahšušana deponierte Kupfer schwarz ist, d.h. minderer Kvalität, und dass es in Wahšušana als Zahlmittel nicht angenommen wird. Das Kupfer, mit dem man dort zahlt, k o m m t aus Durhumit, das aus den „kappadokischen". Tafeln als ein wichtiges Zentrum des Kupferhandels bekannt ist. Der Brief endet mit der Feststellung der Boten, dass die Stoffe noch nicht eingelangt sind — anscheinend aus Aššur, woher sie nach Anatolien inportiert wurden. Obv. Im—í Tt=r^-mň=r Ш M r Z W E I , , K A P P A D O K I S C H E " T O N T A F E L N Kà-ni-is Ai-na Obv. 1 faj-na kà-ri-im 2 f qíj-bi-та um-ma 3 ší-ip-ru-ku-nu-ma 4 um-ma a-tù-nu-ma 5 šu-ma subätu~I 6 Wa-ah-šu-ša-na 7 i-šé-ru-ku-nu-tí 8 li-qí-a-ma erVam 9 ša iia-ad-û-ηί 10 šu-uq-lá erVum na-ad-û 12 sa-lá-am a-na-kam 11 ša R d . Rs. 13 ú-lá i-ma-har 14 ku-lu erVim ša 15 subätü-11 lá-šu-um Du-ur-hu-mi-it [Z]ur Kolonie K a n í š [spjrich; folgendermassen (sprechen) euere B o t e n . Folgendermassen (habt) ihr (gesagt); „ W e n n die Stoffe 7 in O r d n u n g 5naeh "Wahšušana zu euch k o m m e n , n e h m t (sie) u n d 10bezahlet 8 m i t d e m K u p f e r , 9das deponiert i s t ! " Das K u p f e r , das d e p o n i e r t ist, ist schwarz. Hier wird es n i c h t a n g e n o m m e n . Alles K u p f e r ( s t a m m t ) aus Dur h u m i t . Stoffe gibt es (hier) n i c h t . K o m m e n t a r zur Ü b e r s e t z u n g : 10.: Die F o r m ZA-là-am ist gemäss freundlicher Mitteillung von Prof. Lewy S t a t , absol. salam „ i s t schwarz". Prof. Lewy, m a c h t mich auf TC III 157,3 und BIN IV 31,14 aufmerksam, wo erVum sa-là-mu-um Lubor Matouš MNK 635 Rs. 4 S. dazu T. Ö z g ü ç, I.e . S. 216 . 6 Vgl. J. L e w y , Studien zu den altassyrischen Texten aus Kappadokien, 6 Zu den Schichten der anatolischen Bevölkerung in der Zeit der assyrischen Kolonien vgl . E. B i l g i ç , AfO X V ( 1945 -51), S. 15 - 19 . ' Mit der Analyse dieser Ausdrücke befasst sich die Studie Die einheimischen Appellativa der kappadokischen Texte von E. B i l g i ç (in DTCFY, No У6/3)· 8 Vgl. K. B a l k a n , Observations on the Chronological Problems of the Kärum Kaniš , S. 51 . 9 Publiziert von I. J. G e l b , Inscriptions from Alishar and Vicinity (OIP X X V I I ) , No 58. subätü ana ëkallim Srubu ( E L 116,9 f .). Der Palast war eine Durchgangsstation f ü r die E i n f u h r w a r e der assyrischen Händler, besonders f ü r Zinn (oder Blei?) u n d Stoffe, die dabei Zoll u n d Abgaben unterlagen,(vgl . auch Bilgiç, Dergi VI/5 , 512, Anm. 119 ). 10: Zur F u n k t i o n des räbisum d.h. des Komisärs vgl . Landsberger, Belleten X I V , 266. H a u p t a u f g a b e des im Auftrage der städtischen Ämter handelnden Komissärs war es, die Gegenpartei vor Zeugen zu verhören (vgl . auch Lewy, H U C A X X V I I , 67 Anm. 282 ). x + 1 7 : Der Sohn des Aššur-tab, Ki-i-ki, ist wahrscheinlich - d a bei den assyrischen Kolonisten die sehr verbreitete Sitte herrschte, den Kindern Namen n a c h ihren Grossvätern zu geben (vgl . dazu Lewy, HUCA X X V I I , 10 Anm. 44) - identisch m i t dem Vater des Zeugen Aššur-tab, Ki- ki in E L 142,13. Der N a m e k o m m t auch in der V a r i a n t e Ki-ki- i ( B I N I V , 233 ,5; vgl. Lewy, ArOr X V I I I / 3 , 409) vor . x + 2 1 : Zu iš šahat N N zuäzum „ b e i der Verhandlung m i t j e m a n d e m anwesend sein" s. Lewy , J A O S 58 , 457 Anm. 25 u n d D a v i d , OLZ 1933 , 216 Anm. 4. x + 2 2 : D a d a , Sohn des Aššur-imitti, ist auch in E L 47, 2 belegt (s . auch E L 226, 1 und ib . 228 ,22). x-f 23: Asutä, Sohn des E m e m e , wird oft in den ,,kappadokischen" Tafeln erw ä h n t , z .B. E L 108 , 19 ; 109 ,20; CCT 32a, 2 (vgl . dazu E L 106b). Zum Personennamen vgl . Oppenheim, B H A V , 8 Anm. 3 u n d ib . 16 . x + 2 4 : Enlil-bani, Sohn des Aššur-malik, war ein bekannter Händler in K a - níš (vgl . Lewy, ArOr X V I I I / 3 , 373 Anm. 43 ). x + 2 6 : Eigenname Saklia ist ergänzt n a c h O I P X X V I I , N r 56,9 u n d 55. Zum Personennamen vgl . Oppenheim, I. e . 10 . / Й И ' Ш - а И ' erwähnt wird. In technischer Hinsicht ist „schwarzes Kupfer" minderer Kvalität und enthält Zusätze von Eisen , Blei, Gold, Silber usw. und erfordert besondere Veredlung . Dazu vgl . Forbes, Metallurgy in Antiquity, 309 und 322 und Ost-Rassow , Lehrbuch der chemischen Technologie (28 . Aufl .), 1110 . 14.: Der Ausdruck kullum ist westsemitischer Herkunft (dazu Lewy , ZA NF 4 , 249 ). Der Stat. constr. lautet entweder kulla (z.B. kulla siliäni in EL 155,15) oder kullu (z . B. kullu ummiäni in TC 28 , 27 ). Die Stadt Durhumit ist ein durch Kupferhandel bekannter Ort in Anatolien (Belege bei Bilgiç , Belleten X , 422 und AfO X V , 29 und 37).


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